Stadt hat die Hand an der Notbremse

Wirklich ein Jackpot? Blick auf das Haus Lennestraße 2.

ALTENA ▪ Die Stadt wird in der Lennestraße keine Nutzungen dulden, die nicht mit den Zielen des Entwicklungskonzeptes 2015 in Einklang stehen. Das machte gestern der Bürgermeister deutlich. Im einem konkreten Fall will sie jetzt die Notbremse ziehen, indem sie ihr Vorkaufsrecht nutzt.

Es geht um das Haus Lennestraße 2 (ehemals Kalf). Wie berichtet, will der Werdohler Immobilienmakler Harun Cici das Haus kaufen. Gegenüber unserer Zeitung gab er im April an, es an Dienstleister wie Versicherungen und Banken vermieten zu wollen. Damit ist die Stadt nicht einverstanden: Ihr in der Satzung für das Sanierungsgebiet definiertes Ziel sei es, in der Innenstadt einerseits Einzelhandel und andererseits Wohnraum zu schaffen, argumentierten gestern Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein und Stadtplaner Roland Balkenhol. Wer ein Haus an der Lennestraße erwerbe, müsse sich vertraglich zur Einhaltung dieser Ziele verpflichten. Eine solche, verbindliche Erklärung wolle der potenzielle Käufer aber nicht abgeben. „Deshalb zeigt die Stadt jetzt ihr Schwert“, kündigte der Bürgermeister an.

Konsequentes Vorgehen der

Stadt demonstriert

Da dieser Bereich der Innenstadt Sanierungsgebiet ist, hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Der Vorvertrag zwischen der das Gebäude besitzenden Erbengemeinschaft und dem Kaufinteressenten aus Werdohl liegt der Verwaltung deshalb vor. Sie hat bis Ende Mai Zeit, dem Verkauf zu widersprechen und das Gebäude selbst zu erwerben. Das werde sie tun, wenn Cici bis dahin nicht verbindlich erkläre, dass er seine mit der Sanierungssatzung vereinbare Nutzung anstrebe.

Das Problem dabei: Die Stadt hat kein Geld, darf wegen des Nothaushaltsrechts ein solches Geschäft gar nicht abschließen. Sie handele deshalb „für Dritte“, sagte Hollstein gestern und deutete an, dass es sich dabei um ein Unternehmen handele, das wirtschaftlich eng mit der Stadt verbunden sei. Hollstein betonte, dass dieses Vorgehen mit der Politik abgestimmt sei. Alle Ratsfraktionen seien damit einverstanden.

Ratsfraktionen

wissen Bescheid

Wenn die Stadt das Haus erwerbe, dann passiere auch etwas damit, betonten der Bürgermeister und sein Planer und bescheinigten dem Gebäude „durchaus Potenzial“. Es handele sich um eines der wenigen Gebäude, in das mit vertretbarem Aufwand ein Aufzug eingebaut werden könne, über den beiden Ladenlokalen stünden auf vier Etagen mehrere Wohnungen zur Verfügung. Die Erfahrung zeige, dass Wohnungen in der Innenstadt gut nachgefragt seien, wenn die Qualität stimme und der Vermieter auskömmlich sei. Dass das Gebäude gut nutzbar sei, hätten andere Interessenten bestätigt, die sich das Haus angeschaut hätten. „Auf jeden Fall geht es darum, das Gebäude wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen“, betonte der Bürgermeister.

Hollstein und Balkenhol war gestern erkennbar daran gelegen, das konsequente Vorgehen der Stadt zu demonstrieren. Der Grund: Das Interesse an Immobilien im Innenstadtbereich nimmt zu. „Hier ist kein Platz für Spekulanten“, warnten die beiden. Die Stadt werde bei jedem Verkauf verbindliche Aussagen darüber einfordern, was mit dem Gebäude passieren soll. Das hat für den Erwerber durchaus auch Vorteile: Solche klar festgelegten Nutzungskonzepte ermöglichen ihnen eine erhöhte steuerliche Abschreibung.

Von Thomas Bender

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