Specht zeigt Ästhetik und Schönheit des Verfallenen

Volkmar Specht fotografiert vor allem brach liegende Industrieanlagen.

ALTENA ▪ Verlassene Industrieanlagen, heruntergekommene Gebäude, überwucherte Gegenstände – das alles vereint für Volkmar Specht eins: Ästhetik. Seit Samstag sind die Fotografien des aus Remscheid stammenden Hobbyfotografen unter dem Motto „Morbide Schönheit“ in der Stadtbücherei Altena ausgestellt.

Teils in Farbe, teils in Schwarz-Weiß zeigen Spechts Fotografien den Fortschritt der Zeit, aber auch den Zauber des Maroden. „Andere interessieren sich für Blumen, ich habe das Morbide für mich entdeckt“, erklärt Specht seine Motivwahl. Seine Fotografien sind keine Schönheiten im klassischen Sinne, vielmehr widmen sie sich dem „Charme des Verfalls“. So wirken Spechts Bilder, oft bei regnerischem Wetter aufgenommen, auf den ersten Blick meist etwas trostlos. Die dargestellten Industrieanlagen und Gebäude stehen seit vielen Jahren leer, so dass der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat. Specht allerdings dokumentiert, das genau dieser Verfall bei genauerem Hinsehen etwas Harmonisches, sogar Idyllisches hat. „Aus dem Unscheinbaren erwächst oft eine Ästhetik und Schönheit“, erklärt der Hobbykünstler. Und genau diese versteht Specht in seinen Fotografien einzufangen.

Industriebaracken, Wassertürme oder ein demontiertes Gasometer – allesamt sind sie stumme Zeugen der Zeit und erzählen dem Betrachter ihre eigenen Geschichten. So auch die auf einer Aufnahme festgehaltene heruntergekommene Straßenecke in Leipzig, bei der vom Prunk und Glanz der dort ehemals ansässigen Gaststätte, nur noch die verwitterten Buchstaben über der Eingangstür übrig geblieben sind. „Ich begebe mich gerne an Orte, an denen man auf den ersten Blick keine lohnenden Fotomotive vermutet“, so Specht. Entstanden sind seine Bilder zum größten Teil in den 90er Jahren. In dieser Zeit hat er viele Reisen durch die neuen Bundesländer unternommen.

Specht ist sich bewusst, dass einige der gezeigten Szenen heute nicht mehr so wiederholbar sind. Manche Industrieanlagen sind wiederbelebt worden, andere letztendlich abgerissen. Nebeneffekt seiner künstlerischen Darstellung ist somit auch die Dokumentation eines Stücks Industriegeschichte.

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