„Click and meet and test“:

Shoppen vor Ort: Geteiltes Echo - und ein Kritikpunkt

Gabi Barthelmes hätte kein Problem damit, sich „testen zu lassen, um in die Geschäfte zu können.“ Am Donnerstag kaufte die Altenaerin aber an der Ladentür ein.
+
Gabi Barthelmes hätte kein Problem damit, sich „testen zu lassen, um in die Geschäfte zu können.“ Am Donnerstag kaufte die Altenaerin aber an der Ladentür ein.

Altena – „Click and meet and test“: Seit Montag (17. Mai) dürfen Kunden auch in Altena nach vorheriger Terminbuchung in die Geschäfte, wenn sie denn einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen können oder als vollständig geimpft oder genesen gelten – und das auch nachweisen.

Die Begeisterung über das neue Shopping-Modell hielt sich im Vorfeld in Grenzen bei den Einzelhändlern, bei denen in den vergangenen Wochen vielfach „Click and collect“ – und damit die Abholung von Waren an der Ladentür – ganz ordentlich funktioniert hat. Und jetzt? Wird Shoppen mit Termin und Test genutzt? Ein Bummel durch die Innenstadt.

Einzelhändlerin: „Viele haben keine Lust“ auf Test

Es ist Donnerstag und damit Markttag in der Burgstadt. Und im Gegensatz zum tristen Mittwochnachmittag, als Petrus zwischenzeitlich die Schleusen öffnete und nur wenige Passanten mit Schirm, Charme und Maske auf der Lenne- und Kirchstraße unterwegs waren, ist es trocken. Na dann mal los...

Erster Bummel-Stopp ist die Boutique Marlies, hinter den schön dekorierten Schaufensterscheiben brennt Licht. Die Sonne hat inzwischen auch die Wolken beiseitegeschoben, die Laune steigt. Auch Marlies Rechenberg lächelt – aber nur bis zu der Frage, wie es denn so laufe mit diesem „Click and meet and test“.

Erst winkt die Einzelhändlerin ab, dann zeigt sie mit der Hand zum Hals. „Mir steht es inzwischen bis hier“, sagt Rechenberg. Kunden, die einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen, habe sie in dieser Woche noch nicht im Laden begrüßen können. „Viele haben keine Lust dazu“, sagt Rechenberg, für die das neue Shopping-Modell alles andere als der große Wurf ist und die sich fragt, „wie sich Gastronomie und Einzelhandel“ bei der bestehenden Testpflicht erholen sollen nach schon harten Monaten.

Testzentrum: Kritik an Öffnungszeiten

Was die Einzelhändlerin nicht verstehen kann und daher auch kritisiert, sind die Öffnungszeiten des Corona-Testzentrums in der Burg Holtzbrinck. Das öffnete am Donnerstag, dem besucherstarken Markttag, von 15 bis 19 Uhr. Die meisten Marktbesucher und potenziellen Kunden für den stationären Handel waren da schon längst wieder zuhause.

Dass in den Morgenstunden donnerstags aber nicht getestet wird, war aufgrund des Marktes schon vor der Eröffnung des Testzentrums bewusst so entschieden worden, weil es sich nicht „drubbeln“ sollte. Marlies Rechenberg verweist auch darauf, dass am Sonntag (23. Mai) die Außengastronomie, wenn denn die Inzidenz im Märkischen Kreis weiter unter 100 bleibt, wieder öffnen könnte.

Sonntags aber habe das Testzentrum in der Burg Holtzbrinck geschlossen. Mit einem tagesaktuellen negativen Test wird’s dann zumindest im Stadtgebiet schwierig. „Ich würde mir längere Öffnungszeiten wünschen, besonders am Wochenende“, so Rechenberg.

