Nach mehreren Jahren Leerstand

Berühmte Villa im MK hat neue Besitzer 

Die Selve-Villa an der Lüdenscheider Straße in Altena bietet über 1000 Quadratmeter Wohnfläche. Sie hat jetzt neue Besitzer.
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Die Villa bietet über 1000 Quadratmeter Wohnfläche. Sie hat jetzt neue Besitzer.

Mehrere Jahre stand sie leer, nun gibt es neue Besitzer für eine bekannte Villa im MK, bekannt auch als „Alpenburg“. Die ersten Mieter sindschon eingezogen.

Altena – Hauptsache alt und mit viel Ambiente: Patryk Wieclawski und Angelo Kaskowi besitzen bereits mehrere Altbauten. So prächtig wie der, den sie jetzt in Altena erwarben, ist aber keiner: Die beiden sind die neuen Eigentümer des Selve-Palais. „Ein Traum“, schwärmt Wieclawski, der das Gebäude schon lange kennt. Er wuchs in Neuenrade auf und besuchte in Altena die höhere Handelsschule.„In der Zeit bin ich täglich hier vorbeigefahren. Ich fand das Gebäude damals schon toll“, sagte er.

Vor über zwei Jahren bekamen die beiden mit, dass die auch als Alpenburg bekannte Villa zum Verkauf steht. Schon nach der ersten Besichtigung sei für sie klar gewesen, dass die das Haus kaufen wollen. Dann allerdings wurde es zäh: Zwei Jahre lang hätten sie mit verschiedenen Banken verhandelt, bis die Finanzierung endlich gestanden habe, berichten sie – „und das trotz guter Bonität und Sicherheiten“, wie Kaskowi betont. „Das Problem ist, dass die Banken Altena totreden“, fährt er fort. Selbst die ortsansässige Sparkasse habe nicht geglaubt, dass der Plan der beiden aufgeht.

Banken glauben nicht an geplante Mietpreise

Der lautet: Das Gebäude in sechs Wohnungen aufteilen und die vermieten – zu Preisen von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter. Eine solche Miete sei in Altena nicht zu erzielen, hätten die Banken gesagt, berichten die beiden und freuen sich, dass die Skeptiker unrecht hatten: Bis auf eine sind bereits alle Wohnungen vergeben, teilweise werden sie auch gewerblich genutzt. Eine Versicherungsagentin wird einziehen und ein Gold- und Teppichankauf. „Der suchte für sein Geschäft repräsentative Räume“, weiß Wieclawski.

Die neuen Besitzer der Selve-Villa in Altena: Patryk Wieclawski (r.) und Angelo Kaskowi.

Seit Juni gehört den beiden das Haus, inzwischen sind die ersten Mieter schon eingezogen – und das, obwohl Teile des Gebäudes noch Baustelle sind. Der Renovierungsaufwand hält sich allerdings in Grenzen: Der Vorbesitzer, die auf Immobilien-Investments spezialisierte SIP-Group, hat das Gebäude sehr aufwendig saniert, modernisiert und dabei nicht gespart.

Flut: Mit blauem Auge davon gekommen

So wurde damals in den Räumen, in die die beiden Hausbesitzer selber einziehen werden, ein Massivholzparkett im Fischgrätmuster verlegt. Reine Handarbeit, die ihren Preis gehabt haben wird und die den repräsentativen Charakter des Hauses unterstreicht. Auch die Gebäudetechnik sei auf dem neuesten Stand, berichten die beiden.

„Wir waren gerade hier eingezogen, da kam die Hochwasserkatstrophe“, blickt Wieclawski auf den 14. Juli zurück. Den beiden gelang es gerade eben noch, ihre im Keller untergestellten Möbel zu retten, dann schoss das Wasser den Steilhang hinter dem Haus hinab – „wie ein Wasserfall“, berichtet Wieclawski.

Die beiden kamen mit einem blauen Auge davon: Nur Keller und Garagen wurden überschwemmt, aber nicht die Wohnräume. Nicht nur das Parkett wäre hin gewesen. Trotzdem waren die beiden ein paar Tage lang damit beschäftigt, Schlamm aus dem Gebäude zu schaufeln.

Mietpreise: „Altena verkauft sich unter Wert“

Die erste Mieterin war zu diesem Zeitpunkt schon eingezogen, die übrigen Wohnungen werden in den nächsten Wochen bezogen. Mit ihren düsteren Prognosen hätten die Banken also völlig daneben gelegen, meinen die beiden. Als sie die Wohnungen im Internet annoncierten, meldeten sich etliche Interessenten.

„Wir konnten uns aussuchen, an wen wir vermieten wollten“, sagen die beiden und ahnen: „Bei uns bekommt man für das Geld, das man in Hagen, Lüdenscheid oder Dortmund für eine ganz normale Wohnung bezahlt, eine viel größere und stilvollere.“ Vermietet wurde übrigens an Menschen von außerhalb, meist aus größeren Städten. Je teurer dort der Wohnraum werde, desto mehr Menschen würden in bezahlbare Städte wie die Burgstadt ausweichen, meint Kaskowi und bedauert in diesem Zusammenhang nur eins: „Altena verkauft sich deutlich unter Wert.“

Selve-Villa: Wechselvolle Geschichte

Eigentlich gut für sie: So konnten sie sich das leisten, was sie als „Lebenstraum“ bezeichnen. Gerade wird die riesige Terrasse vor ihrer zukünftigen Wohnung hergerichtet. Sie bietet Burg-Blick: Vor allem nachts, wenn die Feste beleuchtet ist, ein traumhafter Anblick, schwärmen die beiden.

Die Selve-Villa ist ein Haus mit wechselvoller Geschichte: Im Kern stand das Gebäude schon, als der bedeutende Unternehmer Gustav Selve die Alpenburg 1874 mit seiner Familie bezog und sie deutlich erweiterte. Die „Villa Alpenburg“ war eines der ersten Altenaer Häuser, in denen es Strom gab. Selve hatte dazu eine Stromleitung von seinem Werk am Hünengraben zu seinem Wohnhaus legen lassen.

Bürgerprotest: Selve zieht weg

Das führte zu so starken Protesten in der Bevölkerung, dass der Unternehmer sich 1896 dazu entschloss, seinen Wohnsitz nach Bad Honnef zu verlegen. Die Alpenburg blieb trotzdem im Besitz der Familie Selve und wurde zunächst als Wohnraum genutzt. Später war dort ein Lazarett untergebracht.

2004 erwarb die auf Immobilien-Investments spezialisierte SIP-Group das Gebäude und sanierte es aufwändig, um es als Firmensitz zu nutzen. Das blieb es bis etwa 2011, seitdem wurde mal mehr, mal weniger offensiv die Vermarktung des Gebäudes oder einzelner Wohnungen betrieben.

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