Stadt greift tief in die Tasche

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Erst haben Vandalen ganze Arbeit geleistet, dann Handwerker zur Sicherung der Immobilie. ▪

ALTENA ▪ „Da sind sogar Jugendliche auf dem Dach herumgeturnt“, berichtete der Bürgermeister in der Ratssitzung am Montag – die Sicherung der quasi leerstehenden Hochhäuser auf dem Nettenscheid ist ein Problem. Aktuell ließ die Stadt sie mehr oder weniger einbruchsicher verschließen. Von Thomas Bender

Ein Gang um den Hochhauskomplex zeigt, dass ganze Arbeit geleistet worden ist – erst von Randalierern, zahlreiche Fensterscheiben sind eingeworfen. Dann von Handwerkern – sie haben im Auftrag der Stadt Hauseingänge, offene Kellerluken und die zerstörten Fenster von Erdgeschosswohnungen mit Holzplatten verrammelt und mit Ketten und Vorhängeschlössern zusätzlich gesichert.

Trotzdem: „Wer da rein will, kommt auch rein“, weiß der Bürgermeister um die begrenzte Tauglichkeit dieser Methode. In erster Linie gehe es darum zu verhindern, dass spielende Kinder in die Hochhäuser spazierten und dort zu Schaden kämen.

Aufkommen muss dafür der Steuerzahler – das wurde deutlich, als SPD-Ratsherr Wolfgang Wilbers sich nach einer Kostenüberschreitung bei ordnungsbehördlichen Maßnahmen erkundigte. Aus diesem Topf werden neben vielen anderen Dingen auch die Sicherungsmaßnahmen in dem Hochhauskomplex bezahlt. „Bei den Eigentümern ist nichts zu holen“, berichtete Stadtplaner Roland Balkenhol dem Politikern. 83 verschiedene Inhaber der insgesamt 120 Wohnungen hat er gezählt , etwa drei Viertel davon sind nach seiner Schätzung insolvent.

Das Elend begann in den 90er Jahren, als die Investoren Heinrich Rösch und Heribert Jackels den Hochhauskomplex kauften. Sie hatten große Pläne: Aufwertung, Aufteilung in Eigentumswohnungen, Verkauf mit Vermietungsgarantie. Dutzende von Käufern, fast alle weit entfernt von Altena lebend, schlugen zu – und erlebten ein finanzielles Fiasko, als Strom- und Gasrechnungen nicht mehr bezahlt wurden und die Mieter in Scharen die Wohnungen verließen. Gegen Rösch und Jackels ermittelte später der Staatsanwalt – ohne Erfolg, die Geschäftsmänner wurden in zwei Instanzen freigesprochen. Eine Betrugsabsicht könne ihnen nicht nachgewiesen werden, meinten die Richter.

Seit über zehn Jahren steht der Komplex praktisch leer, der Verfall schreitet fort – im Moment könne die Stadt das nur beobachten, sagt Balkenhol und meint damit nicht nur den Zustand der Häuser, sondern auch das, was sich am Amtsgericht tut. Dort stehen immer wieder Wohnungen an der Blackburner Straße zur Zwangsversteigerung an – mal ist ihr Wert mit um die 20000 Euro angegeben, mal tauchen sie mit einem Verkehrswert von nur noch einem Euro auf. Manche, so hat Balkenhol beobachtet, wechseln bei den Zwangsversteigerungsterminen tatsächlich den Besitzer – warum, ist unklar. „Mit uns hat da noch keiner drüber gesprochen, sagt der Stadtplaner zu der Frage, ob vielleicht jemand Pläne mit dem Hochhaus hat und peu a peu Wohnungen zusammenkauft.

Für die Stadt wäre das sozusagen die letzte Rettung: Spätestens dann, wenn größere Schäden auftreten und etwa durch herabfallende Fassadenteile eine Gefahr von den Hochhäusern ausgeht, hat sie ein richtiges Problem – sie müsste dann richtig tief in die Tasche greifen, um die Gefahren zu beseitigen.

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