Selbstversuch zum Fahrvermögen: Geht's denn noch?

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Kritischer Beifahrer für AK-Redakteur Thomas Bender: Fahrlehrer Gerald Ohloff.

ALTENA ▪ Machen wir uns nichts vor: Mit 52 ist der Lack ab, jedenfalls ein bisschen. Dass Reaktionsvermögen und Sehkraft mit Beginn der zweiten Lebenshälfte nachlassen, ist wissenschaftlich erwiesen. Zwar wird das zumindest zum Teil durch Erfahrung sublimiert – trotzdem kann’s nicht schaden, gelegentlich zu hinterfragen, wie es mit dem Fahrvermögen so aussieht.

Von Thomas Bender

Auf also zum Pragpaul – dort bietet der MSC Altena jedermann die Möglichkeit, sich auf dem Geschicklichkeitsparcours selbst zu testen. Zuvor allerdings geht’s zur Verkehrswacht, wo Fritz Kerper mir beim Sehtest schon schlechte Noten gibt. Ich schieb’s aufs Testgerät, immerhin kann ich von der Sauerlandhalle aus die Dachfenster von Häusern am Knerling klar sehen. Anschließend bittet Dieter Richter zum Reaktionstest – 0,32 Sekunden Reaktionszeit bedeuten, dass bei Tempo 50 das Auto gut vier Meter fährt, bevor ich überhaupt zu bremsen beginne. Nach knapp 16 Metern stünde der Wagen – ein durchaus akzeptabler Wert.

Jetzt beginnt das Warten: Vor mir sind mehrere ältere Fahrer an der Reihe, die sich meist mit viel Bedacht durch den vom MSC-Verkehrsreferenten Heinz Wagner und seinem Team aufgebauten Parcours tasten. Da wird eher zu früh vor einer Barriere angehalten als zu spät, scheppern tut’s meist nur dann, wenn der Beifahrer – entweder ein erfahrenes MSC-Mitglied oder Fahrlehrer Gerald Ohloff – „da geht noch was“ signalisieren.

Jetzt ich: Ohloff nimmt auf dem Beifahrersitz Platz, kontrolliert Sitzhaltung und Spiegeleinstellung. Beides habe ich vorher schon heimlich optimiert, weiß ich doch ganz genau, dass meine Laissez fair-Haltung hinterm Lenkrad nicht das Optimum ist. Korrekt geht ‘s auch und sogar gar nicht so schlecht. Ich sollte mir das vielleicht dauerhaft angewöhnen.

Der Parcours bestätigt das, was ich schon ahnte: Rückwärts habe ich mein Auto besser im Griff als vorwärts. „Das sind bestimmt 40 Zentimeter“ schätzt Ohloff, als ich vorwärts so dicht wie möglich vor ein Absperrgitter fahren soll. Gleiche Übung rückwärts: „Da hätte ich jetzt aber auch angehalten....“

Auch das Einparken rückwärts klappt gut – die engen Firmen-Parkplätze des AK sind da sicher eine gute Übung. Eine Rückwärts-Fahrt durch eine schmale Gasse folgt und dann ein kleiner Slalom – bei der Fahrt durch die Pylonen merkt man schon, dass mein französisches Dickschiff einen unterirdischen Wendekreis hat. Immerhin, sie bleiben stehen.

Heinz Wagner, erfahrener Turnierfahrer, beäugt kritisch, was ich so tue – bei der letzten Übung ist er richtig unzufrieden. Es geht um eine Haltelinie, an der ich so stoppen soll, dass die Stoßstange genau darüber schwebt - schwierig, weil der Strich schon vier Meter vorher aus meiner Sicht verschwindet. Drei Anläufe ändern nichts daran, dass ich mal nicht weit genug fahre oder auch zu weit, da helfen alle Tipps von Wagner nichts. Trotzdem bin ich mit mir zufrieden und Ohloff auch – es gebe nichts zu meckern, meint der und schreibt lauter Einsen auf meinen Laufzettel, den ich anschließend bei der Turnierleitung abgeben muss. Einzubilden brauche ich mir nichts darauf, auch die meisten anderen Teilnehmer – durch die Bank deutlich älter als ich – kommen mit dem Parcours gut klar.

Etwa 50 Senioren nahmen gestern an der zweiten Veranstaltung dieser Art in Altena teil. Es handelt sich dabei um ein landesweites Pilotprojekt, das der MSC zusammen mit der Polizei im vergangenen Jahr ersonnen hatte, weil 2010 die Zahl der von älteren Autofahrern verursachten Unfälle stark angestiegen war.

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