Seniorenverein „stirbt langsam aus“

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Elisabeth Legutke, Diakon Heinz-Georg Voss, Rosemarie Ott und Else Rosinski: Der „Rest“ vom Jungbrunnen-Verein.

Altena - Regelmäßig, alle 14 Tage, treffen sich Elisabeth Legutke (84), Rosemarie Ott (75) und Else Rosinski (72) bei Diakon Heinz-Georg Voss. Die vier sind die letzten „Aufrechten“ des ehemals zahlenmäßig starken Seniorenvereins „Jungbrunnen“ der aufgegebenen St. Thomas-Morus-Gemeinde im Mühlendorf.

„Wir sterben langsam aus“, sagt Elisabeth Legutke und nippt an ihrer Kaffeekasse. „Heute hat Rosemarie den Kuchen mitgebracht“, sagt die Frau, vor der gut sichtbar ein Rosen-Wimpel mit der Aufschrift „Jungbrunnen“ steht. „Ja, das war unser offizielle Vereinsname“, kommen die Damen ins Plaudern.

Rückblende: Als es noch die katholische Gemeinde Thomas-Morus gab, wurde hier eine Altenstube betrieben. „Da war immer etwas los“, erzählt das Damentrio und Diakon Heinz-Georg Voss wohnte nur einen Steinwurf weit vom Gotteshaus entfernt an der Friedhofstraße. Als die Gemeinde die Kirche im Jahr 2005 aufgab, hatte sich die Altenstube schon längst in „Jungbrunnen“ umbenannt. Regelmäßig seien damals „40, 50 Frauen und Männer gekommen. Es hat einfach Spaß gemacht.“ Voss wohnte noch bis 2009 im Mühlendorf und in seinem Wohnzimmer traf sich dann der Rest des Jungbrunnen-Vereins. Als er ins Pfarrhaus von St. Theresia, Evingsen, umzog, bot er an, diese Tradition fortzusetzen. „Wir fanden das toll und kommen seitdem hier regelmäßig zusammen.“ So wie Mittwoch, wo sie alle fröhlich um den liebevoll gedeckten Tisch sitzen. Es brennt eine Kerze und Voss hat auch frischen Blumen aufgestellt.

„Werbung für den Jungbrunnen machen wir natürlich nicht mehr. Wir sterben aus. Doch wir haben uns immer noch etwas zu sagen“, sagt der Gastgeber. Und so freuen sich die Frauen, aber auch der 61-jährige Diakon selbst, auf die regelmäßigen Treffen. „Wir reden über Gott und die Welt. Wir albern, wir sind aber auch an ernsthaften Gesprächen interessiert.“ Beschlossen wird das Treffen stets mit einer Andacht. Weil einige der Damen nicht mehr so gut zu Fuß sind, holt sie Voss oder eine Helferin sogar zum Jungbrunnen-Treffen ab. Kuchen oder Plätzchen gibt es übrigens immer zu kosten. Und zwei Mal im Jahr bekocht Diakon Voss den „Rest vom Seniorenverein.“ Zu Weihnachten verwöhne er sie immer mit einem Festmahl „und in der Fastenzeit gibt’s Knollen mit Heringstipp“, sagt Else Rosinski.

Alle vier Frauen möchten den „vertrauten Kreis“ nicht missen. „Unsere Treffen sind stets ohne Thema, ohne Zwang, aber der Gesprächsstoff geht uns nicht aus.“ Voss: „Manchmal denke ich, man müsste ein Tonband mitlaufen lassen. Es gibt so viele Dönekes, die es wert wären, erhalten oder überliefert zu bleiben.“ Und Elisabeth, Else und Rosemarie nicken zustimmend. „Wir kommen so lange zusammen, wie es geht. Es ist einfach für uns alle ein schöner Termin.“

Von Johannes Bonnekoh

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