Musik, Düfte und üppige Köstlichkeiten

Landrat Thomas Gemke und Kunsthistorikerin Dr. Agnes Zelck eröffneten die Ausstellung gestern im Wechselausstellungsraum der Burg. Es ist auch ein Begleitbuch zu den Exponaten erschienen.

ALTENA -  Den Hütern des Museumsfundus Burg Altena geht es nicht anders als dem Erben von Urgroßmutters gutem Porzellan: Die Schätze lagern unbeachtet im Schrank. Das hat sich seit gestern geändert, denn in den Wechselausstellungsräumen von Burg und Drahtmuseum heißt es nun „Bei Tisch“.

Prunkvoll ersteckt sich die gefüllte Obst-Etagere auf der Tafel. Kandierte Früchte, der Nachtisch des Adels, lagern darauf. Zwar darf niemand in die Vitrinen greifen und naschen, doch ein Bissen von den kandierten Veilchen am Eingang ist ausdrücklich erwünscht. Das Ensemble für alte Musik der Musikschule Lüdenscheid stimmt feine Tafelmusik an – heute soll sich jeder adlig fühlen dürfen, denn die Ausstellung „Bei Tisch“ steht für das Elegante und Schöne.

Als Ausstellungskuratorin Dr. Agnes Zelck berichtet, wie an höfischen Tafelrunden gespeist wurde, da kann einem das Wasser im Munde schon zusammenlaufen. Die stundenlangen Festmähler berührten mit Musik, Düften und üppigen Köstlichkeiten alle Sinne. „Nur diejenigen, die das Essen zubereiten mussten, hatten wenig zu lachen: Sie standen stundenlang in beißenden Küchendämpfen, denn ohne offene Feuerstelle wurde auch in der frühen Neuzeit noch nicht gekocht.“

Dr. Agnes Zelck beschönigt auch nicht, dass zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in den meisten Haushalten Mangel statt Prunk vorherrschte. Das feine Porzellan, das August der Starke exklusiv in Meißen anfertigen ließ, hielt ausschließlich bei reichen Leuten Einzug in die Haushalte. Das einfache Volk blieb bei seinen geschnitzten Löffeln, denn vor der Gabel, dem teuflischen Dreizack, hielt sich eine hartnäckige Furcht.

Besteck ist ein eigenes Thema in der Ausstellung „Bei Tisch“. Unter anderem hat das Solinger Klingenmuseum einige Exponate zur Verfügung gestellt, andere Stücke in den Vitrinen stammen aus Privatsammlungen. Während sich auf der Burg zeigt, wie gegessen wurde, widmet sich die Ausstellung im Drahtmuseum dem, was gegessen wurde. Uralte Kochbücher sind als Faksimile ausgestellt, Besucher dürfen sich gern Stift und Papier nehmen, um sich Rezepte abzuschreiben.

Hinzu kommen Anleitungen: Wie Fleisch tranchiert wird, Servietten zu Tieren gefaltet werden und wie man sich an einer feierlichen Tafel gut benimmt.

Natürlich fehlt auch nicht die kleine Kulturgeschichte des feinen Speisens: Kaffee, Tee und Schokolade waren nicht von Anfang an Genussmittel, sondern Arzneien. Zucker galt als Würze, nicht aber als Süßungsmittel. Brandwein diente als Aqua Vitae der Gesundheit und nicht als Rauschmittel.

Entdecken können Museumsbesucher das alles noch bis zum 14. Mai. Führungen können jederzeit gebucht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare