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Gaspreis steigt in Altena um mehr als 70 Prozent

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Von: Thomas Bender

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Hendrik Siebecke, Daniel Schembor und Katrin Brenner  von den Stadtwerken Altena informierten über die bevorstehende Gaspreiserhöhung.
Hendrik Siebecke, Daniel Schembor und Katrin Brenner informierten über die bevorstehende Gaspreiserhöhung. © Bender, Thomas

Eins immerhin ist sicher: Das Gas wird teurer, auch für die Kunden der Stadtwerke Altena. Die erhöhen den sogenannten Arbeitspreis zum 1. Januar um 6,95 auf 16,61 Cent pro Kilowattstunde. Das gilt für die sogenannte Grundversorgung, der Tarif Burggasfair XL liegt leicht darunter.

Altena – Das ist ein Anstieg von fast 72 Prozent, der aber im Rahmen dessen liegt, was die Stadtwerke in den Nachbarstädten auch verlangen. Konkurrierende Anbieter wie zum Beispiel Vattenfall und Montana fordern allesamt über 19 Cent.

Wie es weitergeht, weiß keiner

Der Aufsichtsrat hat diesem Anstieg in der vergangenen Woche zugestimmt, nachdem die Verträge für das im ersten Quartal 2023 benötigte Gas unter Dach und Fach waren. Aber wie geht es ab April weiter? „Was wir danach tun müssen, wissen wir jetzt noch nicht“, sagte Geschäftsführerin Katrin Brenner bei der Bekanntgabe des neuen Preises. Hendrik Siebecke, als Vertriebsleiter auch für die Beschaffung zuständig, berichtet von aktuell sinkenden Preisen, was auch auf die milde Witterung zurückzuführen sei. Die macht sich auch in Altena bemerkbar: Im Oktober wurden 17 Prozent weniger Gas verbraucht als im Vorjahresmonat.

Dezemberhilfe und Gaspreisdeckel: Viele Fragen bleiben offen

Die 16,61 Cent pro Kilowattstunde kommen beim Kunden nicht in voller Höhe an. Dafür sorgen die Dezemberbeihilfe und der Gaspreisdeckel – beides Dinge, die den Stadtwerken erhebliches Kopfzerbrechen bereiten. Wirklich beschlossen sei von der Bundespolitik bisher nur die Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent, die man in vollen Umfang an die Kunden weitergebe, wie Brenner betont. Zu allem anderen fehlen noch die politischen Beschlüsse, vor allem aber die Ausführungsbestimmungen.

Abschlagszahlungen im Dezember nur für Wasser

Fakt ist: Die Stadtwerke werden im Dezember keine Abschlagszahungen für Gas von den Konten ihrer Kunden abbuchen. Die Vorauszahlungen für Wasser und Abwasser werden nach wie vor fällig. Das große Rätselraten beginnt dann, wenn die Jahresabrechnung kommt. In der wird dann nämlich nicht der Dezember-Abschlag berücksichtigt, sondern der für September. Schon jetzt nähmen die Anfragen der Kunden deutlich zu, berichtet Daniel Schembor, der für das Kundenbüro der Stadtwerke verantwortlich ist. Wenn die Rechnungen kämen, werde der Beratungsbedarf sicherlich noch steigen. Schembor: „Das dem Kunden zu erklären, wird eine riesige Herausforderung.“

Den Stadtwerken fehlen eine Million Euro

Dem Unternehmen fehlt durch die Aussetzung der Abschlagszahlungen rund eine Million Euro, die der Bund erstatten will. Das Verfahren sei noch völlig unklar, niemand wisse, wann das Geld kommen werde, sagt Katrin Brenner. Und auch mancher Kunde bekommt ein Problem: Wer über 72 000 Euro verdient, muss den vom Bund übernommen Abschlag versteuern. Weil die Stadtwerke Altena „rollierend“ abrechnen, bekommt ein erheblicher Teil der Kunden seine Jahresabrechnung erst in der zweiten Jahreshälfte – die Steuererklärung sollte dann längst erledigt sein.

Stichwort Gaspreisbremse: Die 16,61 Cent pro Kilowattstunde müssen die Kunden nur bis einschließlich März bezahlen. Danach – so der Plan – greift der Gaspreisdeckel. 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs soll der Kunde dann für 12 Cent pro Kilowattstunde bekommen, für den Rest gilt der Normalpreis. Auch hier gilt: Keiner weiß, wie’s gehen soll und wie das umgesetzt werden kann.

Ersatzversorgungstarif nur noch für zwei Monate

Einen Ersatzversorgungstarif gibt es bei den Stadtwerken weiterhin, allerdings auf zwei Monate begrenzt. Wer von anderen Anbietern zu den Stadtwerken wechselt (etwa weil sein bisheriger Anbieter Konkurs anmelden musste) zahlt zunächst 20,27 Cent pro Kilowattstunde. Hat er nach zwei Monaten keinen anderen Anbieter gefunden (wovon auszugehen ist) ist ein Wechsel in die Grundversorgung möglich. Die sechswöchige Vorlaufzeit, die die Stadtwerke bei Veränderungen ihrer übrigen Tarife einhalten müssen, gelten für die Ersatzversorgung nicht: Sie wird auf der Basis der Einkaufspreise immer wieder neu kalkuliert.

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