Interview mit Comedian Kalle Pohl:

„Heute hier, morgen dort": Ein Spaßhandelsreisender kommt nach Altena

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Comedian Kalle Pohl kommt nach Altena. 

Altena - Die Burgstadt freut sich auf Kalle Pohl. Kalle wie? Ein wenig ist der vielfach als Urgestein des rheinischen Kabaretts bezeichnete gebürtige Rheinländer – seine Wiege stand in Merzenich – aus der Öffentlichkeit verschwunden. Am Samstag, 17. November, 20 Uhr, tritt er in der Burg Holtzbrinck mit dem Programm „Von allem das Beste!“ auf.

Erneut geht der 67-Jährige auf Entdeckungsreisen im Alltag, nimmt die kleinen Absurditäten des täglichen Lebens aufs Korn und entwickelt daraus die gewohnt wunderbar entgleisenden Gedankenketten. Wir haben uns vorab mit ihm getroffen.

Viele werden sich an ihr Engagement beim RTL-Comedy-Team „7 Tage - 7 Köpfe“ erinnern. Fast zehn Jahr gehörten Sie zur Stammbesetzung. Dann wurde es ab Mitte der 2005er Jahre ein wenig still. Ihnen sind doch nicht die Ideen ausgegangen?

Karl-Heinz „Kalle“ Pohl: Dieter Hildebrandt sagte wohl mal „Wenn du nicht im Fernsehen bist, existierst du nicht“. Aber es gibt ein Leben nach dem Fernsehen. Vor allem bei einem Fernsehprogramm, bei dem monotoner Einheitsbrei mehr und mehr zum Maßstab wird. Da fühle ich mich auf der Bühne wohler, und dafür habe ich nach wie vor eine Menge Ideen.

Wir leben in einer Zeit, in der Comedians auf dem Bildschirm auftauchen, wie im Wald die Pilze wachsen. Haben Sie auch den Eindruck?

Pohl: Wie schon angedeutet, Masse ist nicht gleich Qualität. Leider gibt es nicht wenige, die mit zwei oder drei guten Witzen ein ganzes Abendprogramm präsentieren. Oder sie funktionieren, weil sie eine Masche durchziehen – manche Zuschauer sehen am liebsten das, was sie schon kennen.

Was macht deshalb für Sie einen guten / eine gute Comedian aus?

Pohl: Talent und Originalität sind wohl die Kriterien für einen durchgehend spaßvollen Abend. Damit meine ich nicht nur mein Bühnenprogramm. Gute Comedy braucht im besten Sinne Fähigkeit und Fantasie, Kreativität und Humor.

Humor ist die vielleicht schwierigste Sache der Welt. Wie bringen Sie denn heute - im Zeitalter von Internet, überschwappenden TV-Angeboten und Social Media, die Welt zum Lachen?

Pohl: Nicht nur mit dem, was gerade up to date ist. Ich präsentiere nicht nur Stand up Comedy, komische Dialoge mit originellen Figuren, lustige Gedichte, scherzhafte Lieder und witzige Sketche, sondern von allem etwas. Abwechslung hilft gegen Langeweile.

Wenn man sich mit ihrer Vita befasst, stößt man neben ihrer Fernsehkarriere und weiteren Auftritten als Kabarettist auf zahlreiche Auftritte auf Theaterbühnen im Rheinland (Düsseldorf) oder Braunschweig, um nur einige zu nennen. Leiten wir richtig ab, Kalle Pohl ist gereifter, will ein wenig weg vom Produzieren von Gags am laufenden Band?

Pohl: Nichts gegen einen guten Witz. Dafür bin ich immer, vor allem in Theater-Komödien. Auch dabei bleibe ich sozusagen Spaßhandelsreisender und möchte den Zuschauern einen vergnüglichen Abend bereiten. Theater spielen ist dennoch etwas anderes als ein Comedy-Soloprogramm. Wie gesagt, die Vielfalt reizt mich.

Jetzt aber mal zurück zu Altena und Ihrem Auftritt vor Ort. Auf was dürfen sich die Gäste des Abends freuen?

Pohl: Auf einen lustigen und bunten Abend, mit Witz und Humor und dem einen und anderen ergreifenden Text.

Kannten Sie die Stadt an der Lenne - mitten in Südwestfalen und damit im Sauerland gelegen - vor der Zusage hier aufzutreten überhaupt?

Pohl: Es ist eine Weile her, aber ich stand in Altena schon auf der Bühne. Leider lerne ich die Stadt, in der ich auftrete, selten kennen, da es auf Tour immer heißt „Heute hier, morgen dort“.

Werden Sie das Publikum in ihren Auftritt einbeziehen und wenn ja, wie?

Pohl: Auf jeden Fall reagiere ich auf Reaktionen, aber ich zerre niemanden auf die Bühne, um ihn zum Affen zu machen.

Was wünschen Sie sich, wenn sie nach Altena kommen?

Pohl: Ein freudvolles Publikum.

Nun, wir finden, es gehört dazu. Ein kurzer Gag, ein Witz in wenigen Zeilen. Bitte sehr ...

Pohl: Ich fahre eine Tankstelle an und sag’ zu dem Verkäufer: „Ich hätte gern zwei Wischerblätter für meinen Diesel“. Sagt der: „Ok, ist ein fairer Tausch.“

Pohl ganz privat

Kalle oder richtig Karl-Heinz Pohl ist 67 Jahre alt. Er wuchs in Merzenich auf. Zunächst arbeitete er im Staatsdienst, war unter anderem als Polizeihauptmeister tätig. Pohl studierte klassische Gitarre in Köln und ist Autor mehrerer Gitarrenschulen und -kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. 

Über viele Jahre schrieb er Texte für Bildschirmgrößen wie Harald Schmidt oder Gaby Köster. Zudem moderierte er diverse Radio-Kabarett-Sendungen. Seit 1996 ist er als Komiker auch im TV zu sehen, unter anderem in „7 Tage, 7 Köpfe“, RTL oder später „Kalle kocht.“ 

Er verfasste zahlreiche Bücher und spielte CD’s ein. Hein Spack entwickelte er zum fiktiven Alter Ego als seinen Vetter. Pohl spielt seit Mitte der 2000er Jahre regelmäßig Theater auf verschiedenen Bühnen im Land.

Tickets:

Kalle Pohl: „Von allem das Beste!“ Burg Holtzbrinck, Samstag, 17. November, 20 Uhr Karten 18 Euro/ermäßigt 13 Euro. Veranstalter Kulturring der Stadt Altena. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Weitere Infos: www.kalle-pohl.de

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