Die Schwellen kommen aus der Mode

+
Hintern hoch am Berliner Kissen – inzwischen ist diese Form der Verkehrsberuhigung aus der Mode gekommen.

ALTENA - Das Freibad ist zu und der Kindergarten auch, Sirius ist ebenso verschwunden wie Kneipe und Konsum – und trotzdem ist der untere Linscheider Bach eine der „verkehrsberuhigtesten“ Straße Altenas. Vor dem ehemaligen Freibad-Eingang bremst ebenso wie am Abzweig der Nordstraße ein „Berliner Kissen“ den Verkehr, hinzu kommen künstliche Fahrbahnverengungen. „Das war ja alles mal sehr in Mode“, weiß Rainer Hoffmann vom Ordnungsamt.

Wobei gerade die Schwellen – von Fachleuten auch Berliner Kissen genannt – schnell umstritten waren. Der Rettungsdienst verflucht sie, weil das Passieren dieser Schikanen für die auf einer federnden Trage gelagerten Patienten höchst unangenehm ist, auch die Fahrer der Winterdienst-Fahrzeuge haben mit den Einbauten ihre Probleme. Und nicht zuletzt hat jede dieser Schwellen schon -zig Spoiler von tiefergelegten Autos auf dem Gewissen.

Inzwischen komme niemand mehr auf die Idee, so brachial den Verkehr zu bremsen, gibt Reiner Hoffmann zu – „von den Schwellen redet heute keiner mehr“. Das bedeutet aber nicht, dass sie abgebaut werden – auch nicht am Linscheider Bach, wo sie längst überflüssig sind. „Das geht nicht so einfach“, weiß der städtische Verkehrsexperte aus Erfahrung. Wo die Berliner Kissen verschwinden, sind anschließend größere Reparaturen an der Straße erforderlich.

Deshalb gelte im klammen Städtchen Altena, dass die Verkehrsberuhigungs-Einbauten erst dann entfernt würden, wenn sie definitiv kaputt seien, berichtet Hoffmann. Ganz so einfach ist das aber nicht: Am Ebberg in Evingsen wollten die Anlieger zum Beispiel auf keinen Fall auf ihre Schwellen verzichten.

Eine Sonderform der „Hubbel“ waren übrigens schmale Teerstreifen, von denen mehrere hintereinander angeordnet waren – an der Wilhelmsstraße habe man sehr schnell gemerkt, dass die eher das Gegenteil bewirkten, weiß Hoffmann: „Die Autofahrer hatten schnell heraus, dass man von denen um so weniger merkte, desto schneller man darüber fuhr“.

vonThomas Bender

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare