Wo selbst die Kellertür eine Geschichte hat

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Das Treppenhaus aus Eichenholz entstand um das Jahr 1680 und ist die Arbeit eines versierten Schreiners. ▪

ALTENA ▪ Eine Kellertür aus dem Barock mit handgeschmiedeten Türbändern hat nicht jeder. Karsten Wolfewicz kann sich jeden Tag an dem speziellen Anblick freuen. Als Hausmeister der Burg Holtzbrinck ist er von geschichtsträchtigen Mauern und historischem Inventar umgeben. In das Doppel-Tonnengewölbe mit der besonderen Kellertür gelangt man über eine ungewöhnlich steile Steintreppe. In der Decke stecken uralte Haken. „Manche glauben da an einen Folterkeller“, erzählt Wolfewizc – aber die Erklärung ist viel banaler. Von Thomas Keim

„Hier wurden die Schinken aufgehängt.“ In der Luft baumelnd, waren sie gut vor allerhand Nagetieren geschützt. Geräuchert wurde im Haus, auf dem Dachboden. Noch heute zeigen rauchgeschwärzte Balken die Lage der einstigen Räucherkammer genau an.

Im Gewölbekeller sieht der gelernte Denkmalberater Wolfewizc auch den ältesten Teil der historischen Immobilie. Er dürfte vom so genannten Eller‘schen Haus stammen und damit auf das 16. Jahrhundert datieren. Das Doppelgewölbe zeichne damit wohl den Grundriss des eigentlich Gebäudekerns nach. Den Boden bedecken akkurat verlegte Steinplatten.

Dass die Kellertür einmal anderen Zwecken diente, lassen nicht nur die Beschläge und der teilweise abhanden gekommene Zierrat vermuten, es gibt ein noch deutlicheres Indiz: einen ringförmigen Klopfer von etwa fünfzehn Zentimetern Durchmesser. „Das war mal eine Eingangstür“, ist Wolfewicz sicher. Zu erkennen ist auch, dass die Tür früher einmal auf der anderen Seite angeschlagen war – hier gibt es auch noch ein Schlüsselloch. Zugegeben: Der Keller ist etwas für Menschen, die mit geschichtsinteressierten Augen sehen. Beim Anblick des Treppenhauses vom Erd- ins Obergeschoss aber ändert sich der Eindruck schnell, hier blitzt alte Pracht auf, und nicht zu knapp. Eine Treppenanlage aus Eichenholz, ein prachtvoller Kronleuchter und eine Spiegelgarderobe zählen zu den Besonderheiten, die Wolfewicz fachmännisch als „in-situ-Kleinodien“ beschreibt. Sie gehören zum Haus, waren immer schon da.

Den Leuchter entdeckte der Hausmeister auf dem Dachboden. „Der wiegt bestimmt 100 Kilogramm – wir haben drei Leute gebraucht, um ihn aufzuhängen.“ Wolfewicz glaubt, in dem Leuchter einen Abguss eines Leuchters aus dem russischen Zarenpalast zu erkennen.

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