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Stadt, DRK und Caritas: Viele Flutopfer bitten nicht um Hilfe

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Von: Thomas Bender

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Rund 1,4 Millionen Euro sind allein im Spendentopf der Stadt Altena für Flutopfer. Es gibt Kritik, dass vielen nicht sofort unbürokratisch damit geholfen wird. Doch Stadt, DRK und Caritas sagen: Viele Betroffene melden sich nicht. Das zeige die Zahl der Anträge auf Hilfen.

Altena – Bisher seien erst 30 Anträge auf Hilfen aus dem mit 1,4 Millionen Euro gefüllten städtischen Spendentopf für die Flutopfer gestellt worden. Das berichtet Anette Wesemann, die im Rathaus für die Fluthilfe verantwortlich ist. Sie hatte alle 400 Altenaer angeschrieben, die nach dem 14. Juli Soforthilfen des Landes beantragt hatten, und sie auf die Möglichkeit städtischer Hilfen aufmerksam gemacht. „Die Leute melden sich nicht. Das ist wirklich ein ganz, ganz großes Problem“, weiß auch Pascal Hülle vom DRK-Kreisverband.

Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass die Schäden in erster Linie aus der Wiederaufbauhilfe des Staates beziehungsweise aus Versicherungsentschädigungen bezahlt werden sollen. Nur das, was dann noch übrig bleibt, soll aus Spendenmitteln gedeckt werden. Diese Vorgehensweise halten auch Stefan Hesse (Caritas) und Pascal Hülle für richtig. Beide Hilfsorganisationen sind in die Fluthilfe der Stadt eingebunden und verfügen darüber hinaus über eigene Spendentöpfe. Hesse konnte keine Summen nennen, Hülle sprach von 175 000 Euro, die kreisweit ausgeschüttet wurden, „die Hälfte davon ging nach Altena.“

Caritas: Hilfen werden oft nicht angenommen

Mit der Beantragung der Wiederaufbauhilfen des Staates tut sich mancher Betroffene schwer. „Das tragen wir den Leuten hinterher wie Sauerbier“, sagte Hesse. Auch andere Hilfsangebote wie zum Beispiel die vorübergehende Unterbringung von Menschen in angemessenem Wohnraum würden oft nicht angenommen. Weil manche Menschen gar nicht erst um Hilfe bitten würden, habe das DRK zwei Streetworker in die vom Hochwasser besonders betroffenen Gebiete geschickt, berichtet Hülle.

Es sei hochproblematisch, Investitionen beispielsweise in neue Heizungsanlagen aus Spendenmitteln vorzufinanzieren, gab Hesse zu bedenken: Wenn die Zahlungen von Staat und Hilfsorganisationen am Ende höher seien als der gesamte Schaden und es nicht gelinge, Überzahlungen zurückerstattet zu bekommen, dann gefährde das unter Umständen die Gemeinnützigkeit der Hilfsorganisationen. Trotzdem werde natürlich mit allen Kräften versucht, den Menschen zu helfen, wenn wirklich Not am Mann sei.

Manche unschlüssig, andere zu schnell mit Wiederaufbau

Allerdings gebe es dann statt einer spendenfinanzierten neuen Zentralheizung wohl eher ein vorübergehendes Provisorium.
Die ersten Bewilligungsbescheide für Gelder aus der staatlichen Wiederaufbauhilfe lägen bereits vor, sagt Altenas Stadtkämmerer Stefan Kemper. Damit sei dann die Voraussetzung für den nächsten Schritt – nämlich Hilfe aus dem Spendentopf der Stadt – erfüllt.

Hesse hat beobachtet, dass einerseits Menschen unschlüssig seien, wie sie vorgehen sollen und andere wiederum die Sanierung mit viel zu hohem Tempo angehen: „Da werden Dinge gemacht, obwohl die Gebäude noch gar nicht richtig trocken sind.“ Da das offenbar ein weit verbreitetes Problem ist, werden jetzt alle, die bei der Stadt bauliche Schäden gemeldet haben, noch einmal angeschrieben und auf die Möglichkeit hingewiesen, ihre Häuser von der Firma C & E-Consulting untersuchen zu lassen.

Caritas und DRK: Stadt geht gut mit Spendengeld um

Dieses Büro ist eines von zweien, die sich auch mit der Taxierung der Schäden an der öffentlichen Infrastruktur beschäftigen.
Am Ende des Tages würden staatliche Hilfen und Spenden ausreichen, um den größten Teil der Schäden zu decken, meint Hesse. Wie er ist auch Hülle der Auffassung, dass der Umgang der Stadt mit den Spendengeldern gut durchdacht ist.

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