Staatsschutz eingeschaltet

Hass-Mails an Bürgermeister Hollstein

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Ziel zahlreicher Hass-Mails: Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU).

Altena - Für die Über-Quoten-Aufnahme von Flüchtlingen in Altena bekommt Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein nicht nur Zuspruch. Im Gegenteil: In einer Fotomontage wurde im beispielsweise bereits ein blutsaugender Vampir an den Hals gewünscht. Doch ein Drohschreiben ging ihm zu weit.

In Bocholt tritt der örtliche SPD-Chef Thomas Purwin zurück, weil Rechte ihn und speziell seine Familie wegen seiner Haltung in der Flüchtlingsfrage bedrohen. In Mitteldeutschland wirft ein Bürgermeister hin, weil er Hassmails, Drohbriefe und Beleidigungen nicht mehr ertragen kann und Angst um die Sicherheit seiner Familie hat. Und Altena – ist die Stadt eine Insel der Glückseeligen? Von wegen.

„Wenn der Sauerländer sich über irgend etwas ärgert, grüßt er nicht mehr. Damit kann ich leben“, sagt Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Dieses „Nicht grüßen“ hat er seit der Über-Quoten-Aufnahme von Flüchtlingen in Altena häufig „mehrfach erlebt.“ 

Dass alle Ratsfraktionen – sogar einstimmig – seine Linie im Oktober 2015 mitgetragen haben, 110 Kriegsflüchtlinge über das Landes-Plan-Soll hinaus in Altena aufzunehmen, „ja, das nehmen wohl einige Mitmenschen nicht zur Kenntnis“, ist seine Erfahrung. 

Natürlich hat er die Meldungen über den Rücktritt des SPD-Chefs aus Bocholt „zur Kenntnis genommen.“ Und „diverse andere Rücktritte in dieser Angelegenheit.“ 

Auch Hollstein hatte Grund zur Sorge

Doch auch Hollstein selbst hatte schon Grund, besorgt zu sein. Es gab nicht nur einen, sondern Dutzende von Briefen, Anrufen, Karten, die ihm signalisierten, mit seiner Art des Umgangs mit Flüchtlingen sei man nicht einverstanden. 

„Aber immer geschah das anonym. Niemand hatte die Stirn, mit seinem Namen dafür einzustehen“, sagt er. Von Postkarten, die einen Dampfer im Kolonialstil zeigen und der Beschriftung „Wandern Sie aus! Sie gehören hier nicht hin!“ oder dem Bild eines blutsaugenden Vampirs, der sich über die Fotomontage seines Kopfes gierig hermacht bis zu hasstriefenden Mails und Briefen, hat Hollstein schon so ziemlich alles erlebt. 

Staatsschutz kümmert sich um Drohbrief

Richtig besorgt gemacht hat ihn aber ein Schmier- und Drohschreiben, das ihn und seine Familie ganz persönlich ins Visier nahm. Ohne weiter darauf einzugehen, nahm Hollstein das so ernst, dass er den Staatsschutz der Polizei in Hagen einschaltete. 

Noch einmal unterstrich er seine Grundeinstellung, vor Hassmails, Drohbriefen oder Beleidigungen als Amtsträger, der etwas für seine Stadt und die Menschen am Ort bewegen wolle, nicht einzuknicken. „Ich werde es nicht zulassen, dass Menschen, die versuchen, gestalterisch tätig zu sein, ausgerechnet von Rechten ausgebremst werden. Dann hätten sie ja erreicht, was sie sich vorgestellt haben.“ 

Hannelore Kraft ist entsetzt

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte laut Medienberichten den Bocholter Vorfall so kommentiert: „Entsetzt, aber auch wütend bin ich, dass rechte Hetzer mit ihren Hassmails Menschen so zermürben und einschüchtern, dass sie ihre Arbeit für unsere kommunale Demokratie einstellen müssen.“ 

Hollstein selbst hatte erst kürzlich an einem Buch mitgewirkt „Mein Kampf“ – gegen Rechts, in dem er genau diese rechte Hetze anprangerte und seine persönliche Gegenlinie erläuterte. Es ist bundesweit erhältlich und steht aktuell weiter auf vielen Bestseller-Listen. Zahlreiche Prominente aus Funk und Fernsehn haben dieses Druckwerk unterstützt und tun es noch.

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