Staatsanwalt will sieben Jahre

ALTENA/HAGEN ▪ Im Prozess gegen Mohammed I. vor dem Hagener Landgericht begannen am Dienstag die Plädoyers. Staatsanwalt Bernd Maas beantragte eine siebenjährige Haftstrafe wegen Totschlags. Von Thomas Krumm

„Für Mordmerkmale haben wir keine Anhaltspunkte“, stellte Maas zusammenfassend fest und beschrieb die Familienkatastrophe als „Eskalation eines Vater-Sohn-Konfliktes, der durch uneinsichtiges Verhalten und mangelndes Verständnis auf beiden Seiten“ befeuert worden sei. Der Vater sei „dominant und gewalttätig“ gewesen. „Das Verhältnis war angespannt wegen der auf beiden Seiten schwierigen Charaktere.“

Die beiden Kontrahenten seien sich darin „ähnlicher gewesen, als sie beide hätten wahrhaben wollen“ und es sei „sicher nicht so, dass Chafik Itani ein Monster war, das den Tod verdient hätte“. Dieser verdiene „Respekt in seiner Totenruhe“.

Anschließend ließ Bernd Maas die Tat noch einmal systematisch Revue passieren. „Wir müssen hier von der Darstellung der Ereignisse durch den Angeklagten ausgehen“, sagte der Staatsanwalt und wertete den beschriebenen Tatablauf als „möglich“.

Dabei wies der Verteter der Anklage aber die Darstellung des 25-Jährigen zurück, dass er sich gegenüber seinem Vater in einer Notwehrsituation befunden habe: Man müsse zwar von einem „rechtswidrigen Angriff des Vaters“ ausgehen, als dieser sich mit seinem vollen Gewicht auf den 25-Jährigen legte. Ein Verteidigungswille als „Mitmotiv“ sei dem Angeklagten deshalb nicht abzusprechen. Dennoch stelle ein Messerstich in den Hals, bei dem das Opfer tödlich verletzt wurde, eindeutig eine Überschreitung der Notwehrsituation dar. Zur Abwehr einer als bedrohlich empfundenen Situation hätte der Angeklagte zuerst mit der vorhandenen Waffe drohen und allenfalls in Po, Arme oder Beine stechen dürfen. „Chafik Itani war unbewaffnet.“

Ausführlich ging Maas auch auf die „narzisstische und paranoide“ Persönlichkeitsstörung des Angeklagten ein, die dieser während der Verhandlungstage gezeigt habe und die vom Gutachter bestätigt wurde: So etwas habe er in solcher Ausprägung noch nicht erlebt. Der Staatsanwalt staunte vor allem darüber, dass Mohammed I. der ernsthaften Meinung sei, „dass er nach dem Lesen des Strafgesetzbuches und der Strafprozessordnung glaube, Berufsjuristen zu Dilettanten stempeln zu können“.

In scharfen Worten ging der Staatsanwalt auch auf das Verhalten des 25-Jährigen nach der Tat ein: „Er hat den Vater beseitigt, wie man ein Tier in der Tierkörperbeseitigungsanstalt verbrennt, um Seife herzustellen.“

Für die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus fehlten die Voraussetzungen. „Der Hauptkontrahent ist tot“ und eine vergleichbare Tat ist „möglich, aber nicht wahrscheinlich“. Auch fehlten Anhaltspunkte dafür, dass die Tat strafrechtlich als minderschwerer Fall einzustufen sei: Bei dem eskalierenden Streit mit der wichtigsten Bezugsperson in seinem Leben sei zwar die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten beeinträchtigt gewesen, nicht aber die Einsichtsfähigkeit in sein Tun.

Das Plädoyer der Verteidigung folgt am 8. Dezember ab 9 Uhr.

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