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Stabil trotz vieler Stressfaktoren

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Zogen Bilanz des Arbeitsmarktjahres 2022 im MK: Sandra Pawlas (links) und Renate Holke.
Zogen Bilanz des Arbeitsmarktjahres 2022 im MK: Sandra Pawlas (links) und Renate Holke. © Agentur für Arbeit

Das sind gute Nachrichten: Der Arbeitsmarkt im Kreis ist 2022 trotz aller Widrigkeiten stabil geblieben.

Altena – Der Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis zeigte sich auch im jüngst abgelaufenen Jahr 2022 stabil trotz verschiedener Stressfaktoren wie Nachwirkungen der Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine (verbunden mit steigende Energie- und Rohstoffpreisen sowie Lieferengpässen und Inflation) und Sperrung der Autobahn 45. Dieses Resümee zogen jetzt Sandra Pawlas, Chefin der heimischen Agentur für Arbeit Iserlohn, und Renate Holke, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters MK. So waren kreisweit zuletzt 163 089 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt (0,9 Prozent mehr als 2021). „Beschäftigungswachstum ist ein gutes Zeichen, wenngleich die Steigerung in unserer Region mit einem hohen Anteil an produzierendem Gewerbe nicht so stark ausfällt wie in Regionen mit höherem Dienstleistungsanteil“, sagt Sandra Pawlas.

Kurzarbeit geht zurück

Während in der Corona-Hochphase viele Betriebe Kurzarbeit angemeldet hatten, ging diese im Jahresverlauf sukzessive zurück. 635 Betriebe waren im August 2021 in Kurzarbeit, im Augst 2022 nur noch 61. Die Arbeitslosigkeit lag zuletzt mit einer Quote von 6,3 Prozent im Jahresvergleich etwa auf Vor-Corona-Niveau. „Seit Beginn des Jahres 2022 hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Märkischen Kreis saisontypisch entwickelt“, kommentiert Pawlas. Ab Juni wirkte sich die Erfassung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Bereich der Grundsicherung (SGB II) aus.

Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften

Zum Jahresende waren rund 15 550 Märker arbeitslos gemeldet. „Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Arbeitslosigkeit stabil geblieben ist, sind die Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften, die wir immer stärker spüren. Die Betriebe halten daher ihre Beschäftigten auch in Krisenzeiten. Saisonal wird die Arbeitslosigkeit am Jahresanfang zunächst voraussichtlich etwas ansteigen, doch wir gehen davon aus, dass der Arbeitsmarkt stabil durch den Winter kommt“, so Pawlas. Mit insgesamt 5390 offenen Stellen war der Bestand im Märkischen Kreis auch im Dezember beständig hoch und sogar NRW-weit vorn. „Betrachtet man den Jahresdurchschnitt, waren 2022 so viele Stellen im Bestand wie in der Hochkonjunkturphase 2018/2019. Ab Mai hatten die Arbeitgeber weniger Stellen gemeldet, eine Reaktion auf die schwieriger werdenden konjunkturellen Rahmenbedingungen“, blickt Pawlas zurück. Positiv – auch mit Blick auf das nächste Jahr – stimme, dass der Stellenzugang zum Jahresende wieder angestiegen sei. „Vor allem aus den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, konkret Maschinenbau, aber auch für den Handel kamen neue Stellen dazu“, sagt Pawlas. Die Bilanz des Jobcenters fällt aufgrund der vielen Flüchtlinge aus der Ukraine zweigeteilt aus. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2022 setzte sich die rückläufige Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften und der vom Jobcenter betreuten Leistungsbezieher zunächst fort. „Beide Kennzahlen lagen im Mai auf dem niedrigsten Stand seit Einführung der Grundsicherung für Arbeitsuchende im Jahr 2005“, berichtet Renate Holke.

