Vereine im Fokus der Täter

Sexuelle Gewalt an Kindern in Sportvereinen: Übergriffe oft in der Grauzone

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Sexuelle Gewalt erleben Kinder auch in Sportvereinen.

Altena –Sexuelle Gewalt, die Kinder durch Vertrauenspersonen im Sportverein erleben, gibt es auch in der Region. Da ist sich der Landessportbund sicher. Vereine sind bei Tätern beliebt - aus zwei Gründen.

„Die Einschläge kommen immer näher“, sagt Stefan Kipp. Der Beauftragte des Landessportbunds referierte bei der Jahreshauptversammlung des Stadtsportverbandes Altena über „sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen im Sport“ – und hatte damit ein sensibles Thema auf der Agenda. 

Er wollte wachrütteln, Sportler und Funktionäre sensibilisieren. Denn sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern ist ihm zufolge nicht nur ein Problem in großen Städten. „Auch im Sauerland werden Sie Fälle finden.“ 

"Stinkstiefel" hat große Auswahl an Kindern und Jugendlichen

Und Kipp warnte: „Als Sportvereine stehen wir im Fokus der Täterinnen und Täter.“ Die Erklärung sei einfach: In einem Sportverein habe der „Stinkstiefel“ – diese Bezeichnung wählte er im Verlauf seines 20-minütigen Vortrags immer wieder – eine große Auswahl an Kindern und Jugendlichen. Zudem werde durch den regelmäßigen Kontakt zwischen Trainer und Kind eine Vertrauensbasis aufgebaut. 

Die sexualisierte Gewalt unterteilt sich nach Aussage des Experten in einen strafrechtlich relevanten Bereich und eine Grauzone, in der es um Grenzverletzungen gehe. Gerade letzter Punkt zeige sich schon in verbalen Äußerungen. „Wer am Sonntag auf einem Sportplatz unterwegs ist, könnte denken, dass ‚Ey, du schwule Sau’ eine Standardbegrüßung im Fußball ist.“ Dort hier beginne die Grauzone bereits.

Erschreckende Zahlen 

Die Frage: „Wie gehen wir mit unserem Sprachgebrauch um, und welche Rolle nimmt der Trainer als Vorbild ein?“ Auch mit den Opfern sexualisierter Gewalt beschäftigte sich Kipp intensiv. 

Laut einer Statistik des Ministeriums für Soziales ist jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder neunte bis zwölfte Junge betroffen. Für einen Verein mit 1000 Mitgliedern bedeutet dies, dass rund 100 Personen mit sexualisierter Gewalt in Berührung kommen, die der Staat unter Strafe stellt. Kipps Fazit: „Das finde ich hammerhart.“

Täter sind nah dran am Alter der Opfer 

Und wer sind die Täter? Ein Drittel aller Taten würden von männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren verübt. Dies bedeute nichts anderes, als dass die Täter „relativ dicht dran sind an dem Alter der Opfer“. 

Für den Beauftragten des Landessportbunds ist auch klar: Den „Zufallsmissbrauch“ gibt es nicht. „In der Regel reden wir immer von geplanten Taten, die im sozialen Nahbereich des Kindes stattfinden.“ 

Das können Vereine tun, um Taten zu verhindern

Die Vertreter der Altenaer Sportvereine interessierte auch, was jeder von ihnen tun kann, damit es keine sexualisierte Gewalt im Verein gibt. Die Antwort: „eine Menge“. Der Landessportbund hat einen Handlungsleitfaden zusammengestellt, der neun Punkte umfasst. Zwei Punkte stellte Stefan Kipp als besonders wichtig heraus. Der wohl anstrengendste Teil umfasse das Beschwerdemanagement innerhalb des Vereins. Hier gelte es eine Person zu finden, die im Falle eines Missbrauchs als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung steht. 

Noch wichtiger sei der Aspekt, der die Regeln des Umgangs miteinander umfasst. Würde zum Beispiel die Mitgliederversammlung beschließen, einen Beauftragten für den Jugendschutz einzusetzen, hätte dies eine Wirkung nach innen und außen. 

In seinen Vortrag hatte Kipp eine Menge an Informationen gepackt. Diese Infos ergänzte Klaus Peter Trappe, Vorsitzender des Stadtsportverbands, um einen persönlichen Wunsch: „Dies ist hoffentlich der erste Schritt, um eine Kultur der Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und des Hinsehens zu entwickeln."

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