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Sechsstellige Summe: Unternehmen aus dem MK zahlt Impfprämie

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Oliver Görlich: „Die Rückmeldungen sind sehr positiv“.
Oliver Görlich: „Die Rückmeldungen sind sehr positiv“. © Cornelius Popovici

Gerade in Zeiten von Corona spielt die Solidarität eine große Rolle. Um das zu unterstreichen zahlt die Geck GmbH aus dem MK nun eine Impfprämie an Mitarbeiter aus.

Altena – Das ist mehr als eine Geste. Es ist ein Statement und ein noch recht ungewöhnlicher Weg in der langandauernden Pandemie: Die im Rahmedetal gleich mit mehreren Werken vertretene Geck GmbH vergibt Corona-Dankesprämien für geimpfte Mitarbeiter. Wer jetzt vermutet, dass dadurch die Impfquote im Unternehmen gesteigert werden soll, irrt gewaltig. Denn 95,44 Prozent der 330 Mitarbeiter haben sich bereits für einen Impfschutz entschieden.

„Wir verstehen Impfungen als einen Akt der Solidarität. Und dieser Solidarität möchten wir Ausdruck verleihen. Und uns bedanken“, sagt Oliver Görlich, der als geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen leitet.

Prämie für geimpfte Mitarbeiter

Die Prämie: 750 Euro, die mit der Februarabrechnung ausgezahlt werden. Teilzeitkräfte erhalten einen anteiligen Betrag, Auszubildende bekommen 375 Euro. Bisher nicht geimpfte Mitarbeiter, die sich bis Freitag, 18. Februar, gegen Corona impfen lassen und sich zudem zur Zweitimpfung verpflichten, erhalten ebenfalls diese Prämie.

Doch nicht alle Geck-Mitarbeiter jubeln angesichts dieses kleinen Geldsegens. „Es ist doch ein absolutes Unding, dass eine Geschäftsführung durch eine solche Maßnahme indirekt eine Impfung erpresst. Alle Mitarbeiter, egal ob geimpft oder nicht, haben in der Corona-Zeit ihre Arbeit im Unternehmen getan. Wenn nicht Corona und Politik die deutsche Gesellschaft entzweien, dann doch wohl solche Arbeitgeber“, heißt es in einem Schreiben an die Redaktion, wobei der Mitarbeiter seinen Namen nicht preisgeben möchte.

Arbeitgeber darf Beschäftigte locken

Der Arbeitgeber darf Beschäftigte zum Impfen locken – durch Bonus-Zahlungen, Extraurlaub oder Geschenke. „Impfungen sind Bestandteil arbeitsmedizinischer Vorsorge“, erklärt der Hamburger Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Fuhlrott im Gespräch mit ZDFheute. „Die damit einhergehende Ungleichbehandlung zwischen geimpften und ungeimpften Beschäftigten ist deshalb sachlich gerechtfertigt.“ Wer in Jena bei der Böttcher AG arbeitet, kann mit einer Impfung ganz schön viel Geld verdienen. 5000 Euro bietet das Unternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wenn sie sich einen Piks abholen. Das berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Und die Wirtschaftswoche schreibt: Aber anders als etwa in den USA haben sich in Deutschland nur wenige Unternehmen für die Zahlung einer Impfprämie entschieden. Diese lag meist bei einigen Hundert Euro. Die Chemische Fabrik Karl Bucher belohnte Impfungen mit 500 Euro. Der Mittelständler Pro-Micron, eine Firma für digitale Sensorsysteme, schenkte vollständig geimpften Mitarbeitern 250 Euro. Pro-Micron kommt nach eigenen Angaben auf eine 80-prozentige Impfquote. Der Essighersteller Speyer & Grund zahlte Kollegen, die bis Ende September 2021 vollständig immunisiert waren, 200 Euro.

Geck GmbH zahlt 750 Euro mit Abrechnung aus: Hohe Impfquote

Diesen Vorwurf möchte Oliver Görlich so nicht stehenlassen. „Es ist ja nicht so, dass wir diese Leute nicht bezahlt haben. Wir erhalten die Arbeitsfähigkeit der Organisation durch den Akt der Impfung. Das ist eine infrastrukturelle Aufgabe, die nicht nur bei Geck zu erledigen ist, sondern die jeder in seinem zivilen Bereich zu entscheiden hat. Und in dem Rahmen, in dem wir das können, haben wir uns bei denjenigen bedankt, die sich für diese Solidarität entschieden haben“, sagt Oliver Görlich.

Für Impfungen gebe es allerorts Anreize: „Leute haben eine Currywurst bekommen oder eine Erbsensuppe dazu oder andere Dinge. Es ist eine individuelle Entscheidung, ob ich mich impfen lassen möchte oder nicht.“

Corona-Prämie für Mitarbeiter: Geck GmbH appelliert an Solidarität

Dass es mit Blick auf die Impfquote bei Geck eine Handvoll Mitarbeiter gibt, die die Prämien kritisieren, „kann ich nicht verhindern“, so Oliver Görlich. Aber nur, um einigen wenigen nicht auf die Füße treten zu wollen, könne er den Dank den vielen Anderen nicht verwehren.

Die Fakten: 95,44 Prozent der Geck-Mitarbeiter haben eine Erstimpfung, 92,95 sind zum zweiten Mal geimpft, 53,7 Prozent sind bereits geboostert. Und so ist es eine durchaus stolze sechsstellige Summe, die das Unternehmen nun als Corona-Dankesprämie auszahlt. „Die Leute haben auch gelitten. Pandemie, Hochwasser, alle haben mitgezogen. Diese Prämie muss ich so benennen, weil sie nur dann steuerfrei bei den Leuten ankommt“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Eine normale Prämie werde versteuert, eine Corona-Prämie dürfe man dagegen steuerfrei auszahlen. Der Gesetzgeber habe ausdrücklich vorgesehen, dass man Prämien an Voraussetzungen knüpfen dürfe. Und die Rückmeldungen der Mitarbeiter seien auch tatsächlich sehr positiv.

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