Die Stadtbücherei ist in 150 Jahren viel rumgekommen

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Büchereileiter Antonius Gusik im alten Personaleingang an der Freiheitstraße. Den Umzug zur Marktstraße organisierte er akribisch.

Altena -  15 000 Pfund Sterling zu viel auf dem Konto? Dann lohnt ein Blick auf die aktuellen Versteigerungen des Auktionshauses Christie’s. Ein feines Geschirrstück des Prinzen Wilhelm von Preußen aus dem Berliner Schloss wird dort aktuell zum Kauf angeboten. Hergestellt wurde es in einem der zahlreichen Standorte der Altenaer Stadtbücherei, die in diesem 150 Jahre alt wird.

Antonius Gusik hat dort seinen Dienst als Leiter der Stadtbücherei angetreten. Die Inschrift des heutigen Arbeitsamt-Standorts in der Freiheitstraße zeugt noch von der Firma Wilhelm Rentrop, einer Werkstätte für kirchliche Kunst, wo das Kunstobjekt einst hergestellt wurde.

Gut kann sich Antonius Gusik an den Umzug von der Freiheitstraße in die Marktstraße erinnern: Das ist in diesen Tagen genau 25 Jahre her. „Das war straff organisiert, aber es hat sich gelohnt“, weiß der Büchereileiter. Wehmütig wird er nicht während des Stadtspaziergangs entlang der zahlreichen Standorte, die die Bücherei während ihres Bestehens zugeteilt bekam. „Wir haben eines der schönsten Büchereigebäude der Bundesrepublik.“ Nachzulesen ist das im Katalog zur Ausstellung „Zukunftsweisende Bibliotheksbauten“, das von der Staatlichen Büchereistelle des Regierungsbezirks Arnsberg herausgegeben wurde.

Eine Herberge fürs gedruckte Wort war nie leicht zu unterhalten. Das Protokoll des Stadtsekretärs aus dem Jahre 1947 – damals war die Bücherei im ehemaligen Realgymnasium am Bungern untergebracht – beklagt zehn fehlende Glühbirnen. Gasöfen und Fenster waren in einem schlechten Zustand. Ein Loch in der Zimmerdecke ermöglichte direkten Kontakt zur Familie Schweizer, die die Wohnung über der Bücherei bewohnte – und „üble Gerüche“ ins Arbeitszimmer hinabschickte. Buchpfleger Reuter merkte an, dass neun (!) Bürgermeister an einem Standortwechsel gefeilt hatten. 1904 waren die Bücher auf Geheiß von Bibliothekar Paul Kriegeskotten hier eingezogen.

Der direkte Vorgängerstandort macht in diesen Tagen wieder Schlagzeilen: Das frisch abgerissene Asylbewerberheim an der Thomée-Straße hatte seit Ende der 1880er Jahre den Büchereibestand beherbergt. Davor war die Bücherei wenige Jahre im Rathaus an der Marktsraße ansässig gewesen und auch im Magistratsgebäude am Kirchplatz, das längst nicht mehr steht.

Das Umfeld der meisten Standorte hat sich massiv verändert im Laufe der Jahre. Bücherei-Mitarbeiterin Agnes Frassek hat für den Rundgang wieder an vielen Quellen recherchiert und alte Fotografien aufgetan. „Man muss heute sehr genau hinschauen, um die alten Standorte wiederzufinden. Beim Bungern haben wir ja gar keine Vergleichsmöglichkeiten mehr.“

Ein Gebäude aber hat sich erstaunlich gut gehalten: Standort Nummer eins, die alte Apotheke an der Lennestraße. Das Haus, in dem einst die Wiege der Stadtbücherei stand, ist heute von bunten Bildern geprägt: Den pflanzenkundlichen Zeichnungen im alten Apothekenaufgang – und den Werbebildern des dort ansässigen Tattoo-Studios. „Aber es gab hier auch mal Marzipan zu kaufen“, hat Agnes Frassek herausgefunden. Das war in Apotheken einst gängige Ware... - Ina Hornemann

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