Aero-Club Altena-Hegenscheid bietet ständig Ausbildungsgänge an

Am seidenen Faden: Hobby Gleitschirmfliegen

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Zwei Profi-Fluglehrer helfen, Zugang zum Sport zu finden.

Altena - Ist das ein Wirrwarr. Überall Schnüre: Gelbe, rote, blaue, schwarze und grüne. Fluglehrer Sven Taute zupft und richtet mit ganz viel Ruhe diese Unordnung. Der Mann kennt sich aus mit der „Farbenlehre“, verzieht keine Miene. Gemeinsam mit Ehefrau Antje Witha und seinem angestellten Fluglehrer-Kollegen Franz Ruf ist der Gleitschirm-Ausbilder aus Warburg seit Wochenbeginn Gast des Aero-Club Altena-Hegenscheid.

Noch am gestrigen Samstag, 1. April,  hatten den ganzen Tag über Interessierte Gelegenheit, auf dem Flugplatz-Gelände vorbeizusehen und sich einen Eindruck von diesem „lautlosen Hobby“ zu verschaffen. „Was gibt es Schöneres, als ein Stoffpäckchen aus dem Rucksack zu holen und einfach davon zu schweben?“, fragt Fluglehrer Franz Ruf und fügt an: „Die gesamte Flugausrüstung für das Gleitschirm-Fliegen passt in einen großen Rucksack. Sie wiegt vielleicht 15 Kilogramm.

Ohne Hilfestellung kommt man nicht so leicht in die Luft.

Wir vermitteln hier die Ausbildung zum Seilwindenstart. Und: Während des Fluges sitzt der Pilot bequem in einem Sitzgurt.“ Thomas Werner vom Altenaer Aero-Club knüpfte die Kontakte zu den Profi-Ausbildern aus Niedersachsen. Die nehmen sich für die Schüler eine knappe Woche Zeit um sie in Theorie und Praxis zu schulen. Dann wird die Seilwinden-Starter-Prüfung vom Deutschen Hängegleiter Verband (DHV) abgenommen. Es ist faszinierend, den angehenden Piloten bei den Vorbereitungen zum Gleitschirmflug-Start zuzusehen. Zunächst wird der Schirm ausgepackt und auf das Flugfeld gelegt. Mehr als 30 Quadratmeter Fläche nimmt das Fluggerät aus Seide ein. Dann beginnt das Richten der Schnüre. Etwa 80 sind es insgesamt. Je 40 für die linke und rechte Hand des Fliegers. Mit ihnen kann der Flieger später in der Luft steuern und bremsen. Da darf nichts haken oder sich verdreht haben.

Das Wetter ist wichtig

 Das Wetter – in Fliegerkreisen sagt man besser die Thermik – ist an diesem Tag ein bisschen „wild“. Mehr als 400 Meter über NN liegt der Flugplatz, da weht es fast immer recht kräftig. Aber das ist auch irgendwie ideal, um die Schüler per Winde weitere 100 bis 200 Meter hoch über das Flugfeld zu ziehen. Der Evingser Thomas Werner gehört der Gleitschirmabteilung des Aero-Club Altena seit vielen Jahren an.

Der Sport ist relativ ungefährtlich - wenn man sich an alle Sicherheitsauflagen hält. Das müssen auch Flugschüler von Beginn an lernen.

Er ist – wie alle mehr als vier Dutzend Vereinskameraden im Alter von 14 bis 82 Jahren – vom Bazillus „Gleitschirmfliegen“ infiziert. „Es ist die Freiheit, die man in der Luft hat. Das intensive Wahrnehmen des Fluges, das Spüren der Gewalten“. Es sprudelt aus dem Evingser nur so heraus, warum er sich diesem Hobby verschrieben hat und es weiter pflegt, so oft er kann. Schnell sind wesentliche Details erzählt. Etwa zur Ausrüstung aus warmer und winddichter Kleidung, Schuhen, die noch zehn, zwanzig Zentimeter über den Knöchel gehen müssen, damit bei einer Landung niemand umknickt und sich das Gelenk bricht. Handschuhe, Helm, Sonnenbrille gehören dazu und eben der Schirm. Den gibt es in jeder Farbe, Form und vielen Größen. Einsteiger müssen schon 3 000 Euro investieren. Für den Fliegersitz, einem Kindersitz im Auto vergleichbar, das Gurtzeug sowie den Rettungsschirm und einen passenden Trage-Rucksack, kommen noch einmal etwa 1 000 Euro hinzu. Doch dann hält das Equipment „mindestens fünf Jahre, sofern es die vorgeschriebenen TÜV-Prüfungen übersteht und man keine

Gut investiert

großen Fehler gemacht hat mit der Lagerung.“ Denn, daran lässt Thomas Werner erneut keinen Zweifel: „Sicherheit geht bei unserem Sport vor. Leichtsinn oder Übermut können tödliche Folgen haben.“ Mit 14 Jahren kann jeder Pilot werden. Dann schließt sich eine intensive Schulung an. Die geht von drei Wochen bis zu einem Jahr und wird in einer Flugschule absolviert. Mit 16 Jahren wird man – eine bestandene Prüfung vorausgesetzt – Segelflug-Piloten gleichgestellt. Per Winde, mit flotten Schritten vom Startplatz am Wixberg aus oder sogar mit Motorunterstützung – auf drei Arten steigen vor Ort die lautlosen Fluggeräte mit ihren Piloten in den Himmel.

Begeisterte Zuschauer

Altenaer schauen immer wieder gerne nach oben, bewundern die Gleiter, die durchaus bis zu 100 Kilometer und mehr zurücklegen können. Derweil gehen meine Gedanken zurück zum Gewirr aus bunten Schnüren. Ob ich davon träume? Doch irgendwie bin ich auch neugierig. „Wir nehmen auch Gastflieger mit, das Gewicht ist dabei kein Problem.“ Thomas Werner vom Aero-Club Altena-Hegenscheid lacht mich an. Ganz ehrlich: Ich ringe noch mit mir, ob ich als Gastflieger wirklich wieder komme? www.air-hegenscheid.de

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