von Seidlitz nicht begeistert von neuen Notdienst-Plänen

ALTENA  Burgstädter, die am Wochenende dringend einen Arzt aufsuchen müssen, werden ab dem kommenden Jahr möglicherweise längere Fahrten in Kauf nehmen müssen. Zum 1.

Februar 2011 soll die Reform des ärztlichen Notfalldienstes in Westfalen-Lippe in Kraft treten. Deshalb habe der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) nun die Standorte für die 63 geplanten Notfallpraxen festgelegt, heißt es in einer Mitteilung der KVWL. Altena allerdings ist in dieser Liste ebenso wenig vertreten wie die anderen Städte des Lennetals. So werden die nächstgelegenen Notfallpraxen in Lüdenscheid und Iserlohn eingerichtet. Altenaer werden sich somit auf Fahrzeiten von rund 20 Minuten und Fahrstrecken von rund 15 Kilometern einstellen müssen. Noch bedürfe die Reform allerdings der Zustimmung der Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, teilt die KVWL mit. Die Kammer tagt am 20. März.

Friedrich-Ernst von Seidlitz, Obmann der Ärzte in Altena, sieht diesen Plänen mit einer gewissen Skepsis entgegen. „Ich sehe da schon mögliche Probleme für die Versorgung vor Ort – zumindest für die Übergangszeit“, sagt der Arzt für Allgemeinmedizin. So müssten sich die Bürger dann erst einmal an die neue Situation gewöhnen. „Ein Vorteil ist aber, dass auch weiterhin Hausbesuche möglich sind – und vor allem, dass sich künftig zwei Ärzte getrennt um den Notfalldienst in der Praxis und die Hausbesuche kümmern können“, betont von Seidlitz. Bislang habe nämlich ein Arzt für beides sorgen müssen. Eine neue Regelung würde die Mediziner deutlich entlasten.

Die Pläne der KVWL sieht von Seidlitz als „Reaktion auf die Marktsituation“. Beruflich werde Ärzten immer mehr abverlangt, während die Bezahlung schlechter werde. So seien die Notdienste vor Ort bei den Ärzten nie sonderlich beliebt gewesen. „Das hat sich finanziell nicht gelohnt“, räumt er offen ein. „Man hat das vielmehr aufgrund seiner Verpflichtung gegenüber dem Patienten gemacht.“

Gleichwohl seien die Altenaer Ärzte in die neuen Pläne mit eingebunden. „Jeder soll dann im Schnitt ein- bis zweimal im Jahr Notdienst haben. Ob in Lüdenscheid oder Iserlohn – das hängt immer von der Zuordnung ab“, erklärt von Seidlitz. Mit Kritik an der möglichen Reform spart der Arzt jedenfalls nicht: „Die Politik möchte Großraumstrukturen anstelle von individuellen Lösungen im ländlichen Bereich.“ Eine Landkarte der KVWL zeigt dies: Während sich Notfallpraxen im Ruhrgebiet ballen, herrscht zwischen Siegen und Bad Berleburg oder Lippstadt und Paderborn gähnende Leere.

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