Elementarschäden

So lassen sich Altenas Häuser gut gegen Hochwasser versichern - auch in besonders betroffenen Bereichen

Aufräumen nach der Flut: Viele Häuser, die das Hochwasser schwer getroffen hatte, lassen sich gegen Elementarschäden versichern.
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Aufräumen nach der Flut: Viele Häuser, die das Hochwasser schwer getroffen hatte, lassen sich gegen Elementarschäden versichern.

„Fast jedes Haus ist falsch versichert“, meint die Verbraucherberatung und rät dazu, den Versicherungsschutz vor dem nächsten Starkregen zu prüfen – und falls nötig – anpassen zu lassen. Dabei rückt das Thema Elementarschadenversicherung auf traurige Weise in den Fokus.

Altena – „Oftmals fehlt dieser wichtige Schutz der eigenen Immobilie und Betroffene bleiben nun auf dem Schaden sitzen“, schreibt die Verbraucherberatung und bestätigt damit eine Erfahrung, die auch viele Hochwasseropfer in Altena gemacht haben.

Allerdings stellt sich die Frage, ob sich Häuser in jenen Bereichen, die von der Flut besonders hart getroffen wurden, überhaupt gegen Hochwasser und andere Elementaerschäden versichern lassen. Ja, sagt Thomas Gries von der LVM-Versicherung an der unteren Bachstraße und erläutert das Prozedere: „Ausschlaggebend sind die sogenannten Zürs-Klassen – und an denen hat sich durch das Hochwasser nichts geändert.“

Zürs steht für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“. Das ist ein Informationssystem zur Einschätzung von Naturgefahren, das 2001 vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entwickelt wurde. Es weist vier Zonen beziehungsweise Gefährdungsklassen aus: In Zone 1 ist das Hochwasserrisiko hinsichtlich der statistischen Häufigkeit gering, in Zone 4 sehr hoch. Viele Versicherer (darunter auch die LVM) versichern Häuser in der Zone 4 nicht. Ansonsten gilt: Je größer das Risiko, desto höher die Prämie.

Für jede Adresse in Deutschland lasse sich über ein entsprechendes Computerprogramm die Zürs-Zone bestimmen, sagt Gries. An der ändere zunächst auch das Hochwasser nichts: Häuser, für die vor dem 14. Juli Zone zwei galt, würden von der LVM auch jetzt versichert – auch wenn sie im Juli unter Wasser gestanden hätten.

Womöglich wird sich die Einstufung in den vom Hochwasser besonders betroffenen Bereichen irgendwann ändern: „Die Juli-Flut wird – wie jedes Hochwasser- oder Starkregenereignis – in Zürs eingepflegt“, sagt Kathrin Jarosch aus der GDV-Pressestelle. Dies dauere in der Regel aber einige Zeit, da die öffentliche Hand erst die entsprechenden Daten zu dem Ereignis liefern müsse.

Grundsätzlich gelte, dass die Versicherer vor Abschluss einer Elementarschadenversicherung auch nach Vorschäden fragen und dann unter Umständen einen Vertrag mit Auflagen verknüpfe. „In exponierten Lagen wird die Versicherung erwarten, dass das Risiko zum Beispiel durch bauliche Maßnahmen minimiert wird“, sagt die GDV-Sprecherin und wundert sich darüber, dass viele Autos besser (weil Vollkasko) versichert sind als die Häuser der Fahrzeughalter.

Auf der Homepage des GDV findet sich ein Tool (Abrufbar per Scan des QR-Codes mit dem Smartphone), mit dessen Hilfe sich für jede deutsche Adresse das Hochwasserrisiko ermitteln lässt. Es wird auf einem Farbbalken angezeigt, der von Grün (geringe Gefahr) über Gelb bis Rot reicht. Die Adresse Grennigloher Weg 17 ist danach im dunkelgrünen Bereich, für die Adresse Bachstraße 59 (Feuer- und Rettungswache) ist die Gefahr nur unwesentlich größer, ähnlich sieht es für die Grabenstraße aus. Diese Bereiche wurden vom Hochwasser Mitte Juli besonders schwer getroffen.

Für die untere Lennestraße sowie die Arbeiterhäuser an der Werdohler Straße meldet das Tool gerade mal eine eine mittlere Gefährdung. Allerdings: Diese Einstufungen gelten für Schäden, die durch größere Gewässer verursacht wurden, für die es Hochwassergefährdungskarten gibt. Das ist in Altena nur für Lenne und Rahmede der Fall.

„Aus gutem Grund weist der GDV immer wieder darauf hin, dass es durch Starkregen auch jenseits der größeren Gewässer immer öfter zu Schäden kommt“, meint Jarosch. Allumfassenden Schutz biete aber auch die Elementarschadensversicherung nicht, meint die Verbraucherberatung mit Hinweis auf einen Fall in Swistal.

Dort waren in einem Haus Schäden am Keller und dem dort gelagerten Hausrat entstanden. Der Versicherer weigerte sich, sie zu regulieren. Der Haken: Das Haus war zwar gegen Elementarschäden versichert, also auch gegen Überschwemmung. In diesem Fall war aber Grundwasser über die Bodenplatte und Risse in den Kellerwänden eingedrungen. „Das war in diesem Fall leider nicht mitversichert“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW.

„Der Eigentümer muss den Schaden daher nun selbst tragen.“ Auch aus Altena wurden Fälle bekannt, wo Versicherungen Schäden durch so genanntes „erdgebundenes Wasser“ nicht übernommen haben.

„Um sicher zu gehen, dass es im Schadenfall nicht solche oder ähnliche Probleme mit dem Versicherer gibt, sollten Hauseigentümer ihren Versicherungsordner zur Hand nehmen und den Schutz des Hauses genau überprüfen – und das bestenfalls noch vor dem nächsten Starkregen. Diese Punkte gilt es dabei im Auge zu behalten“, rät die Verbraucherberatung. Am besten sei es natürlich, wenn ein Schaden gar nicht erst eintrete. Darin sind sich die Verbraucherschützer und der GDV einig.

Sie raten dazu, das Haus, unter Umständen mit professioneller Hilfe, auf Schwachstellen und Schutzmaßnahmen zu prüfen. Die Rückstauklappe im Keller sei ebenso wichtig wie der geschützte Lichtschacht. Durch Wasser besonders gefährdete Fenster und Türen könne man auch durch Dammbalken schützen.

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