Manches Konto wird deutlich teurer

Vereinigte Sparkasse erhöht Gebühren für Girokonten

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Klingt gut – aber dass sich dahinter eine satte Preiserhöhung verbirgt, verschweigt dieses Anschreiben an die Kunden.

Märkischer Kreis/Altena - Alles drin für 7,50 Euro im Monat – das Schreiben der Vereinigten Sparkasse liest sich, als ginge es um ein totales Schnäppchen. Tatsächlich verbirgt sich dahinter jedoch für viele Kunden eine saftige Erhöhung der Kontoführungsgebühren.

Etwa 40000 private Girokonten werden bei der Sparkasse geführt, bisher konnten die Kunden unter fünf verschiedenen Kontomodellen wählen. Besonders beliebt war „Giro Online“. Mit 3,75 Euro im Monat war es vergleichsweise günstig und bot viel Gegenwert: Neben allen beleglosen Buchungen war auch die Kreditkarte im Preis enthalten.

Ab 1. April ist es damit vorbei: Dann wird „Giro Online“ durch das so genannte Komfortkonto ersetzt. Das kostet dann 7,50 Euro im Monat, eine Standard-Kreditkarte schlägt mit weiteren 2,50 Euro zu Buche. Damit steigen die Kosten um fast 270 Prozent. Immerhin: In den ersten zwei Jahren gibt es für Stammkunden einen „persönlichen Rabatt“. Für sie kosten Konto und Karte bis 2019 „nur“ 6,50 Euro.

Verantwortliche stellen Mehrwert heraus

Sparkassen-Vorstand Kai Hagen, der für Altena zuständige Marktleiter Holger Wolf und Tomislav Majic vom Marketing bemühten sich am Montag im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt, einen gewissen Mehrwert des neuen Kontomodells herauszustellen: Alle Buchungen seien jetzt kostenlos – für Schecks musste bisher ebenso gezahlt werden wie für beleghafte Buchungen. Außerdem seien push-Tan und andere Funktionen im Zusammenhang mit der sogenannten Sparkassen-App gebührenfrei.

Trotzdem werde die Sache unterm Strich für die meisten Kunden teurer, räumte Hagen ein. Der Vorstandssprecher des Geldinstitutes weist seit Beginn der Niedrigzinsphase darauf hin, dass dadurch das Geschäftsmodell der gesamten Branche in Frage gestellt werde und dass über kurz oder lang andere Einnahmequellen erschlossen werden müssten, wenn die Marge zwischen Soll- und Habenzinsen immer geringer werde. Auch dem Wettbewerb bleibe auf Dauer nichts anderes übrig, als die Gebühren zu erhöhen, sagte Hagen. Tatsächlich hat die Volksbank im Märkischen Kreis schon im vergangenen Jahr ihre Kontoführungsgebühren erhöht.

Es gebe auch Kunden, die von den neuen Gebührensätzen profitieren, betonen Hagen und Wolf. Das gelte vor allem für junge Kunden: Bis zum 26. Lebensjahr ist das Komfortkonto generell gebührenfrei, bis zum 28. Lebensjahr gibt es einen Rabatt von 50 Prozent. Bisher galten solche Ermäßigungen nur für Auszubildende und Studenten, was aber mit Arbeit und manchmal auch mit Ärger verbunden war, wie Wolf aus der Praxis berichtete.

Preiserhöhung wird nicht erwähnt

Ersonnen hat das Kontomodell der Sparkasse ein „Projektteam“ aus Mitarbeitern aller Marktbereiche. Sie zeichnen auch für das Schreiben verantwortlich, mit dem die Kunden über die Veränderungen informiert werden. Dass es sich um eine Preiserhöhung handelt, wird darin mit keinem Wort erwähnt. Das sei nicht ungewöhnlich, sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW: Solche Schreiben würden oft ganz bewusst so formuliert, dass der Empfänger sie für Werbung halte.

Formale Anforderungen, die der Gesetzgeber in solchen Fällen stelle, halte die Vereinigte Sparkasse aber ein. So werde deutlich auf das Kündigungsrecht hingewiesen, das die Kunden wegen der Vertragsänderung jetzt hätten. Die Schreiben an die Kunden gingen letzte Woche raus. Bisher gebe es kaum negative Reaktionen, sagten die Vertreter der Geldinstitutes am Montag.

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