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Profis untersuchen Folgen der Flut

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Von: Thomas Bender

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In der Brachtenbeck wurde bereits versucht, dem Bach mehr Platz zu geben.
In der Brachtenbeck wurde bereits versucht, dem Bach mehr Platz zu geben. © Bender, Thomas

Hochwasser ist ihr Geschäft: Schon nach dem Elbehochwasser im Jahr 2002 war die Firma „C & E Consulting und Engeneering“ aus Chemnitz im Jahr 2002 im Einsatz, um Schäden aufzulisten, Sanierungsvorschläge zu machen und Fördermittel zu akquirieren. In gleicher Mission sind Mitarbeiter des Unternehmens seit Anfang Oktober in Altena unterwegs.

Altena - Sie sollen die Schäden ermitteln, die das Jahrhunderthochwasser im Juli an städtischem Eigentum angerichtet hat. 1000 könnten es wohl werden, befürchtet Olaf Schwarz, der geschäftsführende Gesellschafter des mit 160 Mitarbeitern recht großen Ingenieurbüros.

Die CE-Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze im ehemaligen Café Talstation, nehmen von dort aus das Stadtgebiet unter die Lupe. Sie arbeiten einen Vierstufen-Plan ab. Im ersten Schritt werden sämtliche Schäden aufgenommen und bewertet, um am Ende einen Wiederaufbauplan vorlegen zu können. Das soll nach Möglichkeit in der Januar-Sitzung des Rates geschehen. Zweitens werden die Entsorgungsleistungen, also die Abfuhr von Müll, Schlamm und Schutt unmittelbar nach der Katastrophe, berechnet. Drittens nimmt C&E die Rechnungen unter die Lupe, die bei der Stadt für die bisher von Fremdfirmen erbrachten Leistungen eintrudeln – 400 sind das schon jetzt. Letzter Schritt wird die Hilfestellung bei der konkreten Schadensbeseitigung sein. Dazu gehört auch die Beantragung von Zuschüssen des Landes.

Ein Drittel des Stadtgebietes haben die Teams des Unternehmens bereits unter die Lupe genommen und dabei 220 Schäden gefunden. Das Rahmedetal ist bisher noch nicht untersucht worden.

Wie steht es um die Kanäle?

Offen ist zudem die Frage, wie es um die Kanäle bestellt ist. Sie wurden zwar in einem Gewaltakt (Dutzende von Spezialfahrzeugen waren im Einsatz) gespült und von Geröll befreit – allerdings nicht nur davon: „Es sind immer wieder Tonscherben und Abplatzungen von den Rohren aufgetaucht“, berichtet Hendrik Voß, der Leiter des Abwasserwerkes, der jetzt mit massiven Schäden an den Abwasserleitungen rechnet.

Um einen genaueren Überblick zu bekommen, soll jetzt das komplette, rund 140 Kilometer lange Kanalnetz mit Kameras „befahren“ werden. Allein das wird nach Angaben von Voß einen siebenstelligen Betrag verschlingen.

Albrecht Broemme, ehemaliger Präsident des THW undFlutbeauftragter des Landes NRW, vergleiche die Flut in Altena mit dem, was sich 2016 in Braunsbach (Baden Württemberg) abspielt, berichtete Stefan Kemper nach einem Besuch Broemmes im Märkischen Kreis: Auch in Braunsbach spülte ein vergleichsweise kleiner Bach nach einem Starkregen große Mengen Geröll in den Ort.

Deshalb müsse jetzt auch darüber nachgedacht werden, wie diese Gerölllawinen aufgehalten werden könnten, bevor sie erneut solchen kapitalen Schaden anrichten würden, schlussfolgert Kemper.

Der stellvertretende Verwaltungschef berichtet, dass es im Stadtgebiet rund 100 Geschiebefänge gegeben habe – meist Metallgitter, die Steine und Treibgut vor Verrohrungen aufhalten sollen. Fast alle Geschiebefänge seien zerstört worden und müssten erneuert werden. Dabei müsse auch darüber nachgedacht werden, ob und wie man das Geröll schon weiter oben, also in den Bergen, stoppen könne, in dieser Frage sind sich Kemper und die Spezialisten von C&E einig.

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