Sebastian Schwarze bester Drahtzieher des Landes

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Sebastian Schwarze wurde bei Lüling ausgebildet.

ALTENA ▪ Auch auf die Bewerbung kommt es an: Wer sich gut präsentiere, habe durchaus eine Chance, bei Lüling zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden – auch wenn die Noten nicht so gut seien. Das sagte Christian von der Crone, als er gestern Sebastian Schwarze vorstellte. Der 21-jährige Lüdenscheider ist das lebende Beispiel dafür, dass die Firma mit dieser Taktik ganz gut fährt. Von Thomas Bender

Probleme am Gymnasium, in der achten Klasse dann ein Wechsel zur Realschule, auch da alles andere als ein Superschüler: Nächste Stationen waren das Berufskolleg (ebenfalls mit mäßigem Erfolg) und dann die „Einstiegsqualifizierung“ in der Lehrwerkstatt am Winkelsen. Das heißt feilen, sägen, bohren – und irgendwann kam Schwarze dann die Erkenntnis, dass ein Metallberuf ‘was für ihn sein könnte. Um die 70 Bewerbungen hat er geschrieben, ganz selten nur schaffte er es bis zum Vorstellungsgespräch – eben auch bei Lüling, wo man ihn anschließend zum Praktikum einlud. „Das ist üblich bei uns“, erklärt Lüling-Produktionsleiter Andreas Kersten. „So stellen wir fest, ob die Chemie stimmt“.

Chemie stimmte

Sie stimmte – wenig später bekam Schwarze seinen Ausbildungsvertrag als Drahtzieher. Bis dahin habe er sich darunter nicht viel vorstellen können, gestand er gestern. Das hat sich gründlich geändert: Im Sommer war Prüfung, der Lüdenscheider schaffte 94 von 100 möglichen Punkten. Damit ist er nicht nur der beste Auszubildende im Bereich der SIHK, sondern liegt auch landesweit auf Platz eins. „Darauf sind wir stolz“, sagt von der Crone und erinnert daran, dass das nicht das erste Mal ist, dass das mittelständische Unternehmen besonders gute Auszubildende in die Gesellenprüfung schickt.

Schwarze kann jetzt weiter machen: Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft hat ihn eingeladen, sich im Rahmen der Begabtenförderung um ein Stipendium zu bewerben. Den entsprechenden Antrag hat er gestellt. Wenn‘s klappt, dann wird er sich zum Industriemeister weiterbilden – berufsbegleitend, weil Lüling ihn (zunächst für ein Jahr) weiter beschäftigen wird.

Mit 760 Euro fängt ein Auszubildender im ersten Lehrjahr an, 2400 Euro brutto bekommt Schwarze jetzt. Hinzu kommen Schicht- und Akkordzulagen. „Der Drahtzieher hat schon immer gutes Geld verdient“, betont von der Crone – „aber das ist noch immer harte Arbeit, das darf man nicht vergessen“. Und Knowhow gehört auch dazu. Deshalb gehörte der Lüling-Geschäftsführer zu jenen Unternehmern, die sich dagegen wehrten, den Lehr- zum Anlernberuf zu degradieren. „Das merkt man, ob jemand gelernt hat. Ein ausbildeter Drahtzieher hat einen ganz anderen Zugang zum Produkt“, stimmt Kersten zu. Dass gute Drahtzieher rar sind, merkt Lüling gerade am eigenen Leibe – man sucht händeringend einen für das Werk in Iserlohn.

Gute Drahtzieher sind rar

Von der Crone engagiert sich auch bei den Wirtschaftsjunioren, kümmert sich um eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben. Sebastian Schwarzes Werdegang versteht er durchaus als Mutmach-Geschichte für junge Menschen: „Wenn der Wille da ist, dann hat man auch eine Chance“, sagt er.

Grundsätzlich misst das Drahtwerk Lüling der betrieblichen Ausbildung einen hohen Stellenwert bei: „Wir bilden über Bedarf aus“, berichtet von der Crone. Gut ein halbes Dutzend Auszubildende gibt es im Unternehmen, ganz aktuell haben zwei angehende Drahtzieher ihre Lehre begonnen – wie üblich mit einem dreimonatigen Grundlehrgang in der Lehrwerkstatt am Winkelsen.

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