Seit 70 und 50 Jahren dabei: Mitglieder schätzen das Miteinander

Eine Familie im Sinne Kolpings

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Karl Döring ist 88 Jahre alt und seit 70 Jahren Mitglied der Kolpingsfamilie.

Altena – Als Karl Döring (88) am 4. November 1949 der Kolpingsfamilie Altena beitrat, existierte diese bereits seit 1885. Und doch: Mit seinen 70 Jahren Vereins-Zugehörigkeit ist der ehemals selbstständige Transportunternehmer heute das älteste Mitglied der Gemeinschaft. Sie trug früher den Namen Gesellenverein, eine Anspielung auf den Gründer Adolph Kolping, der als wandernder Schustergeselle die Nöte und Sorgen der wandernden Gesellen im ausgehenden 19. Jahrhundert am eigenen Leib erfahren hatte, ehe er Priester wurde.

 Margret Funnemann, die heute in Nachrodt wohnt, war der Kolpingsfamilie durch ihren Mann und Freunde „auch schon sehr früh verbunden“. Und deshalb trat sie der Gemeinschaft vor 50 Jahren selbst bei. „Das war damals vielleicht noch außergewöhnlich, Frauen waren zwar bei vielen Veranstaltungen dabei und gerne gesehen, aber aktiv Mitglied zu werden, das war noch nicht so verbreitet“, erinnert sie sich. Döring und Funnemann sowie weitere langjährige Mitglieder erhielten kürzlich besondere Urkunden für ihre Treue zum Verein.

Döring sagt: „Ich habe Zeit meines Lebens die Gemeinschaft, das Familienhafte, sehr geschätzt. Wir hatten in den ersten Nachkriegsjahren großen Nachholbedarf an vielen Dingen. Da fühlte ich mich bei Kolping sehr wohl.“ Ähnlich empfindet es Margret Funnemann (71). Sie lernte ihren Ehemann Wolfgang, übrigens seit 59 Jahren eingeschriebenes Kolpingmitglied, „zwar nicht in der Kolpingsfamilie kennen und lieben, aber doch über die katholische Jugend. Da gab es viele Berührungspunkte zu Kolping.“

Irgendwann funkte es zwischen den beiden, irgendwann „haben wir auch gemeinsam zu Kolping gefunden und es genossen, Teil der Familie zu sein“. Funnemanns erst einmal in Nachrodt. Dort gab es den Verein „etwa bis zur Jahrtausendwende. Dann sind wir nach Altena gekommen“, erinnert sich die Frau, die heute Aktionen wie „Gemeinsam essen“ organisiert und für die Kolpingsfamilie am Herd steht.

„Wir haben oft Urlaub mit dem Kolpingwerk in Ferienhäusern quer durch Deutschland gemacht. Es sind viele lebenslange Freundschaften entstanden“, sagt Funnemann. Auch Döring hat viele Erinnerungen „an Freizeiten, an Diskussionsrunden oder Vortragsveranstaltungen, die mir stets etwas gegeben haben“. Für beide ist Kolping eine lebens- und familienbegleitende Gemeinschaft. „Der Ausdruck Kolpingfamilie trifft es wirklich“, sagt Döring. Und Funnemann fügt an: „Ich möchte die vielen Begegnungen, das Miteinander einfach nicht missen. Es war ein Gewinn für mich und meinen Mann, ja, für unsere ganze Familie.“

Heute sei vieles schwieriger, finden die beiden nachdenklich. „Es fehlt die Jugend“, sagt Karl Döring. „Wir werden als Gruppe und Gemeinschaft immer kleiner.“ Döring hat noch sein Aufnahmeheft aus dem Jahr 1949. Er wurde als 233 934 Mitglied aufgenommen. Der Altenaer erinnert sich noch gut an das persönliche Einkassieren des Beitrags bis Ende der 1960er Jahre. „Es kam pro Monat ein Vorstandsmitglied vorbei. Unvorstellbar heute, in Zeiten des Abbuchens.“ Auch die Unterstützungsmarken, die er zu Beginn der 1950er Jahre für den Wiederaufbau der Minoritenkirche kaufte, hat er noch.

„Die kosteten damals eine oder zwei Mark. Ich glaube, da ist eine erkleckliche Summe über die vielen Jahre für Kolping in Köln zusammen gekommen“, sagt er. Nach wie vor halten Döring und Funnemann die Kolpingsfamilie als soziales Netzwerk in einer sich ändernden Welt für unverzichtbar. „Ich hoffe, als Teil der Zivilgesellschaft gestalten und prägen Kolpingsfamilien noch lange das Gemeindebild und die Lebensverhältnisse der Menschen“, sagt Funnemann. Döring fügt an: „Ich kann mich immer noch mit dem Motto von Kolping , identifizieren: Verantwortlich leben, solidarisch handeln.“

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