Sprunghafter Anstieg

Ab Juni folgte dann aufgrund der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ein sprunghafter Anstieg der Fallzahlen. „Die Zugänge setzten sich in den Folgemonaten weiter fort“, so Holke. Mit 16 253 lag die Zahl der Bedarfsgemeinschaften am Jahresende 2022 um 1 136 (+7,5 Prozent) über dem Vorjahreswert. Die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten erhöhte sich um 1 551 Personen auf 21 942 (+7,6 Prozent). „Aktuell betreut das Jobcenter 3 790 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit“, ergänzt Holke aus. „Diese leben in 1 752 Bedarfsgemeinschaften. Es handelt sich dabei um 2 516 erwerbsfähige Personen im Alter von 15 bis 67 Jahren und um 1 274 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren.“ Knapp 70 Prozent der erwerbsfähigen Personen seien Frauen. Entsprechend hoch sei daher mit jeweils etwas über einem Drittel der Anteil Alleinerziehender- und Single-Bedarfsgemeinschaften.

Geringe deutsche Sprachkenntnisse

Was die berufliche Qualifikation anbelangt, wiesen 45 Prozent der Personen das Niveau „Fachkraft“ oder höher aus, allerdings verfüge der Großteil nur über geringe deutsche Sprachkenntnisse. „Insofern steht bei diesen Personen der Erwerb von Deutschkenntnissen zunächst im Vordergrund. Derzeit nehmen 972 Menschen an einem Sprachkurs teil. Die Wartezeit für die Teilnahme liegt im Schnitt bei 21 Wochen“, so Holke. Mit 10 343 Personen nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr um 721 Personen (+7,5 Prozent) zu. Auch hier mache sich der Zugang Geflüchteter aus der Ukraine bemerkbar. „Zum Jahresende waren 961 Ukrainer bei uns im Jobcenter als arbeitslos gemeldet“, sagt Holke.

Vorsichtig optimistisch

„Trotz aller Stressfaktoren, die unseren Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr beeinflusst haben, können wir unterm Strich eine zufriedenstellende Bilanz ziehen und vorsichtig optimistisch nach vorn blicken“, sagt Sandra Pawlas. „Ohne die Entwicklungen, die sich durch den Ukrainekrieg auf den Arbeitsmarkt auswirken, liegen wir im Kreis bei der Arbeitslosigkeit und der Anzahl der Bedarfsgemeinschaften deutlich unter den Vorjahreswerten. Wichtige Faktoren seien die Entwicklungen bei Neueinstellungen und Jobverlusten gewesen: Unternehmen hätten 2022 weniger Arbeitslose neu eingestellt. „Dass si e gleichzeitig aber auch auf Entlassungen trotz der unsicheren konjunkturellen Lage verzichtet haben, hat dem märkischen Arbeitsmarkt Stabilität verliehen“, sagt Pawlas, die für 2023 mit einer Entspannung der konjunkturellen Rahmenbedingungen rechnet. Allerdings werde die Fachkräftesicherung zunehmend zur Herausforderung. „Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung werden immer spürbarer, im Märkischen Kreis schrumpft die erwerbstätige Bevölkerung besonders stark. Jeder zehnte Beschäftigte wird in den kommenden fünf Jahren 65 alt sein. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung der Wirtschaft steigen zudem die Ansprüche an die Qualifizierung von Arbeitnehmern“, so Pawlas. Damit der Arbeitsmarkt langfristig stabil bleibt, müsse in die Menschen investiert werden. Nur durch Qualifizierung der Beschäftigten und Arbeitslosen sowie durch Stärkung der dualen Ausbildung könne dem Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden. „Das wird in den kommenden Jahren eine unserer wichtigsten Aufgaben sein,“ sind sich Pawlas und Holke einig.

Deutlich zurück ging im Laufe des vergangenen Jahres die Kurzarbeit im Märkischen Kreis. Hatten in der Corona-Hochphase mehr als 600 heimische Betriebe Kurzarbeit angemeldet, waren es im Sommer 2022 nur noch 61.
Deutlich zurück ging im Laufe des vergangenen Jahres die Kurzarbeit im Märkischen Kreis. Hatten in der Corona-Hochphase mehr als 600 heimische Betriebe Kurzarbeit angemeldet, waren es im Sommer 2022 nur noch 61. © dpa

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