Wie sieht es am Ausbildungsmarkt aus? Kleine Umfrage bei heimischen Betrieben

Im Handwerk sind Geduld und Suche gefragt

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Lukas Landgraf in der Kfz-Werkstatt von Martin Stübner. Der Gymnasiast gehört seit einem Monat zum Team.

Altena - Die Lage ist nicht einfach: Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen, aber viele Arbeitgeber sind auf der Suche nach Nachwuchs und finden keine geeigneten Bewerber. Das AK hat sich exemplarisch einmal bei den Handwerksbetrieben in der Burgstadt umgehört. Hat Handwerk noch goldenen Boden?

 Eine kleine Umfrage, natürlich nicht repräsentativ, scheint zu bestätigen, was Markus Kluft sagt, der Pressereferent der hier zuständigen Handwerkskammer Arnsberg: „Alle Gewerke suchen Nachwuchs.“ Im Märkischen Kreis gab es zum Ende des Jahres 2017 1410 Auszubildende, darunter 421 im ersten Lehrjahr. Als die stärksten Branchen zeigen sich – hinsichtlich der Zahl der Betriebe – die Sektoren Bau- und Ausbau mit 40 Betrieben, die Metall- und Elektrobranche mit 54 Betrieben sowie „Gesundheitspflege und Reinigungsgewerbe“ mit 17 Betrieben. Insgesamt zählt die Handwerkskammer in der Burgstadt 144 Betriebe.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit geht es im Bereich des Altenaer Geschäftsstellenbezirks um insgesamt 135 gemeldete Ausbildungsstellen. Davon werden 29 den Handwerksberufen zugeordnet. In der Agentur weiß man von acht noch unbesetzten Stellen und sechs noch unversorgten Bewerbern. Die zahlenmäßig jeweils am stärksten nachfragenden Branchen sind laut Arbeitsagentur der Bereich Werkzeugtechnik, elektrische Betriebstechnik, Informatik und Telekommunikation, sowie die Heizungs- und Sanitärbranche.

In der Elektrobranche ist die Firma Moldenhauer an der Hagener Straße zuhause. Dort hat man einen Azubi gefunden, aber Gesellschafterin Linda Moldenhauer weiß auch: „Im Handwerk ist das immer schwierig.“ Es gebe auch eine hohe Abbrecherquote. Für den Abschluss eines Ausbildungsvertrages, das hat Moldenhauer beobachtet, „ist es auch wichtig, dass das Elternhaus mitspielt.“

„Viele“, weiß Dachdeckermeister Dennis Kranz, „wollen sich nicht die Finger schmutzig machen.“ Aber auch bei Kranz hat man einen neuen Auszubildenden gewinnen können. Jedoch: „Es ist schwer, vernünftige Leute zu bekommen.“ Das Arbeiten bei Wind und Wetter sei gleichfalls nicht jedermanns Sache. „Das Handwerk sucht Leute wie verrückt“, beschreibt es Alexander Grass, Inhaber des gleichnamigen Installateurbetriebes an der Lennestraße. Das gelte im Übrigen landesweit.

Die Firma Grass hat in diesem Jahr bisher keinen Azubi gewinnen können; bietet aber auch Quereinsteigern eine Chance an, obwohl das Ausbildungsjahr begonnen hat. „Man muss schon suchen“, meint Kfz-Meister Martin Stübner, „um einen brauchbaren Auszubildenden zu finden.“ Derzeit beschäftigt seine Autofit-Werkstatt an der Bachstraße drei Auszubildende, je einem im dritten, zweiten und ersten Lehrjahr. Lukas Landgraf ist seit einem Monat im Team. Was wohl nicht alltäglich ist: Lukas Landgraf hat zuvor das Burggymnasium besucht, sich dann aber entschlossen, die Schule mit dem Fachabitur zu verlassen und sich eine Ausbildungsstelle zu suchen. „Ich wollte unbedingt etwas mit Autos machen“, sagt der 17-Jährige. Er brauche eben etwas zum Anfassen.

„Wenn so ein Auto mit einem Defekt in die Werkstatt kommt und anschließend wieder alles funktioniert, dann ist es doch schön, wenn ich sagen kann: ‘Das habe ich gemacht.’“ Weiterbildung sieht Lukas Landgraf schon jetzt als wichtig an; und mit der Zeit will er sich auch an den Meisterbrief wagen. Martin Stübner ergänzt, dass gute Meister sich hinsichtlich des Lohns bereits mit einem Prüfingenieur (Hochschulabschluss) messen können.

Zu den Firmen, die keine Schwierigkeiten bei der Nachwuchssuche haben, zählt Elektro Jungkurth in Altroggenrahmede. Es gebe jeweils zahlreiche Bewerbungen, berichten Sabine Jungkurth und Thorsten Schmidt, Ausbildungsleiter der Firma. Vier Azubis in jedem Jahr einzustellen ist bei Jungkurth das Ziel. Es konnte jetzt erneut erreicht werden.

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