Stadtführerin Ulla Rinke hört auf: Enttäuschung zum Abschied

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Gerne in Tracht: Ulla Rinke mit Teilnehmern einer Stadtführung. Am Schirrmann-Denkmal erinnert sie an die Gründung des Jugendherbergswerkes.

Altena –Ulla Rinke ist das Gesicht und die Erfinderin der Stadtführungen: Nach 20 Jahren hört die 82-Jährige nun auf. Zum Abschied findet sie nicht nur positive Worte.

Nur noch in Notfällen will Ulla Rinke als Stadtführerin einspringen. „Das hat weniger mit dem Wollen zu tun als mit dem Können“, sagt die 82-Jährige. Es falle ihr zunehmend schwerer, Besuchergruppen durch die Stadt zu führen. „Aber Spaß macht es mir noch immer.“ 

Auch wenn in letzter Zeit auch Frust hinzu kam. Kurz vor Rinkes Pensionierung im Jahr 1999 wurde der Tourismus in Altena wiederentdeckt. Stadtführungen müsse es geben, beschloss damals ein Arbeitskreis – und Ulla Rinke hatte ein Betätigungsfeld für ihren Un-Ruhestand gefunden. 

Neue Führung zu Prange-Roman

„Dabei hatte ich von der Stadtgeschichte gar nicht so viel Ahnung“, sagt sie im Rückblick. Das sollte sich im Laufe der kommenden 20 Jahre ändern. Stunden und Tage hat sie im Stadtarchiv zugebracht und Monika Biroth als kompetente Ansprechpartnerin kennen- und schätzengelernt. „Die Frau ist einfach super“, sagt Rinke über die Stadtarchivarin, bei der sie kürzlich erst eine Akte aus dem Jahr 1948 studierte.

Hintergrund ist die neue Führung zu den Schauplätzen des Prange-Romans „Unsere wunderbaren Jahre“, die im Oktober ihre Premiere feiern soll. „So, wie Prange sie in seinem Roman beschreibt, hat die Währungsreform in Altena nicht stattgefunden“, weiß sie. 

Mit allgemeiner Stadtgeschichte beschäftigte sich das erste Format, das Rinke gemeinsam mit Mitstreitern wie Stefan Merz, Heinrich Schwalm und Heinz Reuber auf die Beine stellte. 

In Dutzenden von Ordnern bewahrt Rinke Dokumente zu den einzelnen Führungen auf.

Schnell kamen Themenführungen hinzu: „Kurioses aus alter Zeit“ zum Beispiel oder „Auf den Spuren jüdischen Lebens“. Eine Kinderführung wurde konzipiert, bei der die Stadtführer (meist Rinke und Reuber) in Tracht auftraten. 

„Man muss Geschichte in Geschichten erzählen“, sagt die 82-Jährige, die sich im Jahr 2001 auch zur Kirchenführerin ausbilden ließ und dabei vieles gelernt hat, was ihr auch als Stadtführerin zu Gute kam. Anfangs waren die Stadtführungen ein Renner. Im Jahr 2002 sei sie über 40 Mal im Einsatz gewesen, erinnert sich Rinke. „Das war ja auch für die Altenaer was Neues, wir wurden viel von Vereinen gebucht.“ Selbst deren Mitglieder hätten oft gestaunt, was es in Altena alles zu sehen gibt. 

Interesse lässt nach

Inzwischen lasse das Interesse aber nach. Dabei seien die Führungen eine gute Werbung für die Stadt, meint sie und erzählt von einer Führung für Mitarbeiter der Kreisverwaltung, die nach Altena pendeln und nach Feierabend mit der Stadt nichts am Hut haben. „Die haben gestaunt, wie schön unsere Innenstadt ist und wollen ihre Pause jetzt öfter hier verbringen“. 

Umso mehr ärgert sich die ausscheidende Stadtführerin darüber, dass Stadtmarketing und Tourismusbeauftragte sich kaum noch um das Thema Stadtführungen kümmern. 

Es gibt einen Flyer, der neu aufgelegt werden müsste. „Da höre ich immer nur die Frage, wer das bezahlen soll. Wofür haben wir denn eine Tourismusbeauftragte, wenn nicht dafür?“ Sicher sei es gut, wenn auch nach innovativen Ansätzen gesucht werde, „aber man muss doch auch das Bestehende pflegen“.

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