Ornamente sind aus Zinkblech

Überraschungsfund bei Haussanierung im MK

Köster-Emden 
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Das Haus Köster-Emden in der Innenstadt wird saniert. Dabei tauchten Überraschungen auf.

Einen überraschenden Fund machten die Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Stadt Altena bei der Sanierung des Köster-Emden-Hauses an der Lennestraße 93 in der Burgstadt.

Altena – Vor dem geplanten Neuanstrich war eine Restauratorin damit beauftragt worden, die Fassade des Gebäudes aus dem Jahr 1707 zu untersuchen. Erst im Rahmen dieser Untersuchung trat zutage, dass die klassizistisch gestalteten Konsolen und Rosetten am Dachgesims nicht wie angenommen aus Holz, sondern aus gestanztem Zinkblech bestehen.

„Als wir auf dem Gerüst standen und geklopft haben, haben wir gemerkt: Die sind innen hohl“, erinnert sich Jürgen Wagner von der Denkmalbehörde der Stadt Altena. „Geprägtes Zinkblech wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts sehr beliebt und kam in unterschiedlichen Formen auf den Markt, für Dach- und Wandbekleidungen oder Zierrat für Fassaden und Dächer“, erläutert LWL-Denkmalpflegerin Danae Votteler den Fund. „Durch eine einheitliche Farbgebung mit sparsamen farbigen Akzenten erscheint uns das Gesims als massive Steinarchitektur.“

Farben erzählen von der Geschichte des Gebäudes

„Damit die Sanierung nachhaltig und mit den richtigen Methoden und Materialien durchgeführt werden kann, ist es wichtig, zuvor den ursprünglichen Bestand und den Erhaltungszustand detailliert zu erfassen,“ erklärt Helena Dick, Restauratorin bei der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, „zudem können wir durch die Feststellung der Beschichtungsabfolge mehr über die Geschichte des Gebäudes erfahren.“

Die Untersuchung ergab auch, dass die Rosetten ursprünglich rot akzentuiert waren, bevor sie unsachgemäß mit Fassadenfarben einheitlich überstrichen wurden. Dieser historische Zustand soll nun wiederhergestellt werden. „Doch zuerst mussten die schlecht anhaftenden Altbeschichtungen runter, damit ein materialgerechter Korrosionsschutz aufgetragen werden kann,“ berichtet Wagner, „keine leichte Aufgabe, da die Zinkelemente empfindlich und vergleichbare Fälle nicht bekannt sind. Schließlich haben wir einen Handwerker gefunden, dem es mit viel En-gagement und Sachkenntnis gelungen ist, die Farbschichten schonend zu entfernen.“ Für Wagner ist diese Geschichte auch ein Beispiel dafür, wie wichtig der konstruktive Austausch verschiedener Disziplinen in der Denkmalpflege ist: „Ohne Zusammenarbeit geht es nicht.“

Von wegen Holz: Die Ornamente sind aus Zinkblech.

Voraussichtlich im März sollen die fertig restaurierten Zinkelemente wieder an der Fassade angebracht werden. Sie sind nicht die einzige Besonderheit, die bei der Sanierung des Köster-Emden-Hauses zutage trat. „Für die Schablonenmalerei auf dem Dielenboden im Obergeschoss gibt es in Westfalen bislang keine bekannten Vergleichsbeispiele,“ betont Dick. Aufgrund der starken Neigung wurde ein neuer, schützender Boden darüber gebaut - jetzt erlauben beleuchtete Sichtfenster den Blick auf die darunterliegenden Kostbarkeiten. Sowohl diese Maßnahme als auch die Restaurierung der Fassadenelemente wurden durch den LWL finanziell unterstützt.

Historisch und künstlerisch bedeutend ist auch der Terrazzoboden im Erdgeschoss mit umlaufenden Friesen und Ornamenten, der von italienischen Handwerkern gefertigt wurde. Er besteht aus Mosaiksteinchen in drei natürlichen Farben, die in Kalk eingebettet sind. Derzeit wird auch er restauriert.

Entdeckungsreise in die Vergangenheit

„Jede der Maßnahmen, die seit etwa zwei Jahren an dem Baudenkmal stattfinden, ist auch eine kleine Entdeckungsreise in die Vergangenheit von heute leider in Vergessenheit geratenen Materialien und Bautechniken, die es wieder neu zu entdecken gilt“, sagt Votteler.

Auch Altenas Denkmalpfleger Wagner zieht ein positives Fazit: „Instandsetzungen und Restaurierungen sind immer dann gelungen, wenn die Ausführenden, also die Handwerker und Restauratoren, mit Herz und Seele dabei sind. Das ist am Haus Köster-Emden sehr gelungen, egal ob Tischlerin, Steinmetz oder Kunstschmied. Die Begeisterung ist bei allen zu spüren, auch um das Wissen, es mit ganz einzigartigen Details zu tun zu haben.“ lwl

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