Gestaltungssatzung liegt auf Eis

Über mehrere Quadratmeter geht jeder der Aufdrucke auf den Sonnensegeln.

Altena - Zum Stadtentwicklungskonzept „Altena 2015“ gehört auch der Entwurf einer Gestaltungssatzung für die Innenstadt. Doch sie wurde nie verabschiedet. Sonst wären die Sonnensegel, die Stadtwerke und Baugesellschaft an den Lenneterassen planen, nicht möglich.

Als Jutta Gruß-Rinck und Hans-Joachim Hamerla vor zehn Jahren das Stadtentwicklungskonzept „Altena 2015“ auf die Beine stellten, warfen sie einen besonders kritischen Blick auf Leuchtreklamen, Werbebanner und Außengastronomien – mit dem Ergebnis, dass sie etliche Auswüchse dokumentierten und der Stadt dringend empfahlen, eine recht restriktive Gestaltungssatzung für den Innenstadtbereich aufzustellen.

Diese Aufgabe gingen Verwaltung und Politik anfangs auch mit vollem Elan an. Es wurde auch Geld ausgegeben – zum Beispiel für ein „Gestaltungshandbuch“, das bei Gruß-Rinck und Hamerla in Auftrag gegeben wurde und seit über drei Jahren vorliegt. Vorher schon hatte ein Arbeitskreis getagt und teils sehr weitreichende Vorstellungen entwickelt. Vor allem für den Bereich der Lennepromenade wurden sehr restriktive Regelungen gefordert: Keine Werbebanner am Geländer zur Lenne, keine Plakatwerbung an den Laternen – das waren damals die Empfehlungen. Selbst über Sonnenschirme machte man sich Gedanken: Nur auf der Vorderkante dürfe Werbung gestattet sein, empfahl das Gremium für die gesamte Innenstadt.

Legt man die damals entwickelten Vorschläge zugrunde, dann ist das, was Stadtwerke und Baugesellschaft für dieses Jahr an den Lenneterrassen planen, der Sündenfall schlechthin. Die Sonnensegel, die noch vor Ostern in die am Donnerstag montierten Stahlgestelle eingehängt werden, werden mit auffälliger Werbung für die beiden Unternehmen bedruckt. Etwa zwei mal drei Meter groß werden die Slogans, die auf jedem der vier Segel angebracht werden sollen.

Daran ist im Prinzip nichts auszusetzen – die Gestaltungssatzung ist nämlich nie verabschiedet worden. Im März 2012 war sie zum letzten Mal Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung: Es seien noch letzte Abstimmungsgespräche erforderlich, sagte Stadtplaner Roland Balkenhol damals und stellte in Aussicht, dass das Thema bald erledigt sei.

Seitdem ist nichts mehr passiert – eine Folge der knappen Personalausstattung der Abteilung Planen und Bauen, wie Balkenhol am Freitag auf Anfrage mitteilte. Er und seine Mitarbeiter seien mit Projekten wie der neuen Fußgängerbrücke und der Umgestaltung des Bahnhofsgeländes ausgelastet, die Gestaltungssatzung müsse notgedrungen warten – wie lange, das sei unklar.

Und selbst wenn die Satzung irgendwann ‘mal kommt: Gegen die Werbung auf den Sonnensegeln hilft sie dann nicht. Bereits vorhandene Werbeanlagen genießen Bestandsschutz...

Von Thomas Bender

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