Stadt will freiwillige Zuschüsse kürzen / Ausbau in Dahle wackelt

Brandbriefe der Kindergartenträger

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Kinderbetreuung ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Wenn der Dahler Kindergarten nicht ausgebaut wird, könnte die Stadt ernsthafte Probleme bekommen.

Altena – Deutliche Worte zur Kindergartenfinanzierung durch Stadt und Land findet Pfarrer Uwe Krause in der neuen Ausgabe des Gemeindebriefes der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Dahle: „Es kann doch nicht gewollt sein, dass langjährige, bewährte Träger das Handtuch schmeißen“, schreibt er und berichtet, dass die geplante Erweiterung des Dahler Kindergartens auf der Kippe steht.

 Krause ist nicht nur für den Dahler, sondern auch für den Evingser Kindergarten zuständig und hat sich schon vor Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August mit den anderen kirchlichen Trägern zusammengetan. Ergebnis waren Brandbriefe, die neben Krauses Gemeinden auch die evangelische Gemeinde Altena und der katholische Kindergartenzweckverband an die Stadt schickten und in denen eine finanzielle Entlastung der Träger durch die Stadt gefordert wird.

Die Kirchen betreiben sieben der zehn Altenaer Kindergärten. Zweifach geschlagen seien seit Anfang des Monats diese kirchlichen Träger, schreibt Krause im Gemeindebrief. Zum einen steige der Eigenanteil, den die Dahler Gemeinde für ihren Kindergarten zu leisten hat, um etwa 15 Prozent auf 38 700 Euro. Gleichzeitig sinkt der freiwillige Zuschuss, mit denen die Stadt seit Jahren den Kindergartenträgern unter die Arme greift, um 20 Prozent. Das belaste den Dahler Kindergarten mit weiteren 2500 Euro pro Jahr, sagt Krause. Die finanziellen Einbußen führen dazu, dass eine geplante Erweiterung des Dahler Kindergartens jetzt gefährdet ist. 52 Kinder werden dort im Moment betreut – zwölf davon in einer Notgruppe. Die dafür erforderliche Ausnahmegenehmigung läuft in einem Jahr aus.

Angedacht war, die Einrichtung so zu erweitern, dass sie auf Dauer mit rund 50 Kindern betrieben werden kann. Davor warnte Krause angesichts der aktuellen Situation dringend: „In dem Moment, in dem wir Landesmittel für den Kindergartenausbau verbauen, gehen wir vertraglich eine Zweckbindung ein“. 20 Jahre lang müsse die Gemeinde dann den Betrieb des Kindergartens garantieren. In der Folge fehle ihr unter Umständen das Geld für Gebäudeunterhaltung, Kirchenmusik, kirchliche Jugendarbeit oder die Gemeindesekretärin – kurz: „Wir gehen als kleine Gemeinde (1025 Gemeindeglieder, weiter sinkend) wahrscheinlich am Kindergarten pleite“.

Krause macht auch deutlich, dass die Zeit drängt. Wenn der Dahler Kindergarten auch im Kindergartenjahr 2021/22 mit 50 Kindern betrieben werden soll, dann müsste eigentlich schon längst gebaut werden. Schon im November findet die Anmeldung für das nächste Kindergartenjahr statt – wenn sich bis dahin nichts tut, fehlen in Dahle wenigstens zehn Plätze. Dann droht der Stadt ihr Kindergartenbedarfsplan um die Ohren zu fliegen, was fatale Folgen haben könnte: Sie ist gesetzlich dazu verpflichtet, Betreuungsmöglichkeiten für alle Vorschulkinder vorzuhalten. Der Dahler Pfarrer erinnert im Gemeindebrief auch an die bevorstehende Kommunalwahl und schreibt: „Eltern, Großeltern, alle Wählerinnen und Wähler können ihre Möglichkeiten ergreifen, die Wahlprogramme auch darauf hin zu befragen, in wie weit sich für den Erhalt einer guten Kindergartenlandschaft in Altena mit fairen Spielregeln für die Träger gekümmert wird.“

Der Seelsorger erinnert daran, dass ein Kindergarten nicht nur für die Kinder und Eltern des Dorfes von Bedeutung ist: Ein attraktives Umfeld mit Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sei auch wichtig für ältere Dahler, die ihre Immobilien verkaufen wollten und für Firmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.

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