Neustart am Linscheid

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Shahin Arabo an seinem Computer im Büro des Abwasserwerkes. Er pflegt Datenbestände ein.

Altena - Er kommt als Ergänzung in ein kleines Team: Seit Montag absolviert Shahin Arabo ein Praktikum beim Abwasserwerk der Stadt.

Das ist in zweierlei Hinsicht nicht ganz selbstverständlich. Zum einen, erläutert Stadtwerke-Chef Marc Bunse, sei es eher schwierig, in einem so kleinen Kreis von Mitarbeitern Praktikanten zu beschäftigen und einzuarbeiten. Zum anderen: Shahin Arabo ist ein Kriegsflüchtling. Er kommt aus Aleppo und gelangte – zunächst allein – über die Balkanroute nach Deutschland. Seine Frau und sein Sohn blieben zunächst in der Türkei und kamen erst kürzlich nach. „Die Balkanroute war viel zu gefährlich“, schildert Bunse das Geschehene für seinen neuen Mitarbeiter, dem die deutsche Sprache noch schwerfällt. Ganz anders ist das mit der Mitwirkung im Büro des Abwasserwerkes, das sich Arabo mit Dipl.-Ing. Jörg Michutta teilt. Der 32-jährige Syrer bringt Kenntnisse mit, die für seine Tätigkeit dort wichtig sind.

Sein Studium hat er an der Universität von Aleppo im Bereich des Umweltingenieurwesens mit dem Bachelor-Grad erfolgreich abgeschlossen. Danach folgten drei Jahre bei den Vereinten Nationen (UN) im „International Rescue Committee“, wo Arabo im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei für die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung zuständig war.

Seit rund eineinhalb Jahren lebt der 32-Jährige jetzt in Deutschland und die meiste Zeit davon in Altena. Der Syrer möchte gerne hierbleiben und ist zwischenzeitlich als Flüchtling anerkannt. Er hat mittlerweile die Euroschule am Knerling besucht und spricht Arabisch als Muttersprache sowie Englisch – und lernt gerade Deutsch.

Im Abwasserwerk absolviert der Umweltingenieur nun dreimonatiges Praktikum mit einer Verlängerungsoption auf ein Jahr. Seine Aktivitätsfelder bestehen derzeit aus der Datenbestandspflege, sollen aber nach der Einführungsphase auf die Projektierung von Kleinmaßnahmen in der Kanalunterhaltung ausgeweitet werden. „Dadurch bereichert Herr Arabo das Abwasserwerk mit hochwertigen Ingenieurwissen und entwickelt gleichzeitig seine Fach- und Sprachkenntnisse“, befindet der Stadtwerke-Geschäftsführer - „eine echte Win-win-Situation“ sei das.

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