Befürchtungen werden wahr

Zukunft von St. Matthäus: 5000 Katholiken bald ohne Pfarrer

Mit großen Plänen geht St. Matthäus in die Zukunft.
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St. Matthäus wird in die Zukunft keinen eigenen Priester mehr haben.

Die Befürchtungen der Katholiken in Altena und Nachrodt werden wahr: Es wird keinen neuen Pfarrer für St. Matthäus geben, wenn Pfarrer Schmalenbach geht. Geplant ist eine besondere Lösung.

Altena/Nachrodt – Die Burgstadt verliert ihren letzten katholischen Priester. Wenn Pfarrer Ulrich Schmalenbach zum 31. März 2021 Altena verlässt, wird der Bischof von Essen keinen Nachfolger für die drei Gemeinden St. Matthäus (Altena), St. Theresia (Evingsen) und St. Josef (Nachrodt) entsenden.

Das erfuhren 25 Mandatsträger aus Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand in einer Videokonferenz. An sich war für diesen Abend ein persönliches Treffen mit dem Personalchef des Bistums, Dr. Kai Reinhold, in Evingsen vorgesehen. Es musste aber coronabedingt ausfallen.

Katholiken in Altena: „Keine Überraschung“

Angesichts erheblich sinkender Priesterzahlen arbeite man bereits seit Jahren intensiv daran, Modelle zu entwickeln, wie eine Pfarrei auch ohne einen Priester geleitet werden könne, teilte das Bistum im Nachgang zum Treffen mit. Das Ziel bleibe aber die Stärkung der Seelsorge.

Für Dietmar Flusche, den zweiten Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, und Marco Schwieren, der dem Pfarrgemeinderat vorsteht, „war das offene Wort aus Essen an sich keine Überraschung“, sagt Flusche. „Wir haben das zur Kenntnis genommen, wir wissen schließlich auch um den Priestermangel.“ Die beiden werden die Gemeindemitglieder am Wochenende in den Messen informieren.

„Team-Lösung“ für Pfarrei St. Matthäus in Altena und Nachrodt

Gleichwohl habe es ein gutes und intensives Gespräch mit dem Vertreter des bischöflichen Stuhls gegeben. Dabei sei – auch wenn das natürlich nicht von Altena beeinflusst werden könne – auch deutlich kommuniziert worden, dass die Kirche sich langfristig auch für Frauen im Priesteramt öffnen müsse.

Wie geht es jetzt weiter vor Ort? Laut Pressestelle setzt das Bistum in Zukunft auf „eine Team-Lösung aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern“ für die Führung der drei Gemeinden mit etwa 5000 Katholiken.

Deshalb wird das Bistum im Januar eine Pfarrleiterstelle für Altena ausschreiben. Dieser Person, ob Mann oder Frau, obliegt dann die Verwaltung der Gemeinden und die Koordination der Mitarbeiter. „Uns wurde zugesichert, sowohl bei der Ausschreibung als auch bei der Auswahl der Bewerber eingebunden zu werden“, sagt Flusche. Ob diese Person dann auch Vorsitzende des Kirchenvorstandes sein wird, sei nicht klar.

Verschiedene Modelle in Pfarreien erproben

Neu sind Gemeinden ohne Pfarrer im Ruhr-Bistum nicht. Bereits seit Jahren, so teilte Dr. Kai Reinold den Altenaern mit, erarbeite man neue Leitungsformen für Gemeinden. Dazu gehöre die Koordination von Gemeindearbeit durch Gemeindereferenten und Diakonen sowie – in Projektgemeinden – durch ehrenamtliche Teams.

Klar sei aber auch, dass es nicht eine einzige neue Leitungsform geben soll, sondern dass verschiedene Modelle in Pfarreien erprobt werden, so der Dezernent für das pastorale Personal im Bistum Essen.

Ein wenig skeptisch waren die 25 Altenaer nach dem Gespräch in bezug auf die Einschätzung des Bistums, die angesichts des Wechsels von Pfarrer Ulrich Schmalenbach meinten, „St. Matthäus soll eine der ersten Pfarreien im Bistum Essen werden, die von einem der neuen Leitungsmodelle profitiert“.

„Moderierender“ Priester von außerhalb

Andrea Qualbrink, Referentin für Strategie und Entwicklung im Bistum Essen, hatte nämlich verlauten lassen: „Indem wir die Leitungsaufgaben in unseren Pfarreien auf andere oder mehrere Schultern verteilen, sichern und stärken wir die Seelsorge“. Auch wenn das umfassende Konzept der Arbeitsgruppe noch nicht endgültig fertiggestellt ist, sicherte der Bischof schon eines zu: „In jedem Fall gibt es in Altena einen moderierenden Priester, der die Pfarrbeauftragten in der Leitung unterstützt und die Messfeiern und die Spendung der weiteren Sakramente sicherstellt.“ Offen blieb, ob aus Lüdenscheid oder Werdohl.

Übrigens fiel kein Wort der Erklärung, warum Pfarrer Ulrich Schmalenbach Altena verlässt. Möglich scheint auch, dass das Pfarrhaus, in dem Schmalenbach bis Sommer 2021 wohnen wird, „vermietet oder verkauft“ wird. Deutlich wurde, dass der neue hauptamtlicher Pfarrleiter keine Präsenzpflicht in Altena hat.

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