Seit sechs Jahren ist das „vorübergehend“

Mittlerweile ist auf dem Grundstück ein riesiger Bauschutt-Berg entstanden.

ALTENA ▪ „Das ist vorübergehend“, beruhigte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein besorgte Anwohner der Brachtenbeck – auf keinen Fall sei geplant, in der Brachtenbeck eine Art Bauschuttdeponie zu errichten. Das war 2004, ist also sechs Jahre her. Geändert hat sich trotzdem nichts. Im Gegenteil: Zur Zeit türmt sich der Schutt auf einem brachliegenden Grundstück im Gewerbegebiet so hoch wie nie zuvor. Das bei der Sanierung der Bundesstraße angefallene Alt-Material wird dort abgekippt, hunderte von Lkw lieferten es an.

Und wieder heißt es: nur vorübergehend. „Das ist Wertstoff“, betont der Nachrodter Unternehmer Siegmund Müller, der in der Brachtenbeck abkippen lässt. Sämtliche Materialien würden bald abgefahren und wiederverwendet. Aus dem abgefrästen Asphalt kann neuer gemacht werden. Bordsteine und andere Betonteile werden klein gebrochen und können zum Beispiel für die bevorstehende Herrichtung des Güterbahnhofgeländes verwendet werden. Die dafür erforderliche Anlage hat Müller in diesen Tagen wieder in die Brachtenbeck gebracht, den Nachbarn stehen einmal mehr unruhige Wochen bevor – die Maschine ist sehr laut.

Sechs bis zehn Euro pro Tonne zahle er, damit er das Material in die Brachtenbeck bringen dürfe, berichtete gestern einer der an der B 236 tätigen Fuhrunternehmer – Geld, das an Müller geht. Der wiederum nutzt kostenfrei zwei Grundstücke, die ihm gar nicht gehören. Der kleinere Teil der Fläche ist im Besitz der Stadt, den größeren Teil hält die Firma Wagener als Vorratsfläche für den Fall vor, dass es ihr am Hünengraben zu eng wird.

Wagener-Geschäftsführer Eckart Lüling zeigte sich gestern überrascht von der Anfrage nach den Vorgängen auf dem Grundstück. Wohl wisse er vage, dass dort gelegentlich Dinge gelagert würden. Von den jetzt erreichten Ausmaßen des „Zwischenlagers“ wusste er nichts. Müller führt das auf ein Kommunikationsproblem innerhalb der Firma Wagener zurück und betont, er habe seinerzeit eine klare Vereinbarung mit Lülings Vorgänger getroffen.

Völlig in Schweigen hüllte sich gestern die Stadtverwaltung. An sie geht die Frage, ob das Zwischenlagern und Aufbereiten tausender Tonnen von Bauschutt ohne Genehmigung überhaupt zulässig ist – dass er keine hat, gibt Müller offen zu. Ausschlaggebend sein dürfte hier auch der Bebauungsplan. Das kleine Gewerbegebiet am Ende der Brachtenbeck ist für Handwerksbetriebe und ähnliches, emissionsarmes Gewerbe gedacht. ▪ Ilka Kremer und Thomas Bender

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