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Rätselhafte Gegenständlichkeit in der Lennestraße

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Von: Thomas Krumm

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Werkstatt-Vorsitzende Aleksandra Bacevic (links) und Laudatorin Dorothea Ossenberg-Engels nahmen Stipendiatin Luise Talbot in die Mitte.
Werkstatt-Vorsitzende Aleksandra Bacevic (links) und Laudatorin Dorothea Ossenberg-Engels nahmen Stipendiatin Luise Talbot in die Mitte. © Krumm

Zahlreiche Kunstfreunde versammelten sich am Mittwochabend im Ladengeschäft Lennestraße 59, das noch bis einschließlich Samstag als Ausstellungsraum fungiert. Zu sehen sind Arbeiten der Künstlerin Luise Talbot, der aktuellen Stipendiatin der Kunstwerkstatt Altena. Hier habe sie nach dem Kunststudium in Saarbrücken viel Ruhe gefunden, um zu malen und sich künstlerisch weiterzuentwickeln, bedankte sie sich für die Unterstützung.

Altena – Luise Talbot habe sich „ganz allein” auf den Weg nach Altena gemacht, begrüßte Aleksandra Bacevic, die 1. Vorsitzende der Kunstfreunde, die Stipendiatin und das Publikum. Sie habe ihr Stipendium „genau so genutzt, wie wir uns das im Idealfall wünschen. Sie hat konzentriert gearbeitet. Neues ausprobiert.”

Dorothea Ossenberg-Engels wies auf Luise Talbots Leben vor dem Kunststudium hin: Sie studierte afrikanische Sprachen, Literaturen und Kunst und setzte sich in diesem Studiengang mit moderner afrikanischer Kunst auseinander. Die Besucher hörten von ihr eine kleine sprachliche Kostprobe in der Sprache „Suaheli”.

Dorothea Ossenberg-Engels beschrieb, was in Luise Talbots „Zeit der freien Entfaltung” in Altena entstand und nun in der kleinen Ausstellung unter dem Titel „Somnium” (Traum) zusammengestellt wurde: Schwarz-weiße Kohle- und Graphit-Bilder, die „ein Anstoß zum Träumen und Weiterdenken” sind. „Zuerst einmal begeistert mich bei allen Werken die meisterhafte Beherrschung der Techniken – das Malen und Zeichnen.” Auffällig sei die Qualität, in der Luise Talbot einen Klassiker der Malschulen beherrsche: den Faltenwurf. Einige Bilder, die sie mitbrachte, dokumentieren diese gemalte Stofflichkeit.

Gut gefüllt war das Ladenlokal an der Lennestraße bei der Ausstellungseröffnung mit Arbeiten der Stipendiatin Luise Talbot.
Gut gefüllt war das Ladenlokal an der Lennestraße bei der Ausstellungseröffnung mit Arbeiten der Stipendiatin Luise Talbot. © Krumm

Nicht zufällig wies Ossenberg-Engels auf mehrere in Altena entstandene Werke hin, die eine Weiterentwicklung dokumentierten: In ihnen nutzt Luise Talbot ihre malerischen und graphischen Fähigkeiten, um rätselhafte Werke zu erschaffen, die die Phantasie der Betrachter herausfordern: Im großformatigen „Palast” geht sie erneut von stofflichen Formen und Gegenständen aus. Fäden könnten aber genausogut wuchernde Pflanzen und Wurzeln sein. Gefaltete Stoffe scheinen sich zu Hügeln in einer surrealen Landschaft aufzutürmen. Besucher entdeckten auf dem Bild einen deutlich erkennbaren Stierkopf. Diese Sicht auf das Bild ließ sich an andere weitergeben: „Jetzt sehe ich es auch!” Die Künstlerin selber schaute ebenfalls noch einmal genau hin, weil sie dieses Gebilde nicht bewusst intendiert hatte. Bilder, deren Elemente so unbestimmt und deutungsoffen sind, dass auch eine Künstlerin sich selber noch überraschen kann – das löst Entdeckerfreuden und Interpretationslust aus.

Ein weiteres Bild zog die Blicke magisch an: „Mater” - „Mutter”. Auch hier ist vieles rätselhaft: Ihr Kopf ist verborgen unter Tüchern, die nicht erkennen lassen, ob sie noch lebt oder schon tot ist. Sind die knochenartigen Strukturen an ihren Armen tatsächlich blanke Knochen, oder waltet hier die Freiheit der Darstellung ihrer lebendigen Arme? Und warum ist diese Mutter noch so reich geschmückt? Dorothea Ossenberg-Engels stellte weitere Fragen: „Ist sie auf der Flucht? Wovor? Was hat sie zur ‘mater dolorosa’ gemacht? Man möchte ihr die Hand reichen, ihr auf die Beine helfen und sie zurück in den Palast führen in eine hoffentlich heile, schöne Welt!?“

Angesichts von Luise Talbots positiven Rückmeldungen auf die Zeit in Altena und ihrer sichtbaren künstlerischen Weiterentwicklung sprach sich Dorothea Ossenberg-Engels als Beisitzerin des Vorstands der Werkstatt sehr nachdrücklich für eine Fortführung der Stipendien aus und dankte allen Sponsoren.

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