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Spenden für Flutopfer: Scharfe Kritik an Stadt im MK

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Von: Thomas Bender

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Durch Retentionsmaßnahmen sollen Überflutungen – hier an der Altenaer Straße in Lüdenscheid – nach Starkregenfällen vermieden oder zumindest stark abgeschwächt werden.
Viele Menschen haben sehr viel bei der Flut verloren. Mit den Spenden aus dem Topf der Stadt soll ihnen geholfen werden. An den Vergabe-Kriterien gibt es immer wieder Kritik. © Cornelius Popovici

1,5 Millionen gingen auf dem Spendenkonto der Stadt Altena für die Flutopfer ein. Herbe Kritik hagelt es immer wieder an den Vergabe-Richtlininen, nach denen Geld ausbezahlt wird. Der Bürgermeister verteidigt die Regeln.

Altena – Helfen macht Freude? Nicht immer. Spenden sammeln, Gutes tun – das kann auch zu Zank und Frust führen. Das weiß niemand besser als Altenas Bürgermeister Uwe Kober, der gemeinsam mit einer dafür gebildeten Kommission für die 1,5 Millionen Euro zuständig ist, die nach der Flut an die Stadt gespendet worden sind. Ein Großteil dieses Geldes liegt noch immer auf dem Konto der Stadt, was häufig für Kritik sorgt.

„Unglaublich, unfassbar – das macht einen einfach nur wütend“, heißt es zum Beispiel in einem Brief von Stefan und Christian Hass, die sich damit auf Schicksale von Menschen in der Grabenstraße beziehen. Dort hätten Menschen bis heute keine vernünftige Bleibe, müssten teilweise in Garagen leben. „Dort hätte man unbürokratisch helfen müssen – und genau dort bleibt die von der Stadt versprochene und angepriesene Hilfe aus“, schreiben die Beiden.

Firma will Geld direkt an Betroffene spenden

Die Brüder sind Geschäftsführer der Firma Your Ocean, die sich auf den Bau von Swimmingpools spezialisiert hat und im hessischen Schöneck sitzt. Sie haben familiäre Beziehungen nach Altena und starteten nach der Juli-Flut eine Spendenkampagne, bei der 5500 Euro zusammenkamen. Anfängliche Bedenken potenzieller Spender hätten sie mit der Zusage zerstreut, dass das Geld nicht einfach auf ein Spendenkonto überwiesen werde, „sondern den Betroffenen direkt von uns übergeben wird“.

Das war allerdings leichter gesagt als getan. Die Stadt wollte den Spendern keine Namen von Flutopfern nennen. Übertriebener Datenschutz, meinen die Brüder. Wohlüberlegt, kontert der Bürgermeister: „Wenn wir solchen Spendern die Familie Müller nennen, fragen die Meiers sich doch sofort, warum die Wahl nicht auf sie gefallen ist“, argumentiert Uwe Kober und betont, dass die Stadt für alle von der Flut betroffenen Altenaer in der Verantwortung stehe und dass sie diese Verantwortung auch wahrnehme. Dazu gehöre auch, dass niemand in einer Garage oder auf einem Campingplatz leben müsse.

Appell: Hilfe und Beratung annehmen

Allen, die nach dem 14. Juli keine adäquate Bleibe mehr hatten, seien konkrete Hilfen angeboten worden – „und das nicht einmal, sondern mehrfach“, betont Kober und weist darauf hin, dass neben Anette Wesemann und ihrem Team vom Stellwerk auch Caritas und DRK in engem Kontakt mit den Betroffenen gestanden hätten und noch stünden. Die Vertreter stellen fest, dass viele Betroffene nicht um Hilfe bitten. Weil noch so viel Geld im Topf ist, hat die Stadt die Summen, die einzelne Betroffene erhalten können, bereits deutlich erhöht.

„Wer den Flutopfern helfen will, der nimmt sie zuerst mal an die Hand und geht mit ihnen zur Freiheit 26“, sagt Kober und weist damit auf das breite Hilfs- und Beratungsangebot hin, dass die Stadt im Zusammenspiel mit Hilfsorganisationen und dem Märkischen Kreis auf die Beine gestellt hat. In der Begegnungsstätte an der Freiheitstraße gibt es Hilfe beim Stellen der Anträge auf Wiederaufbauhilfe und auf Spendenmittel der Stadt. Auch Kontakt zu Baufachleuten, beispielsweise des Ingenieurbüros C + E oder auch des Bauamtes, kann dort hergestellt werden.

Spende an Feuerwehr: Vorschlag irritiert Geschäftsmänner

Dieser fachkundige Rat sei in seinen Augen extrem wichtig, sagt Kober. Er befürchtet, dass bei mancher Sanierung von Hochwasserschäden Fehler gemacht wurden, weil die Gebäude noch gar nicht richtig trocken waren, als neuer Estrich, Rigips und andere Bauteile eingebaut wurden.

Zurück zur Spende von Your Ocean: Seitens der Stadt sei ihnen neben dem Awo-Kindergarten in der Heimecke – dort gibt es Schäden am Außengelände – auch die Feuerwehr als potentielle Empfänger ihrer Spende genannt worden, schreiben die hessischen Geschäftsleute, die nach eigenen Angaben selbst in der freiwilligen Feuerwehr aktiv sind. Brandschutz sei eine kommunale Pflichtaufgabe.

Damit habe die Stadt die Pflicht, für eine adäquate Ausstattung zu sorgen, merken sie an. Das sei richtig, räumt Kober ein. Andererseits habe die Wehr während und nach der Flut so viel geleistet, dass Gelder „on top“ auch bei ihr gut aufgehoben seien. Außerdem handele es sich ja nur um einen Hinweis. Natürlich sei es jedem unbenommen, nicht an die Feuerwehr zu spenden.

Spendentopf für Eigenanteil, den Versicherungen nicht zahlen

Warum man nicht Mittel aus dem Spendentopf der Stadt genommen habe, um Flutopfern einen Weihnachtsurlaub zu gönnen, fragt Stefan Haas in einem Telefonat mit dem AK. Auch dazu hat die Spendenkommission, der neben Vertretern der Ratsfraktionen auch solche aus den Hilfsorganisationen angehören, eine klare Meinung: Dafür ist das Geld nicht da.

Sie haben festgelegt, dass mit den 1,5 Millionen Euro vor allem denen geholfen werden soll, die Großschäden erlitten haben und bei denen trotz Versicherungsentschädigungen und Wiederaufbauhilfe ein hoher Eigenanteil bleibt. Dieser Eigenanteil soll, wenn möglich, komplett aus den Spendenmitteln beglichen werden.

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