Nach dem Spektakel: So funktioniert das Altenaer Mittelalterfest

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Macht 37 Euro pro Arbeitsstunde: Auch den Einsatz des Baubetriebshofes müssen die Veranstalter bezahlen.

ALTENA ▪ Nur noch ein paar Krümel Stroh in den Pflasterfugen der Lennestraße erinnerten Montagabend an das Mittelalterfest – ansonsten war die Stadt aufgeräumt und sauber, der Verkehr konnte wieder fließen.

Erleichtert wurde die Arbeit des Baubetriebshofes dadurch, dass Besucher wie auch Händler die „Festmeile“ ausgesprochen sauber hinterlassen hatten.

Die Arbeit ist damit noch nicht vorbei – jetzt beginnt die Nachbereitung. Und dabei geht es auch ums Geld. Abgerechnet wird zwar über ein Konto, dass im Bereich von Uwe Krischer und damit im Rathaus geführt wird, ansonsten hat die Verwaltung mit dem Fest finanziell nichts zu tun. Veranstalter sind neben dem Märkischen Kreis der Kulturring Altena und der Stadtmarketingverein.

Fast 21000 Eintrittskarten wurden an den drei Festtagen verkauft – das ergibt Einnahmen von rund 200 000 Euro. Weil das zur Finanzierung des Festes nicht ausreicht, sind die Veranstalter auf die Hilfe von Sponsoren angewiesen – Sparkasse, Stadtwerke, Mark-E und die Iserlohner Brauerei leisten finanzielle Unterstützung, die MVG hilft mit Werbung und kostenlosem Shuttlebus zu den Parkplätzen.

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Die mit Abstand größte Ausgabe ist das Honorar für die Veranstaltungsagentur Hermida und Stromann. Deren Aufgaben sind so vielfältig, dass sie ein ganzes Vertragsheft füllen. Im Grunde hat das Unternehmen aus dem Rheinland für das komplette Programm zu sorgen. Es verpflichtet Künstler, Falkner, Gaukler – gerade Highlights wie das Ritterturnier mit seinen verschiedenen Akteuren schlagen da ins Geld. Auch die Gage für Rabenschrey trägt die Agentur – ausgesucht wurde diese Band aber in Zusammenarbeit mit Kulturring und Stadtmarketingverein, verrät Barbara Langos. Sie koordiniert das Fest, ist also für das reibungslose Zusammenspiel aller Beteiligten zuständig.

Hermida und Stromann haben auch dafür zu sorgen, dass die Besucher des Marktes einen möglichst bunten Mix von Markthändlern und Handwerkern vorfinden. Ihre Standgebühr zahlen die direkt an das Unternehmen, dass damit neben dem Honorar der Stadt eine zweite Einnahmequelle hat.

„Man glaubt ja nicht, was Sand kostet“, weist Barbara Langos auf weitere Ausgaben hin. 100 Tonnen (!) werden für den Turnierplatz gebraucht und müssen anschließend wieder abgefahren und entsorgt werden. Während das ein Privatunternehmen übernimmt, ist für die restlichen Auf- und Abbauarbeiten in erster Linie der Bauhof zuständig. Der berechnet 37 Euro pro Stunde, die Rechnung geht an den Veranstalter – „ein Betrag noch im vierstelligen Bereich“, wie Bauhof-Chef Richter gestern andeutete. Die intensive Grünpflege, die vor dem Fest im gesamten Innenstadtbereich anfiel, zahlt allerdings der Steuerzahler.

Zig weitere Rechnungen seien zu bezahlen, berichtet Langos und weist auf Verkehrskadetten, Sanitätsdienst und Security hin. Auch die intensive Werbung unter anderem durch Plakate und Radiospots schlägt ins Geld. Dafür sorgt die Werbeagentur Pfiffikus. Sie reiche allerdings nur ihr tatsächlich entstehende Kosten für Druckereien oder die Radiospots weiter, versichert deren Mitinhaberin Corina Turner. Ihre konzeptionelle Arbeit für Programmhefte und Plakate berechne sie ebenso wenig wie die vielen Stunden, die sie als ehrenamtlich tätige Vorsitzende des Stadtmarketingvereins in die Festvorbereitungen investierte. Überhaupt das Ehrenamt: Dutzende Altenaer halfen unentgeltlich mit, zum Beispiel an den Kassenhäuschen. ▪ Thomas Bender

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