Erinnerungen von Silvia Palla

Nachkriegsweihnachten auf dem Breitenhagen

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Sivia Palla mit der Kladde, in der sie ihre Erinnerungen festhält. 

Altena - Seit Silvia Palla Rentnerin ist, hat sie zwei neue Hobbys entdeckt. Das eine ist Malen, das andere Schreiben. Die gebürtige Altenaerin schreibt nicht etwa am Computer, sie schreibt nach alter Schule mit der Hand – in einer dicken Kladde hält sie ihre Geschichten fest. 

Sie erzählen von Erinnerungen, meist an ihre Kindheit und Jugend. Die hat Silvia Palla, geborene Schürmann, auf dem Breitenhagen verbracht. Eine Geschichte heißt „Weihnachten bei uns zu Hause in den 50er Jahren“. Eine Freundin hat die handschriftlichen Zeilen jetzt in den PC getippt, ansprechend gesetzt und mit kleinen Illustrationen versehen. So ist ein sechseitiges Heftchen im Format DIN A5 entstanden. 

Es gibt Einblicke in die Familiengeschichte. Silvia Palla, Jahrgang 1949, war eines von drei Kindern, das jüngste. „Unser Vater war Schumachermeister und wir hatten nie viel Geld“, heißt es da. Und Silvia Palla erklärt auch, warum das so war. Die Leute ließen sich die Schuhe besohlen, bezahlten das meist aber erst am Ersten des folgenden Monats – „oder manchmal auch gar nicht.“ Es gab ein kleines Buch, in dem diese Außenstände festgehalten wurden. „Also war auch Weihnachten nie viel Geld für Geschenke da“, schreibt Silvia Palla, „aber das hat uns Kinder nicht gestört, wir kannten es ja nicht anders.“ 

Geschenke wurden meistens gestrickt oder genäht

Mutter Ruth Schürmann fing schon im September an, Geschenke herzustellen; sie wurden meist gestrickt oder genäht: Kleider, Schürzen oder Hosen. Süßigkeiten wurden im November oder Anfang Dezember gekauft – sie kamen in eine Kiste, die unter dem Bett stand. „Natürlich haben wir Kinder schon mal nachgesehen. Aber nur nachgesehen – es war ja alles abgezählt und dann wäre es aufgefallen, wenn ein Teil gefehlt hätte.“ In der Adventszeit hatten die Kinder einen Wunschzettel geschrieben. „Drei Teile waren gestattet, und eines davon habe ich auch immer bekommen.“ Der Tannenbaum wurde erst am Morgen des Heiligen Abend besorgt, bei einem Bauern auf dem Ardey. Das war stets Sache von Vater Heinrich Schürmann; zu Fuß eine Stunde hin und eine wieder zurück. 

Zum Schmücken des Baumes schloss sich der Vater dann im Wohnzimmer ein – übrigens immer mit einer Flasche Danziger Goldwasser. Dann näherte sich der Moment der Bescherung. „Um 18 Uhr gab es immer Kartoffelsalat und Würstchen. Als Nachtisch einen Fruchtsalat mit geknackten Walnüssen. Das war etwas ganz Besonders“, hat Palla festgehalten. Nach dem Essen „klingelte das Christkind“ und Familie Schürmann ging ins Wohnzimmer, „die gute Stube.“ „Der Ofen war an, was ja auch nicht jeden Tag der Fall war“. Der Baum war geschmückt mit silbernen Kugeln, Lametta und einer Baumspitze; außerdem gab es bunte, kleine Glasvögel. 

Kaputte Puppen kamen kurz vor Weihnachten zum Puppendoktor

„Wenn wir den Baum bewundert hatten, wurde gesungen. Das erste Lied war immer ‘Oh Tannenbaum’. Dann kamen die Geschenke dran“, erinnert sich Silvia Palla. „Meistens bekam einer von uns ein Spiel. Halma, Mühle oder Mensch ärgere dich nicht. Und dann wurde auch gleich gespielt.“ Mit der Weihnachtszeit verbindet die Altenaerin, die heute in Dresel wohnt, manch weitere schöne Erinnerung. „Einmal wurde mein alter Teddybär repariert. Er bekam neue Augen und die Pfoten wurden ausgebessert. Er hatte auch einen schicken Pullover und einen Schal dazu bekommen. 

Und Puppen, die kaputt waren, „kamen kurz vor Weihnachten zum Puppendoktor. So etwas gab es ja damals noch.“ Familie Schürmann besaß ein Radio, aber noch keinen Fernseher. „Heiligabend hörten wir immer eine Sendung im Norddeutschen Rundfunk. Sie hieß ‘Weihnachten auf See’. Seeleute, die nicht zu Hause sein konnten, bestellten darin ihren Lieben herzliche Grüße. Ich musste dann immer weinen, weil sie mir so leid taten. Aber es wurden auch immer schöne Weihnachtslieder gespielt.“ Auch das Ende von Heiligabend hat Silvia Palla beschrieben: „Um 22 Uhr mussten wir ins Bett. Dieses taten wir auch ohne Murren und Knurren. Es war eine friedliche Zeit. Wir waren auch nicht neidisch aufeinander, denn unsere Eltern hielten uns alle gleich.“

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