Nach Brand: Harun Cici blickt wieder nach vorn

„Der Brandgeruch ist in jede Ecke gezogen“, sagt Harun Cici und zeigt auf die Wände, von denen der Putz abgeklopft worden ist. Auch die Türen müssen erneuert werden.  Foto: Keim

Altena - Harun Cici erinnert sich noch gut an den 25. Oktober. Er saß in seinem Büro in Werdohl, als kurz nach 13 Uhr ein Anruf kam: „Cici, dein Haus steht in Flammen“. Mit einem mulmigen Gefühl habe er sich sofort ans Steuer seines Autos gesetzt und sei nach Altena geeilt. 

Obwohl das Haus durch das Feuer stark beschädigt wurde, resigniert Cici nicht – im Gegenteil.

Das Szenario vor Ort war tatsächlich recht dramatisch: Ein dicht verrauchtes Treppenhaus schnitt neun Bewohnern des Hauses Lennestraße 2 den Fluchtweg ab. Dementsprechend dramatisch gestalteten sich die ersten Minuten des Einsatzes. „Das war Schicksal“, meint Harun Cici heute.

Die Drehleiter ging damals zuerst am Markaner in Stellung. Von dort aus holte die Feuerwehr zwei junge Männer aus einer Wohnung im ersten Stock. Dann musste die Leiter umgestellt werden, weil die übrigen Brandopfer nur von der Rückseite des Gebäudes aus – also von der Lennepromenade – erreicht werden konnten. Zuerst holte die Wehr eine Mutter mit ihrem Kind aus dem Dachgeschoss, später dann noch zwei Erwachsene aus den unteren Wohnungen. Drei Bewohner wurden von der Feuerwehr mit Rauchhauben durch das Treppenhaus nach draußen geleitet.

Weil anzunehmen war, dass die in dem Haus eingeschlossenen Menschen Rauchvergiftungen erlitten hatten, wurden neben Feuerwehrleuten auch etliche Sanitäter zum Einsatz gerufen. Neben denen der Altenaer Feuerwehr und des DRK wurde auch der Lüdenscheider Rettungsdienst alarmiert, der mit zwei weiteren Rettunsgwagen vor Ort war. Während die Erwachsenen leicht verletzt davon kamen, wurde das Kind mit einer schweren Rauchvergiftung in die Lüdenscheider Kinderklinik gebracht. Weil die Drehleiter für die Menschenrettung gebraucht wurde, mussten sich die Feuerwehrleute mit Steckleitern Zugang zum Brandherd verschaffen, andere drangen unter schwerem Atemschutz durch das Treppenhaus vor.

Lokalisiert wurde der Brandherd schließlich in einer Wohnung im ersten Stock des Hauses. Während die Flammen auf diesen Teil des Gebäudes beschränkt blieben, durchdrang der dichte Rauch alle fünf Etagen. Das Gebäude war unbewohnbar. Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren vor Ort, um sich um die Unterbringung der Mieter zu kümmern.

In dem kürzlich erst renovierten Wohn- und Geschäftshaus lebten ein Dutzend Menschen; sieben Wohnungen waren voll vermietet. Alle Wohnungen stehen jetzt leer, auch die beiden Ladenlokale im Untergeschoss. Vor etwa drei Wochen hat die auf Brandsanierung spezialisierte Firma Pfeifer aus Brachbach bei Siegen am Markaner die Arbeit aufgenommen. Und die Fachleute haben jede Menge zu tun. Harun Cici steht im ersten Obergeschoss und zeigt die massiven Schäden und die weit reichenden Arbeiten, die zur Sanierung der Immobilie erforderlich wurden. Erst im Frühjahr 2011 hatte er das Wohn- und Geschäftshaus erworben und – nach einigen Auseinandersetzungen mit der Stadt – eine Sanierung in Auftrag gegeben. Jetzt steht er in einem „Rohbau“, wie er Szenerie nennt. Im Treppenhaus und an den Wänden wird der Putz von den Steinen geklopft, auch die Elektro-Installationen und selbst Wasserrohre müssen neu gelegt werden. Überall hängen Zettel im Format DIN A 4 mit Aufgabenbeschreibungen für die Handwerker. „Ich fange wieder bei Null an“, meint Harun Cici. Resignation ist dabei aber nicht zu spüren. Er sei allen dankbar für den umfangreichen Einsatz während des Brandes und in der Zeit danach, nennt dabei ausdrücklich die Rettungskräfte von Feuerwehr und Sanitätsdienst sowie das Ordnungsamt. Die prekäre Lage, in die Mieter durch das Feuer geraten sind, ist dem türkischen Geschäftsmann ganz bewusst. „Ich wünsche niemandem, dass er so etwas erleben muss.“ Und er hat einen dringenden Rat: „Jeder braucht eine Hausrat- und eine Haftpflichtversicherung.“ So könne zumindest der materielle Schaden wieder ausgeglichen werden. Das habe sich bei diesem Brand einmal mehr auf traurige Weise bewahrheitet.

In jedem Stockwerk sind die Spuren des Feuers sichtbar, am stärksten natürlich in jener Wohnung im ersten Stock, in der das Feuer in einem Kinderzimmer ausgebrochen war. Hier kann man auch noch deutlich riechen, dass es gebrannt hat. „Der Brandrauch ist in jede Ecke, in jede Nische gekrochen. Bis hinauf in die Wohnungen im Spitzboden“, berichtet Harun Cici und zeigt auf dunkle Stellen, wo Rauchschwaden selbst hinter die Zargen von Türen gezogen sind. Und auch das Löschwasser hat seine Spuren hinterlassen, ist bis in den Keller gelaufen. In den Räumen der ehemaligen Pizzeria arbeiten seit zwei Wochen Trocknungsgeräte im Dauerlauf. Das ganze Ausmaß des Schadens habe sich erst nach und gezeigt, sagt Cici. „Es kam jeden Tag etwas Neues dazu.“

Das Wichtigste aber sei, das an jenem 25. Oktober niemand zu Schaden gekommen sei: „Sonst hätte das Objekt jetzt keinen Wert mehr für mich.“ So aber will er wieder ein „Schmuckstück“ daraus machen. „Schließlich habe ich um das Haus gekämpft“, blickt Cici auf die ersten Monate zurück. Die Lage der Immobilie am Markaner, wo Cici erst Anfang Dezember übrigens auch das Haus mit dem Tabakwarengeschäft von Rainer Grüger und der Gaststätte „Zum Ritter“ gekauft hat, sei einfach erste Wahl. Innen und außen soll die Immobilie, die auf allen Seiten noch Spuren des Brandes aufweist, wieder instandgesetzt werden. JedenTag ist Cici jetzt in der Burgstadt, um auf der Baustelle nach dem Rechten zu sehen.

Bis zum Sommer, so hofft er, sollen alle Arbeiten erledigt sein. Vier neue Mieter hat der Investor schon wieder gefunden. Die Pizzeria Castello, die in den Räumen des einstigen Blumenhauses Kalf untergebracht war, wolle wieder an den Standort zurückkehren, berichtet Cici.

Thomas Keim

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