Von der Wählscheibe in die Influencer-Szene

Schülersprecher Daniel Schulte führte ein Kurzinterview mit Thomas Selter, bevor der Unternehmer zum Thema sprach.

Altena  - Wenn Thomas Selter seinem Unternehmen Veränderung verweigert hätte, dann würden seine Mitarbeiter noch heute Telefone mit Wählscheiben und Schreibmaschinen benutzen. „Wir konnten uns vor 40 Jahren nicht vorstellen, eines Tages mit etwas anderem zu arbeiten.“ An diesem einfachen Beispiel machte Selter am Samstag Mut zum Change Management am Burggymnasium. Er war der Referent des diesjährigen B.trifft-Dinners.

Drei Umzüge seines Unternehmens hat Thomas Selter aktiv begleitet und immer hat er geglaubt, dass der Platz nun bestimmt bis zur Rente ausreiche. „Es gab auch Zeiten, in denen wir glaubten, mit Stricknadeln überleben zu können. Auch das war ein Irrtum, als der Markt dafür in den 80er Jahren einbrach. Wir mussten uns verändern, das hat uns gerettet.“ Wahrscheinlich hat nur der Mut, auch Kunststoffprodukte, Werbeartikel und Werkzeuge zu produzieren, Selter zum Weltmarktführer in Sachen Stricknadeln gemacht.

Heute macht die Firma in Dahle nichts anderes mehr. Der technische Fortschritt hatte in jüngerer Zeit sogar die Schreibkraft überflüssig gemacht im Unternehmen. Die Frau ließ sich kurzerhand zur Social Media Managerin ausbilden, drang in die internationale Strick-Bloggerszene ein und empfing im September die wichtigsten Influencer (Einflussnehmer) in Dahle. Die Online-Handarbeiter machten das neuste Produkt des Betriebs innerhalb von 14 Tagen so populär, dass das Team Selter der Nachfrage aktuell kaum Herr wird. „Um mit einer Nadel so eine Flughöhe zu erreichen, bedurfte es früher noch mindestens zwei Jahre. Und ganz ehrlich: Mit Social Media hatte ich noch bis vor Kurzem überhaupt nichts am Hut.“

Selter hat sich überzeugen lassen, musste aber auch viele Male sein Team selbst mit auf den Weg nehmen. Zwei Jahre hatte er mit Engelszunge auf seine Leute eingeredet, um die neuen Abläufe in der Produktion in ihren Köpfen zu verinnerlichen. „Auch die Kollegen fanden die Veränderungen nicht immer gut. Aber die Erfahrung hat gezeigt: Sie mussten sein.“

Das Unternehmen Selter stellte sich zumeist aus der Not heraus um. „Andere Firmen wie Erco in Lüdenscheid tun das auf einer Erfolgswelle. Und auch das ist großartig.“

Hätten Unternehmen wie der Computerhersteller Comodore, die Handy- und Fernseherproduzenten von Nokia und Grundig sich nicht auf ihrem Zenit ausgeruht und in zukunftsweisende Techniken investiert, würde es diese Firmen heute noch geben, glaubt Selter. „Für sie lief es super und die Manager dachten, das würde ewig so weiter gehen.“

Den 46 Schülern, die am Samstag mit 43 Vertretern aus verschiedenen Sparten der heimischen Wirtschaft speisten, riet Selter folgendes: „Suchen Sie nach dem, was Ihre Generation in zehn Jahren braucht. Sagen Sie nicht immer B, wenn sie soeben A gesagt haben. Denn manchmal ist der richtige Buchstabe nach dem A das Y.“

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