Sprit aus der Steckdose: Stadtwerke Altena fahren bald grün

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Das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke zeigt Hendrik Voß. Das Werk erzeugt nachts mehr Strom, als das Unternehmen benötigt.

Altena – Zwei E-Autos wollen die Stadtwerke Altena in diesem Jahr anschaffen. Für sie produziert das Unternehmen den Strom sogar selbst.

Die Stadtwerke planen noch für dieses Jahr die Anschaffung der ersten E-Autos. Zwei der VW-Caddys, mit denen die Monteure des Unternehmens unterwegs sind, sollen durch elektrisch angetriebene Kastenwagen der Marke Nissan ersetzt werden. Stadtwerke-Geschäftsführer Hendrik Voß sagt: „Die Mitarbeiter sind die Fahrzeuge schon gefahren und waren sehr zufrieden damit.“ 

Wann genau die Autos kommen werden, ist allerdings noch nicht bekannt: Zwar habe die Bundesregierung angekündigt, dass der Zuschuss für E-Autos von 4000 auf 6000 Euro steigen soll. Wann und wie das passieren soll, sei aber unklar. Voß: „Deshalb warten wir noch ein wenig ab.“ 

Nachts wird Strom-Überschuss produziert

Hinter einer Eisentür zum Wirtschaftshof des Stadtwerke-Gebäudes steht der Grund dafür, dass E-Mobilität für die Stadtwerke interessanter ist als für andere Unternehmen. Ein 60-Kilowatt-Blockheizkraftwerk produziert neben Wärme – für die Heizung der Stadtwerke und auch des Nachbarhauses – und Kälte – zum Beispiel für die Klimatisierung des Serverraums – auch Strom. 

Tagsüber wird der für die Rechner und das Licht gebraucht. „Aber nachts produzieren wir einen Überschuss, nachdem wir die Beleuchtung unseres Gebäudes komplett auf LED umgestellt haben“, erklärt Voß. 

Diesen Überschuss speist das Unternehmen ins Stromnetz ein und bekommt dafür gerade mal sieben Cent pro Kilowattstunde. Da sei es sicher sinnvoller, damit die Autos der Monteure zu betanken, die nachts ja sowieso nicht benötigt würden, argumentiert Voß. 

Nach 26.000 Kilometern wird's elektrisch günstiger

In Aktionismus verfällt das Unternehmen aber nicht: „Wir tauschen nur die Autos aus, die ohnehin fällig sind“, sagt der Geschäftsführer. Die Fahrzeuge der Monteure sind Eigentum der Stadtwerke, sie werden nach etwa sieben Jahren ausgetauscht. Dieser Turnus habe sich in der Vergangenheit als wirtschaftlich sinnvoll erwiesen, sagt Voß. 

10 000 bis 15 000 Kilometer legt ein solches Fahrzeug pro Jahr zurück. Als Geschäftsführer eines Energieversorgers kann der 30-Jährige mit der Entscheidung für E-Mobilität in Sachen Ökologie ein Zeichen setzen. Voß muss aber auch die Zahlen im Auge behalten. 

Er habe sich im vergangenen Jahr intensiv mit dem Thema beschäftigt und sei dabei auf auch für ihn überraschende Fakten gestoßen, berichtet er und verweist auf einen Kostenrechner im Internet (www.emob-kostenrechner.oeko.de): Vergleiche man ein E-Auto mit einem vergleichbaren Diesel, dann fahre man nach etwa 26 000 Kilometern elektrisch günstiger. Auf Dauer sei auch die CO2-Bilanz besser, was für die E-Autos der Stadtwerke in besonderem Maße gelten werde, weil der Strom aus dem mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerk klimafreundlicher sei als das, was anderswo aus der Steckdose komme, betont Voß. 

Nachts sind Heizung und Allrad gefragt

Wenn es um E-Autos geht, dann ist die Reichweite oft ein großes Thema. Nicht so bei den Stadtwerken. Jedenfalls nicht, wenn es um die Autos für die Monteure geht. Maximal 70 Kilometer würden mit denen täglich zurückgelegt, sagt Voß. 

Das schafft jeder „Stromer“ auch im Winter, wo viel Energie für die Heizung gebraucht wird. Es gibt allerdings auch Stadtwerke-Autos, für die kommt ein elektrischer Antrieb nicht in Frage. Stichwort Bereitschaftsdienst: Wer bei Wind und Wetter nachts raus müsse, der brauche Standheizung und Allrad. „Da wird es wohl beim Diesel bleiben.“ 

Ex-ABG-Chef macht's vor

Und Voß selbst? Er fährt als Firmenwagen einen Audi-Kombi mit Dieselmotor. Ob der nächste ein E-Auto wird, lässt er offen. Dass E-Mobilität auch für die Führungsetage eine Möglichkeit ist, kann er demnächst direkt vor dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke beobachten, wenn Joachim Effertz an der dortigen Stromtankstelle seinen Dienstwagen auflädt. 

Derfrühere Baugesellschaftschef fährt nach seinem Wechsel zur Lüdenscheider Wohnstätten-AG einen Kia E-Niro als Dienstwagen und darf ihn auch privat nutzen. Effertz wohnt nach wie vor in Altena zur Miete, kann das Auto zuhause nicht aufladen und hat sich deshalb eine Kundenkarte für die Stromtankstelle der Stadtwerke an der Linscheidstraße besorgt.

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