Juwelier: Einchecken per Luca-App

Für den ganz großen Wurf hält auch Ulrike Betzler-Hüttemeister das neue Modell noch nicht, wenngleich es für ihr Juweliergeschäft, bei dem nun auch per Luca-App eingecheckt werden kann, „besser als „Click and collect“ sei. Die Kunden verhielten sich weiter vorsichtig, aber die Einzelhändlerin und ihr Team freuen sich natürlich über jeden einzelnen Kunden, der mit negativem Test oder dem Nachweis beider Impfungen durch die Ladentür marschiert.

Vanessa Kolodziej von Ernsting’s Family sah dankbare Kunden im Geschäft in Altena.

Und das ist in dieser Woche mehrfach der Fall gewesen. Wer nicht getestet, genesen oder vollständig geimpft ist, werde selbstverständlich weiter an der Ladentür bedient. In puncto Tests ist Betzler-Hüttemeister im Übrigen wie auch Marlies Rechenberg mit dem bestehenden Angebot in der Burgstadt nicht glücklich und würde sich „mehr Testmöglichkeiten“ wünschen. Zum Beispiel am Burgaufzug. „Das wäre mittendrin.“

Kein Problem mit Corona-Test vor dem Shoppen

Es geht weiter durch die Stadt in Richtung Markt, auf dem Waltraud und Peter Holzrichter schon waren. Einen tagesaktuellen negativen Test hat das Paar aus Wiblingwerde nicht dabei. Der ist auf dem Markt ja auch nicht nötig. Shoppen wollten die jeweils einmal geimpften Holzrichters zwar nicht, sie finden die Möglichkeit, mit einem negativen Test nach vorheriger Anmeldung wieder in die Geschäfte zu kommen, aber gut. „Wir haben das auch schon gemacht“, sagt Waltraud Holzrichter, für die die Testpflicht kein Hindernis ist, um „einfach mal wieder shoppen zu gehen“.

Weiter geht’s zu Danando Mode und damit zu Simone Späinghaus, die „seit Dienstag richtig gut“ zu tun hat. Geimpfte waren in dieser Woche bereits wieder in ihrem Geschäft, aber auch einige Kunden mit negativem Schnelltestergebnis. „Die Kunden freuen sich – und toben sich aus“, sagt Späinghaus mit einem Lächeln. Die vorherige Terminabsprache laufe ganz gut. Und wer weder geimpft, genesen noch getestet ist, hat weiterhin die Möglichkeit, an der Tür die gewünschten Artikel zu bekommen.

Verkauf an der Ladentür bleibt

Und noch einmal Textil-Einzelhandel: Vor Ernsting’s Family an der Kirchstraße schaut sich Gabi Barthelmes an einem vor der Ladentür aufgestellten Kleiderständer um und schlägt schließlich auch zu. Also kauftechnisch. Unter anderem entscheidet sie sich für eine neue Jacke, die ihr von Giuseppina Hörnig herausgereicht wird.

Einen negativen Test hat Gabi Barthelmes, die bislang einmal geimpft ist, nicht dabei, sie möchte an diesem Tag aber auch nicht in den Laden. „Ich hätte aber keine Scheu, mich testen zu lassen, um in die Geschäfte zu können“, sagt die Altenaerin, „was sein muss, muss sein.“

„Click and meet and test“ : Kleiner Schritt nach vorn

Giuseppina Hörnig und ihre Kollegin Vanessa Kolodziej konnten in den zurückliegenden Tagen einige Kunden mit negativem Test, aber auch vollständig Geimpfte im Ladenlokal begrüßen. „Click and meet and test“ würde ganz gut angenommen. „Es ist ein kleiner Schritt nach vorne“, meint Giuseppina Hörnig. Kollegin Vanessa Kolodziej ergänzt: „Viele Kunden haben lange darauf gewartet und sind auch dankbar für diese Möglichkeit.“

Es geht zurück ins Büro. „Sind Sie geimpft oder haben Sie einen negativen Test dabei?“ Giuseppina Hörnig fragt den nächsten Kunden, der vor der Tür steht. Was für verrückte Zeiten...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare