Schwertzeit und Schachbrett-Männer

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Karsten Wolfewicz stimmt sich auf ein besonderes Jahr ein. Bei seinen Zeitreisen besucht er die Zeit der Ritter vom Ursprung bis zum Ausklang. ▪

ALTENA ▪ Die Winterzeit ist eine ruhige Zeit für Gärtner. Nicht für Karsten Wolfewicz, denn er ist Gärtner im „Garten der Geschichte“. Seit Monaten arbeitet er an neun Abendveranstaltungen in der Burg Holtzbrinck, die ab Anfang Mai etwas in die Burgstadt tragen werden, was man noch nicht gesehen hat. Hier nicht und auch noch nicht woanders. Von Thomas Keim

Und Wolfewiczs Garten wächst und wächst – mitten im Winter. Unglaublich, was der in Iserlohn geborene Wahl-Altenaer an Requisiten und für das Bühnenbild aufbieten kann – ein Bühnenbild, das es im eigentlichen Sinne gar nicht geben wird, denn Wolfewicz will nicht auf der Bühne vortragen, er will nahe am Publikum sein, am liebsten mittendrin.

Seine Arbeiten sind so gelungen und ausdrucksstark geraten, dass sie mühelos mit dem konkurrieren können, was ein professioneller Bühnenbildner abliefern würde.

Wolfewicz’s Rolle im „Garten der Geschichte“ wird aber eine bedeutend größere sein, als nur das Bühnenbild zu liefern. Er ist Autor der neun Episoden, führt Regie, spricht und singt zu alten Instrumenten, und er ist dabei gekleidet in Kostüme, die er selbst geschneidert hat. Für die Auftaktveranstaltung zum Ende der Antike schuf das Multitalent zum Beispiel ein Gewand – noch – im römischen Schnitt: Eine Tunika, gehalten von einer Legionärsfibel. Über der rechten Schulter liegt aber schon ein Tuch im keltischen Karomuster – ein Zeitenwandel zeigt sich auch an den Textilien.

Ein Aufwand und eine Vorbereitung, die in Stunden und Tagen kaum zu messen ist – Wolfewizc ist „Überzeugungstäter“ im besten Sinne. Er sagt: „Ich möchte die Leute mit Freude in die Geschichte zurückholen.“ Erlebt man ihn, glaubt man das ohne weitere Nachfrage. Da steht einer, der hat was drauf.

Die Schachbrett-Männer, zum Beispiel werden eine Rolle spielen. Ihr heraldisches Muster kennt jeder Märker. Und er wird staunen, der Märker, dass die Schachbrett-Männer schon in einer Quelle zur Thidreksaga auftauchen – mitten in der Völkerwanderungszeit.

Ja, Wolfewicz hat ein profundes Wissen über Geschichte, er kann Zusammenhänge glänzend erläutern, ist ein begnadeter Bastler – er brennt für seine Sache. Um zum Beispiel das geografische Weltbild der Wikinger deutlich zu machen, reichen dem 47-Jährigen zwei Schalen mit ein paar Murmeln drin – und die Zuhörer verstehen schnell, warum die Nordmänner Amerika entdeckt haben.

Und sie werden verstehen, warum es als unmöglich galt, Afrika zu umschiffen. Und warum das Unternehmen für Europa schließlich überlebenswichtig wurde – und trotzdem gewagt werden musste. Und die Zuschauer werden dann auch erfahren, warum die westliche Welt dazu die Holländer brauchte. Bis dahin aber wird es Herbst sein im „Garten der Geschichte“. Erst einmal wandelt sich der Garten am 8. Mai, dem Tag der Auftaktveranstaltung, zu einer Sagenlandschaft. So heißt neben „Schwertzeit“ und „Bordberichte“ eines der drei Oberthemen.

Am 8. Mai lautet der Themenabend „Von Westen“. Dabei geht es um das Ende der Antike und um die keltische Sagenwelt. Wolfewicz begibt sich dann auf einen Streifzug durch die Kindheit Europas. Außerdem geht es um die Fundamente der Artusdichtung, die das ganze ritterliche Europa erfassen wird. Der „Garten der Geschichte“ hat die Chance, eine reiche Ernte einzubringen.

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