Schwerverletzter kämpft sich zurück ins Leben

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Ralf Hücking ist wieder guter Dinge.

ALTENA - „Ich hatte einen Schutzengel“, sagt Ralf Hücking. Langsam versucht der 42-Jährige sich im Bett des Klinikums Dortmund-Nord aufzurichten und verzieht dabei schmerzvoll das Gesicht. „Tja, seit dem Unfall weiß ich, was Schmerzen sind.“

An den Verkehrsunfall vom 30. Dezember vergangenen Jahres hat der junge Altenaer „noch jede Menge Erinnerungen. Ich weiß noch alles“, sagt er. Über eine Stunde habe er nach dem Frontalzusammenstoß mit einem schweren Geländefahrzeug im Autowrack gelegen. Das Allrad-Fahrzeug steuerte damals ein 77-Jähriger, der auf eisglatter Straße an der Abbiegung Steinwinkel/Westiger Straße die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.

Mit der Rettungsschere musste Hücking aus seinem Auto geschnitten werden und bekam gleich im Anschluss den ersten Hubschrauberflug seines Lebens „spendiert“. „Darauf hätte ich liebend gern verzichtet“, sagt der Familienvater. Denn seine Verletzungen, besonders ab Hüfte und an den Beinen, waren ausgesprochen schwer. Er wurde mit dem Helikopter sofort ins Unfallkrankenhaus Dortmund geflogen, wo bereits ein OP-Team auf ihn wartete.

Seit diesem Schicksalstag – also seit fast zwei Monaten – wird er im Klinikum Nord in Dortmund stationär behandelt. Und es werden hier, aber auch in der sich anschließenden Rehaklinik, noch Wochen, vermutlich sogar Monate, vergehen, bis er halbwegs wieder hergestellt ist. „Ich bin in guten Händen, Ärzte, Pfleger, das ganze drum und dran stimmt“, sagt er.

Seit ein paar Tagen steht ein Rollstuhl vor seinem Bett. Aber es macht dem aktiven Seniorfußballer des VfB Altena große Mühe, „sich da irgendwie rein zu hieven. Ist nicht so einfach“, sagt er nur. Denn beide Beine stecken voller Schrauben, Zwingen, Nägel, Platten und haben damit fast den doppelten Umfang „normaler Beine.“

Hücking hat viel mitgemacht. Allein vier Mal wurde er am rechten und linken Oberschenkel, beiden Beinen, den Waden und den Füßen in stundenlangen Eingriffen operiert. „Die kleinen Operationen, wenn nur örtlich betäubt wurde, habe ich gar nicht nachgehalten“, sagt der Altenaer tapfer. Denn neben Sehnen- und Bänderrissen mussten die Ärzte weitere Verletzungen operativ versorgen.

Nachdem der Heilungsprozess langsam einsetzt, hat er jetzt in der Klinik ein strammes Programm. „Morgens bin ich ausgebucht, die Fachkräfte versuchen, mich wieder zu stabilisieren, Muskelmasse aufzubauen.“

Ohne Schmerzen geht das nicht, doch der Metzger beißt die Zähne zusammen. „Ich will wieder richtig laufen können“, sagt er und blickt auf den Nachtschrank. Dort steht ein Bild seiner Frau und der ganzen Familie. „Ich bin ihr so dankbar. Was sie auf sich nimmt, ist schon sagenhaft. Ohne diesen Rückhalt, ich weiß nicht“, sagt der 42-Jährige.

Doch auch den Eltern spricht er Lob und Dank aus und „meinem riesigen Bekannten- und Freundeskreis.“ Alle hätten zu ihm, aber auch zur Familie, gestanden. „Ich musste nur husten, dann waren sie da.“

Riesig gefreut hat sich Ralf Hücking, dass ihm Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, verschiedene Bankvorstände und „ganz, ganz viele Altenaer Genesungswünsche übermittelt haben. So etwas baut auf“, sagt er.

Kontakt zum Unfallverursacher hat er nicht gehabt. Er habe gehört, der Senior habe einmal im Geschäft an der Lennestraße nachgefragt. Doch gab es weder ein Kärtchen noch einen Anruf bei ihm selbst. Wichtig ist Ralf Hücking, noch einmal den Rettungskräften, der Feuerwehr und den Ersthelfern zu danken und seine Stimme klingt dabei ein bisschen belegt.

Gedanken um die Zukunft, auch die des elterlichen Geschäftes, wo sein Fernbleiben natürlich ein „Riesenloch“ reißt, gehen im ständig durch den Kopf. Dem Vater helfe jetzt eine Aushilfe, wann er selbst wieder in der Wurstküche stehen kann, vermag Ralf Hücking nicht zu sagen.

Nur eines hat er abgehakt: „Ich habe mein ganzes Leben aktiv Fußball gespielt. Damit ist es mit diesen Beinen wohl vorbei“, meint er und die Stimme klingt traurig. Denn nach wie vor „habe ich überhaupt kein Gefühl im rechten Fuß. Ich spüre ihn überhaupt nicht.“ Die Ärzte machten ihm zwar Hoffnung, dass das wiederkomme, aber momentan seien die Nerven im Bein tot. Auf dem Sportplatz habe er sich „in all den Jahren nie verletzt. Ehrlicherweise muss ich sagen, ich habe die Position Verteidiger gespielt. Da lag das Austeilen wohl eher bei mir.“

Ralf Hücking wird sich ins Leben zurück kämpfen. Er lacht wieder, übt fleißig mit seinen Therapeuten und sein Händedruck ist schon wieder fest. „Grüßen Sie Altena und nochmal Danke schön an alle, die an mich gedacht haben. Schreiben Sie bitte: Alles wird gut!“

von Johannes Bonnekoh

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