Am Samstag war Weihnachten

Die Kinder freuten sich natürlich besonders am Samstag: Ihre Freunde aus protestantischen und katholischen Kirchengemeinden hatten schließlich bereits zwei Wochen vor ihnen Bescherung. Serbisch-Orthodoxe Christen müssen sich etwas gedulden. - Fotos: Hornemann

Altena - Kinder mit hochroten Wangen verfolgten am Samstag den Gottesdienst in der Serbisch-Orthodoxen Kirchengemeinde am Tiergarten. Nachdem Pfarrer Mico Stojcic die Messe gelesen hatte, gab es für sie endlich die Weihnachtsgeschenke. Die Gemeinde richtet sich nach dem julianischen Kalender, weshalb Weihnachten und Neujahr ein paar Tage später gefeiert werden.

Zahlreiche Christen aus dem Märkischen Kreis, dem Hochsauerlandkreis, Hagen und Olpe waren nach Altena gereist, um die Geburt Jesu zu feiern. „Unserer Gemeinde gehören 500 bis 600 Familien an“, berichtete Alexander Andjelkovic aus dem Gemeindevorstand. Der hat sich 2013 neu aufgestellt und besteht aus vielen jüngeren Mitgliedern. Im Sprengel ist auch eine Kirche in Hagen, die Mico Stojcic ebenfalls pfarramtlich betreut.

Serbisch-Orthodoxe Gottesdienste werden ein wenig anders gefeiert, als es in protestantischen und katholischen Kirchengemeinden üblich ist: Welch große Rolle die Ikonografie spielt, ist dem Gotteshaus am Tiergarten deutlich anzusehen. Die Heiligenabbildungen werden geküsst, im gleichen Zug wird einer von mehreren Opferstöcken befüllt.

Unzählige Kerzen werden in einem eigens für die Gemeinde geschmiedeten Doppelkreuz angezündet. Oft sind es so viele, dass noch während der Messe die abgebrannten Wachslichter aus dem mit Sand und Wasser befüllten Bassin entfernt werden müssen.

Nach der Messe mit Lesungen und liturgischen Gesängen folgt der Höhepunkt: Die Gemeinde tritt nach draußen, um den Weihnachtsbaum zu verbrennen. Das ist aber kein Nadel-, sondern ein Laubbaum. In das Feuer werden auch Zweigbündel aus dem Vorjahr geworfen. Neue Gebinde nehmen die Gemeindemitglieder an Weihnachten mit nach Hause und bewahren sie für ein Jahr auf.

Viele Gemeindemitglieder gönnen sich nach diesem Brauch einen kleinen Schluck Sliwowitz, wünschen sich ein frohes Fest und freuen sich am Abend auf ein Festessen im Kreise der Familie. In der Serbisch-Orthodoxen Kirche ist es üblich, sechs Wochen vor Weihnachten zu fasten und auch auf Milchprodukte zu verzichten. Unbeschwert genießen können die Gemeindemitglieder deshalb am nächsten Samstag auch ihr Neujahrsfest im Haus Lennestein mit gutem Essen, Musik und Tanz.

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