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Stadtwerke Altena canceln Gaspreiserhöhung

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Von: Thomas Bender

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Gasumlage Müller Umweltschutz Lüdenscheid
Die Gaspreise steigen auch in Altena deutlich. Durch den Wegfall der Gasumlage anders als von den Stadtwerken zunächst angekündigt, aber nicht schon im Oktober, sondern erst zum Jahreswechsel. Im November wird sich der Stadtwerke-Aufsichtsrat mit der geplanten Preiserhöhung beschäftigen. © Patrick Pleul/DPA

Sparen, sparen, sparen – vor allem das wünscht sich Katrin Brenner von den rund 4500 Gaskunden der Stadtwerke. Und das in zweierlei Hinsicht.

Zum einen hofft die Geschäftsführerin des Unternehmens, dass sich die Bürger auf die zum 1. Januar zu erwartende und wohl sehr deutliche Preiserhöhung vorbereiten und entsprechende Rücklagen bilden können. Zum zweiten warnt sie vor einer möglichen Folge der Diskussionen über den sogenannten Gaspreisdeckel: Auf keinen Fall dürfe der dazu führen, dass die Gaskunden jetzt in ihren Sparbemühungen nachließen und wieder mehr Energie verbrauchen. Jetzt seien die Gasspeicher zwar gut gefüllt und die Versorgung im Winter damit einigermaßen gesichert. „Aber nach dem Winter ist vor dem Winter“, warnt Brenner – völlig offen sei, wie die Speicher für den Winter 2023/2024 gefüllt werden sollen. Ein sparsamer Umgang mit Energie sei deshalb unabdingbar.

Bei den am Montag veröffentlichten Maßnahmen handele es sich um Vorschläge einer Expertenkommission – beschlossen sei noch gar nichts, betont Brenner. Jetzt sei die Politik am Zuge. Ob die die Vorschläge eins zu eins umsetze, bleibe abzuwarten. „Deshalb machen wir hinsichtlich der Empfehlungen der Kommission erst mal gar nichts“, hat Brenner beschlossen.

Unternehmen wurde kalt erwischt

Immerhin haben sich verändernde Rahmenbedingungen das Unternehmen erst vor wenigen Wochen kalt erwischt: Im August beschloss der Aufsichtsrat eine Erhöhung des Gaspreises von 9,9 auf 13,6 Cent, die Anfang Oktober in Kraft treten sollte. Begründet wurde das mit drei Umlagen, die damals diskutiert wurden. Die höchste davon – nämlich die sogenannte Gasumlage in Höhe von etwa 2,4 Cent – kam dann doch nicht. Die beiden anderen (Speicher- und Bilanzierungsumlage) machen zusammen nur 0,63 Cent aus. Hinzu kommt eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas. Rechne man das alles zusammen, dann komme man auf einen Preis, der sogar noch etwas unter den bisher geltenden 9,9 Cent pro Kilowattstunde liege, sagt Hendrik Siebecke, der Vertriebsleiter der Stadtwerke. Natürlich werde das Unternehmen jede Entlastung auch weiterhin an die Kunden weitergeben, betont Katrin Brenner. Allerdings gibt beziehungsweise gab es ein Problem: Vor der Erhöhung zum 1. Oktober wurde überprüft, ob die monatlichen Abschlagszahlungen der Kunden noch ausreichend erschienen. In etwa 2000 Fällen war das nicht der Fall, für diese Kunden wurden die Abschlagszahlungen pro aktiv erhöht, was die Stadtwerke ihnen schriftlich mitteilten – machte etwa 1700 Euro Portokosten.

Katrin Brenner, Geschäftsführerin der Stadtwerke Altena.
Katrin Brenner, Geschäftsführerin der Stadtwerke Altena. © Heyn, Volker

Das Ende vom Lied ist, dass diese Kunden jetzt zu viel bezahlen, jedenfalls zunächst einmal. Deshalb wurden diese Kunden ein zweites Mal angeschrieben. Entweder könne auf der Grundlage der geänderten Bedingungen ein neuer und dann natürlich niedrigerer Abschlag berechnet werden oder aber man behalte den höheren Abschlag bei, um einen Puffer für die sich abzeichnende Erhöhung zum 1. Januar zu bilden, heißt es in dem Brief, in dem die zweite Variante ausdrücklich empfohlen wird. Dieser Empfehlung sei die große Mehrheit der Kunden gefolgt, berichtet Daniel Schembor, der Leiter des Kundenservice.

Viele Kunden haben von den Stadtwerken noch nichts gehört

Und dann ist da noch die Gruppe derer, die bislang überhaupt nichts von den Stadtwerken gehört haben. Sie wurden nicht vergessen, aber hier steht entweder in nächster Zeit bereits die Jahresabrechnung an oder der Abschlag ist aktuell noch ausreichend – zum 1. Januar sieht das allerdings garantiert anders aus.

Wohin die Reise geht? Dazu mögen Katrin Brenner und ihre Mitarbeiter nur so viel sagen: Die Beschaffung für das erste Quartal 2023 ist abgeschlossen – die Stadtwerke haben sich das dann voraussichtlich benötigte Gas in mehreren Tranchen über Ihre Vorlieferanten am Gasmarkt gesichert. Die dabei vereinbarten Konditionen fließen nun in eine Kalkulation ein, die am 8. November im Stadtwerke-Aufsichtsrat behandelt wird, der dann die ab 1. Januar gültigen Preise beschließen muss. Siebecke geht davon aus, dass dann eine deutliche Erhöhung der Abschlagszahlen erfolgen muss. Die von der Expertenkommission vorgeschlagene Gaspreisdeckelung auf 12 Cent greift – so sie denn kommt – erst ab März. Noch habe sie keine Ahnung, wie das umgesetzt werden könne, gesteht Brenner, die mit ihrem kleinen Team wegen der sich ständig verändernden Rahmenbedingungen unter extremem Druck steht.

Bei Problemen im Kundencenter melden

Ihr sei völlig klar, dass die absehbare Gaspreisentwicklung für viele Kunden ein echtes Problem darstelle, meint Katrin Brenner und appelliert, sich in solchen Fällen umgehend beim Kundenservice oder auch bei der Stadt zu melden, um beispielsweise Ratenzahlungen zu vereinbaren oder Wohngeld zu beantragen: „Nicht einfach die Briefe nicht aufmachen“, warnt die Geschäftsführerin.

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