Nachlass bereichert das Stadtarchiv

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Prof. Dr. Sabine Rieckhoff zeigt Stadtarchivarin Monika Biroth eines der 14 Tagebücher aus dem Nachlass des früheren Landrates. Inhaltlich und formal sehr sauber beschreibt Fritz Hesse darin die Lebensumstände vergangener Jahrzehnte.

Altena -  Der Bestand des Stadtarchives ist um etliche Dokumente und Originalquellen reicher geworden. Prof. Dr. Sabine Rieckhoff hat Archivarin Monika Biroth zahlreiche Stücke aus dem Nachlass ihres Schwiegervaters übergeben.

Die Dokumente erlauben einen Blick auf das Leben von Friedrich Wilhelm Hesse (1893 bis 1963), der seinen Zeitgenossen kurz als „Fritz“ bekannt war. Hesse war Mitglied der SPD, hatte einen Sitz im Stadtrat (Stadtverordnetenversammlung), war von 1946 bis 1963 Landrat des damaligen Kreises Altena und schließlich auch Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtages.

Am Montag war seine Schwiegertochter in der Burgstadt, um mit der Stadtarchivarin einen Blick auf die vielfältigen Dokumente zu werfen. Dazu zählen Fotoalben, schriftliche Dokumente wie Urkunden und persönliche Papiere, aber in erster Linie 14 handgeschriebene Tagebücher, in denen der frühere Landrat vielfältigen Einblick in seinen Alltag und seine Gedankenwelt offenbart. Nach dem Tode ihres Mannes Ulrich im Jahr 2012, der ein Sohn Fritz Hesses war, hatte Dr. Rieckhoff Überlegungen angestellt, was mit den zahlreichen Objekten am besten geschehen solle. „Da lag der Gedanke an das Stadtarchiv natürlich nahe“, so die studierte Archäologin gestern. „Ich bin sehr froh, dass Frau Biroth gleich großes Interesse gezeigt hat.“

Fritz Hesse entstammte einer Altenaer Arbeiter- und Handwerkerfamilie. Er hatte bei der Firma Bierbach den Beruf des Grob-Drahtziehers erlernt und war Teilnehmer des ersten Weltkriegs.

Seit 1925 war Fritz Hesse mit Ottilie Martin verheiratet, einer Tochter des Altenaer Gewerkschaftssekretärs Friedrich Hermann Martin. Hesse hatte zwei Kinder. Seine Tochter Ursula (1927 bis 1989) ging ebenfalls in die Kommunal-Politik, war viele Jahre Ratsmitglied und Rektorin der Volksschule.

Die jetzt ans Stadtarchiv übergebenen Dokumente erlauben nach Biroths ersten Eindrücken viele Einblicke und enthalten reichhaltige Hintergrundinformationen über das Arbeitsleben vor dem ersten Weltkrieg und die Zeit danach. „Er schrieb stilistisch sicher und eloquent“, berichtet Dr. Sabine Rieckhoff. Seine Lehre als Grob-Drahtzieher hatte Fritz Hesse im März 1908 bei der Firma Bierbach angetreten. Sein Arbeitsbuch zählt zum Nachlass. Nach dem Ersten Weltkrieg leitete Hesse die Altenaer Konsumgenossenschaft. Auch die für den ehemaligen Landrat schwierige Zeit des Nationalsozialismus wird in den Tagebüchern nicht ausgespart. Erhalten ist zum Beispiel das Entlassungsschreiben der Konsumgenossenschaft „wegen politischer Unzuverlässigkeit.“ Die Nazis waren es auch, die Hesse aus seiner Tätigkeit im Stadtrat verdrängten. Einmal wurde er sogar verhaftet. - Von Thomas Keim

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