Skurrile Fälle am Gericht: Richter beweist Humor

Ein Streit unter Nachbarn wird in Altena eher selten im Gericht ausgetragen.

ALTENA ▪ Vertauschte Vereinsjacken oder unflätige Gartenzwerge: Solche Fälle landen auch in Altena vor dem Amtsgericht. Dabei sind diese skurrilen Verfahren eher selten, sagen Anwälte, Schiedsmänner und der Direktor des Amtsgerichts aus Altena. Eine BVB-Fahne im Nachbargarten in Hemer beschäftigt derzeit allerdings sogar ein Verwaltungsgericht.

„Von einem Verfahren mit einer Fahne ist mir nichts bekannt“, sagt Dieter Neuhoff, Direktor des Altenaer Amtsgerichts. In seiner Amtszeit sei ein solcher Fall noch nicht vorgekommen. Auch die Anzahl der Nachbarschaftsstreitigkeiten, die tatsächlich bei einem Richter landen, sei im Zuständigkeitsbereich des Altenaer Amtsgerichtes eher gering. „Das sind pro Jahr etwa 20 bis 25 Verfahren. Dann geht es meistens um Grenzstreitigkeiten“, erklärt Neuhoff die Verfahren.

Rechtsanwalt Dieter Steinigeweg kann aus seiner Berufserfahrung nur von zwei wirklich außergewöhnlichen Verfahren in Altena berichten. Die haben es allerdings in sich.

Als es in Altena noch einen Karnevalsverein gab, entbrannte mal ein Streit zwischen zwei Mitgliedern um zwei vertauschte Vereinsjacken. „Damals musste sogar ein Schneidermeister eine Begutachtung der Jacken vornehmen“, kann sich Steinigeweg an den Aufwand zur Klärung des Falles erinnern. Viel Humor bewies der mit dieser Verhandlung betraute Richter: „Der terminierte die Verkündung des Urteils auf den 11.11. um 11.11 Uhr. Da mussten wir Anwälte uns schon das Lachen verkneifen“, erzählt Dieter Steinigeweg die Geschichte heute noch gerne. „Die Karnevalisten konnten darüber allerdings nicht lachen.“

Auch ein Gartenzwerg schaffte es schonmal als Beweisstück vor das Altenaer Amtsgericht. Dieser zeigte direkt zum Haus des Nachbarn den ausgestreckten Mittelfinger. Der Nachbar war darüber nicht sehr erbaut und klagte. „Das Verfahren ging allerdings schnell zu Ende, da einer der Beteiligten verzog und somit auch der Verhandlungsgegenstand verschwand“, erzählt Steinigeweg.

Der Anwalt weiß allerdings auch, dass ihn eine Vielzahl von möglichen Klagen gar nicht erreicht. Erst wenn ein Schiedsmann – drei gibt es in Altena – erklärt, dass eine gütliche Einigung zwischen den Streitparteien gescheitert sei, kommt es zu einer Verhandlung.

„Meistens haben sich die Parteien bei mir schon nach dem ersten Gespräch geeinigt“, weiß der langjährige Schiedsmann Gerhard Schube aus Dahle zu berichten. „Beim Gros der Fälle ging es um Unterstellungen oder Beleidigungen“, kann Schube nicht von Skurrilitäten berichten.

Eins ist dem Schiedsmann, dem Anwalt und dem Amtsgerichtsdirektor gleich wichtig zu betonen. Jede Streitpartei werde sehr Ernst genommen. Denn subjektiv sei ihnen allen zunächst ein Unrecht widerfahren. ▪ David Schröder

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