Sogar Kinderstimme für die Telefonmasche

ALTENA ▪ Das seltsame R-Gespräch für Norbert Jelitto, über das das AK in der Montagsausgabe berichtet hat, scheint alles andere zu sein als ein Einzelfall. In der Redaktion meldeten sich auf den Bericht fast ein Dutzend Leser, die einen ganz ähnlichen Anruf erhalten hatten. Alle Anrufe lagen erst vergleichsweise kurze Zeit zurück - was darauf hindeutet, dass es sich offenbar um eine recht junge „Masche“ handelt.

Und die Urheber haben offenbar keine Skrupel: So berichtet eine AK-Leserin, dass sie den Anruf mit Hinweis auf ein R-Gespräch innerhalb weniger Minuten gleich fünf Mal erhalten hat. Als sie beim ersten Mal die Verbindung noch entgegennahm, hörte sie wie auch Norbert Jelitto eine Stimme vom Band – in diesem Fall aber eine Kinderstimme. Sie sagte: „Mama, hier ist Jan...“ Die Altenaerin zeigt sich darüber empört; nennt das Vorgehen der unbekannten Anrufer mit dem Appell an die Hilfsbereitschaft „gemein – das belastet mich noch heute.“

Auch eine zweite Leserin berichtet, dass bei der Bandansage von einem Notfall gesprochen worden sein. „Ich bin in Not“, habe die Stimme gesagt. Besonders heikel daran: Der Sohn der Angerufenen befand sich just zu in diesem Zeitraum tatsächlich im Ausland.

Für das R-Gespräch sei in in einem Fall 1,90 Euro pro Minute verlangt worden, im anderen 1,95 Euro. Die Masche ist offenbar wirklich neu. Das bestätigt eine Anfrage bei der Bundesnetzagentur in Bonn. Anrufe nach diesem Strickmuster seien vor wenigen Wochen zuerst im Frankfurter Raum aufgetreten.

„Das Modell ist uns bekannt“, sagt Rudolf Boll, Leiter der Pressestelle bei der Bundesnetzagentur. Ein entsprechendes Verfahren sei eingeleitet. Es müsse aber zunächst einmal festgestellt werden, wer hinter diesen Anrufen steckt.

Deshalb bittet die Netzagentur alle Betroffenen, sich unter der Rufnummer 0291 / 99 55 206 bei der Außenstelle in Meschede zu melden. Auf jeden Fall sollte die nächste Rechnung genau geprüft und angeschaut werden, empfiehlt Boll. ▪ tk

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