Städtebauliche Entwicklung von zwei Industriebrachen läuft an

Der Schwarzenstein gehört wieder der Stadt

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Verfallen und verkommen: das Areal Schwarzenstein.

Altena - Wenn in der Neujahrsnacht Sektkorken und Raketen knallen, dann wird die Stadt Eigentümerin von zwei Grundstücken, die es in sich haben. Mit dem Jahreswechsel erfolgt nämlich auch die Eigentumsübertragung der Industriebrachen Schwarzenstein und Bierbach.

40000 Quadratmeter Bauruinen – so könnte man das beschreiben, was die Stadt für einen Euro eher notgedrungen erworben hat. Der vormalige Eigentümer Chafik Itani habe bis zu seinem gewaltsamen Tod im Jahr 2011 zwar viel versprochen, faktisch aber nichts zum Substanzerhalt getan, berichtet Roland Balkenhol.

Für den 62-jährigen Stadtplaner sind die beiden Brachen wohl das letzte große Projekt seiner Amtszeit. „Und zuende bringen kann ich es ganz sicher nicht“, sagt er. Immerhin hat er sich vorgenommen, schon im Jahr 2018 erste Abbruchmaßnahmen in Auftrag zu geben.

Brache Schwarzenstein von oben: Spektakuläre Fotos einer Drohne

Das Thema Schwarzenstein beschäftigt Balkenhol praktisch sein ganzes Arbeitsleben lang. Als Student hat er bei VDM am Schwarzenstein gejobt, als Stadtplaner hört er sich seit drei Jahrzehnten die Klagen über den fortdauernden Verfall an, ohne wirklich etwas dagegen tun zu können – nur ein paar Zwangsabrisse zur Gefahrenabwehr hat die Stadt in Auftrag gegeben, nachdem Gebäudeteile auf die Bundesstraße gefallen waren.

Kaufpreis ein Euro

Für einen Euro gab’s sozusagen die Katze im Sack: „Wie es da aussieht, wissen wir nicht so genau“, gesteht Balkenhol. Natürlich gibt es Bauakten – aber der Komplex am Scharzenstein ist deutlich über 100 Jahre alt, im Laufe der Jahrzehnte hat es immer wieder Veränderungen gegeben. 

Sehr hilfreich seien da Aufnahmen mit einer Drohne gewesen, die das AK in Auftrag gegeben und auf www.come-on.de veröffentlicht hat, sagt der Planer. Deshalb wird eine Ortsbesichtigung mit das erste sein, was Balkenhol und seine Kollegen nach dem Jahreswechsel vornehmen werden.

Unbefugtes Betreten

Dabei wird es auch um solche Fragen gehen, wie die beiden Areale gegen unbefugtes Betreten gesichert werden können und ob irgendwo akute Gefahr droht. Einen Giebel der Firma Bierbach hat die Bauaufsicht jedenfalls „permanent im Auge“, wie Balkenhol erläutert. Und auch der Mauer, die den Schwarzenstein-Komplex von der B236 trennt, traut man im Bauamt nicht so recht. Das kommunale Immobilienmanagement hat sich bereits Gedanken darüber gemacht, welche Versicherungen abgeschlossen werden müssen. An einer Haftpflichtversicherung führe wohl kein Weg vorbei, meint Klaus Peter Trappe.

Industriebrachenversicherung

Über eine Industriebrachenversicherung denkt die Stadt zumindest nach. 300 000 Euro hat Balkenhol im kommenden Jahr für die beiden Brachen zur Verfügung – Geld, das in erster Linie für Planungskosten ausgegeben werden soll. Wenn feststehe, welche Gebäude fallen müssen und ob vielleicht noch was stehen bleiben könne, müssten Konzept für die Abbrüche her, erklärt der Abteilungsleiter: „Die Zeiten, wo einfach der Bagger kam und alles platt gemacht hat, sind endgültig vorbei“.

Baufälligkeit wohin das Auge blickt.

Heute muss im Vorfeld geklärt werden, welche Materialien vorhanden sind und wie sie entsorgt werden können – lauter Fragen, mit denen sich externe Fachleute beschäftigen werden, die Stadt wird entsprechende Planungsaufträge vergeben. Auch das Thema Sicherheit spielt eine Rolle. Natürlich werde gemeinsam mit dem Kreis auch noch geprüft, ob und welche Altlasten es gibt und wie damit umgegangen wird – „ich bin mir sicher, dass wir da was finden“, sagt Balkenhol. Und wie werden die Flächen anschließend genutzt? Balkenhol hält sich in dieser Frage bedeckt, will niemandem vorgreifen.

EU-Fördertöpfe

Denn: Die Stadt plant, für Schwarzenstein und Bierbach Fördertöpfe der EU anzuzapfen. Sie möchte sich damit gerne am Urbact III-Programm beteiligen und in einem breit angelegten Partizipationsprozess gemeinsam mit den Bürgern darüber nachdenken, wie die Flächen zukünftigt genutzt werden können. Ein Filetstück ist nach Ansicht Balkenhols die ehemalige Gießerei am linken Lenneufer, die abseits vom Verkehrslärm liegt und beispielsweise als Bauland genutzt werden könnte.

Gewerbliche Nutzung

Für die gegenüberliegenden Flächen zwischen Fluss und Bundesstraße sei eine gewerbliche Nutzung sicherlich denkbar, meint der Stadtplaner. Und die Bierbach-Brache ist städtebaulich auch deshalb interessant, weil die Brüder Karakus derzeit ja aufwendig den Lennestein sanieren, in dessen Umfeld seit jeher permanenter Parkplatzmangel herrscht. Es sei durchaus möglich, Flächen nach einer Sanierung zu verkaufen, erklärt Balkenhol.

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