SGV-Ehrenmal: Sanierung gestartet

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Fuge für Fuge werden die Steine des Ehrenmals auf dem Kohlberg saniert. Bis zu 20 Zentimeter tief sind die Hohlräume, die beim Ausstemmen und Säubern entstanden sind.

Altena – Die Arbeiten laufen auf Hochtouren: Nicht nur neue Fugen bekommt das SGV-Ehrenmal auf dem Kohlberg.

Das SGV-Ehrenmal für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Mitglieder des Wandervereins ist buchstäblich in die Jahre gekommen und bedarf einer Sanierung. 

Das ist seit Jahren bekannt, aber die Umsetzung benötigte viel zeitlichen Vorlauf. Jetzt aber laufen die Arbeiten. 

Schon beim Kohlbergtreffen 2017 hatte der damalige SGV-Vorsitzende und Altenaer Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein darauf aufmerksam gemacht, dass das Denkmal stark altert. 

80 Prozent der Fugen kaputt

Es sollte sich herausstellen, „dass 80 Prozent der Fugen kaputt sind“, wie SGV-Geschäftsführer Christian Schmidt zusammenfasst. In Abstimmung mit der Denkmalbehörde wurdenPläne für die Sanierung entwickelt. 

Sichtbar wurde die Renovierung erstmals durch die Einrüstung des Bauwerks samt Reinigung der Steine. Mit einem Hochdruckreiniger entfernten Mitarbeiter der Firma Schönherr Staub und Schmutz, der sich über die Jahrzehnte auf dem Mahnmal abgesetzt hatte.

Dann legten die Mitarbeiter sogenannte Musterflächen an, um deutlich zu machen, wie das Denkmal nach der Sanierung aussehen würde. Kriterien waren die Zusammensetzung des Mörtels, die Technik und die Farbe des Materials, erläutert der städtische Denkmalschutzbeauftragte Jürgen Wagner, der die Bemusterung übernommen hat. 

Der Mörtel macht's

Die Wahl fiel auf ein Muster, das aus einem Grund überzeugte: „Es soll ja alles so werden, wie es war.“ Es handelt sich bei dem Mörtel um eine Baustellenmischung aus zwei Fertigprodukten. Auf den musste das Team warten.

Der Mörtel ist entscheidend: „Es geht dabei um die Körnungsstärke“, erklärt René Hagen, der mit Björn Anton daran arbeitet, dem Bauwerk zu neuer, denkmalgerechter Schönheit zu verhelfen. 

Beim Ausstemmen der 80 Jahre alten Fugen und dem Ausblasen mit Druckluft sind zwischen den Steinen Hohlräume von bis zu 20 Zentimetern Tiefe entstanden. „Die Steine aber sind sehr schön“, befindet Hagen. Einzelne haben die beiden Handwerker herausgelöst. Sie werden später fachmännisch wieder eingesetzt. 

Kosten: rund 60.000 Euro

Was ebenfalls erneuert werden muss, ist der Rundbogen über der Tür zum Innenhof des Ehrenmals. Für die Arbeiten rechnet der Gebirgsverein mit Gesamtkosten von rund 60 000 Euro. 

Die äußeren Bedingungen der Sanierungsarbeiten sind nicht alltäglich: „Man hat hier ja weder Strom noch Wasser“, erklärt René Hagen, „also müssen wir alles mitbringen“. 

Auf dem Pritschenwagen der Firma Schönher befindet sich deshalb neben einem Wassertank auch ein Generator. 

Die Geschichte des Ehrenmals beginnt im März 1938 mit einer Sitzung des SGV-Vorstandes, in der Zeit des Nationalsozialismus Führerrat genannt. Die Kosten für den Bau werden auf bis zu 18 000 Reichsmark veranschlagt. 

Bekannte Gestalter am Werk

Die Grundsteinlegung war nach Angaben aus dem Stadtarchiv am 9. Juli 1938, die Einweihung als „Waldweihestätte“ am 9. Oktober 1938. 

Die Ausführung übernahm Bauunternehmer Paul Ricker aus Dahle. Der SGV hatte sich zur Umsetzung zwei durchaus bekannte Namen ins Boot geholt, nämlich den Bildhauer Willy Meller aus Köln und den Architekten Josef Wentzler aus Dortmund. 

Beide standen in Verbindung mit den Nazis. Wentzler zeichnete nach Angaben von Wikipedia verantwortlich für Projekte, die in die Architekturgeschichte eingingen, wie etwa die Neugestaltung der Friedrichstraße in Berlin. 

1929 erzielte er internationale Aufmerksamkeit, als das Büro beim Wettbewerb für die Stadterweiterung von Santo Domingo und das Kolumbus-Leuchtturm-Ehrenmal als einziger deutscher Teilnehmer von der Panamerikanischen Union zum engeren Wettbewerb eingeladen wurde. 

Für Olympiastadion in Berlin mitgearbeitet

Zu seinen Entwürfen zählte auch die Deutschlandhalle für die Olympischen Spiele in Berlin 1936. 

Willy Meller ist im heimischen Raum kein Unbekannter. Von ihm stammt die Plastik „Erwachender“, die 1935 in Lüdenscheid übergeben wurde. Bekanntheit erlangte der Bildhauer durch seine Arbeiten mit dem Architekten Clemens Klotz, unter anderem für das Olympiastadion Berlin

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